Sie befinden sich hier:

Startseite > Krankheiten > Diabetes > Therapie

Forum

Diabetes

Porträt Dr. Winfried Keuthage Forenexperte: Dr. Winfried Keuthage Forum Diabetes
Foren-Login

Sie sind noch nicht registriert? Kostenlos registrieren

Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)

Insulin

Stand: 16. August 2011Autor: Onmeda-RedaktionMedizinische Qualitätssicherung: Dr. med. Weiland, Dr. med. Waitz

Insulin kann man nicht als Tablette einnehmen, weil die Magensäure das Eiweiß dann zerstören würde. Daher muss man die Substanz spritzen. Als die Insulintherapie eingeführt wurde, waren nur kurzwirksame Insuline (Altinsulin) verfügbar. In den 1930er Jahren veränderte sich die Insulintherapie durch die Einführung von sogenannten Verzögerungsinsulinen grundlegend. Verzögerungsinsuline werden nach der Injektion langsam aus der Injektionsstelle unter der Haut in den Körper abgegeben, sodass sie über einen längeren Zeitraum wirken. Menschen, die zuvor drei bis vier Injektionen am Tag benötigten, brauchen jetzt nur noch ein bis zwei Insulindosen täglich. Verzögerungsinsuline haben die Lebensqualität der Diabetiker entscheidend verbessert. Durch die Kombination von "schnellem" und "langsamem" Insulin kann man den Blutzuckerspiegel heute gut kontrollieren.

Konventionelle Insulintherapie

Bei der konventionellen Insulintherapie spritzt sich der Diabetiker kurzwirksames Normalinsulin und langwirksames Verzögerungsinsulin in einem festen Mischverhältnis ein- bis zweimal täglich. Vorteil dieser Methode: die einfache Handhabung. Ein Nachteil ist die starre Wirkung, die den Diabetiker zwingt, sich in seinem Tagesablauf sowie in Menge und Zeitpunkt seiner Mahlzeiten an einen festen Ablauf zu halten.

Intensivierte / ergänzende Insulintherapie

Die Weiterentwicklung von Insulinpräparaten und Insulin-Verabreichung ermöglichte es, die sogenannte intensivierte Insulintherapie einzuführen. Bei ihr passt der Diabetiker die Insulindosis ständig seinem aktuellen Blutzuckerwert an.

Die Therapie erfolgt nach dem sogenannten Basis-Bolus-Prinzip. Die Behandlung ahmt die natürliche Insulinsekretion des Körpers nach: Ihr liegt eine fortlaufende Insulinabgabe (sog. basale Sekretion) zugrunde, die zu Mahlzeiten gesteigert und bei körperlicher Betätigung vermindert wird. Ein zwei- bis dreimal täglich gespritztes Verzögerungsinsulin bildet die Basis. Der erhöhte Insulinbedarf zu den Mahlzeiten wird mit der zusätzlichen Injektion von schnell wirksamem Normalinsulin als Bolus abgedeckt. Die erforderliche Dosis berechnet der Betroffene, nachdem er seinen Blutzuckerwert gemessen hat. Erhöhte Blutzuckerwerte vor dem Essen kann er durch die zusätzliche Gabe von Normalinsulin nach einem Korrekturplan senken.

Die Basis-Bolus-Therapie bietet dem Diabetiker die Möglichkeit, seine Mahlzeiten frei zu gestalten, da die Insulinmenge an die verzehrten Kohlenhydrate angepasst wird und nicht umgekehrt. Voraussetzung für diese Therapie ist die regelmäßige Bestimmung des Blutzuckerspiegels und eine gute Schulung des Betroffenen.

Die intensivierte Insulintherapie ist derzeit Standard bei Diabetes mellitus Typ 1. Hier erreicht sie bessere Behandlungsergebnisse und eine verbesserte Lebensqualität als die konventionelle Insulintherapie. Auch bei der Therapie des Diabetes mellitus Typ 2 gehört das Basis-Bolus-Prinzip zu den Therapie-Möglichkeiten, meist als sogenannte supplementäre Insulintherapie (= ergänzende Insulintherapie). Der erhöhte Insulinbedarf zu den Mahlzeiten wird hierbei durch ein schnell und kurz wirksames Normalinsulin oder Insulinanalogon gedeckt. Nur bei Bedarf ergänzt ein lang wirksames Insulinpräparat nachts beziehungsweise zum Abendessen die Therapie.

Es gibt zurzeit keine ausreichenden wissenschaftlichen Langzeitstudien zur Frage, ob kurzwirksame Insulinanaloga für Menschen mit Typ-2-Diabetes gesundheitliche Vorteile gegenüber Humaninsulin haben und wie sicher Insulinanaloga langfristig sind. Deshalb gilt Normal- beziehungsweise Humaninsulin derzeit als das Standardinsulin.

Insulin-Injektionen

Insulin kann man mithilfe spezieller Insulinpens unter die Haut (subkutan) spritzen. Dabei handelt es sich um füllhalterähnliche Injektionsgeräte, die das Insulin in vorgefertigten Patronen enthalten und aus denen man die gewünschte Insulindosis per Knopfdruck spritzen kann.

Eine kontinuierliche Insulinzufuhr ist dagegen nur mithilfe sogenannter Insulinpumpen möglich. Diese mit Insulin gefüllten Dosiergeräte sind etwa so groß wie eine Zigarettenschachtel und werden ständig am Körper getragen. Die Insulinpumpe gibt über eine unter der Haut liegenden Kanüle regelmäßig eine bestimmte voreingestellte Insulinmenge ab. Darüber hinaus erlaubt sie es, vor den Mahlzeiten eine Extradosis Insulin abzurufen (Bolus).

Es gibt zwar Geräte, die kombiniert den Blutzuckerwert messen und Insulin verabreichen können. Bislang muss man die abzugebende Insulinmenge aber noch nach der Menge der gegessenen Kohlenhydrate errechnen und den Blutzucker auch selber von Hand messen. Ziel der technischen Weiterentwicklungen könnte sein, dass Diabetiker weitgehend unabhängig von ihrer Erkrankung werden.

Anfang 2006 wurde ein Insulin zum Einatmen in Deutschland für bestimmte Diabetiker zugelassen. Über einen Inhalator konnten die Patienten – ähnlich wie bei einem Asthmaspray – das Insulin einatmen. Über das Bronchialsystem gelangte sehr schnell ins Blut. Der Hersteller nahm das Präparat jedoch 2007 wieder vom Markt. Ob inhalierbares Insulin irgendwann wieder erhältlich ist, ist noch unklar.

Weiterlesen: Diabetes: Therapie – Diabetiker-Schulung

Das könnte Sie auch interessieren

Diabetes mellitus

Diabetes mellitus

Erfahren Sie im Überblick mehr über Symptome, Ursachen und Folgen von Diabetes mellitus und wie Sie vorbeugen können. mehr ...

Weitere Themen:

Am häufigsten gelesen

Sudoku

Sudoku

Sudoku spielen fördert das logische Denken und die Konzentrationsfähigkeit und hilft Ihnen, Ihr Gedächtnis spielerisch zu trainieren. mehr ...

Weitere Themen:

PartnerangeboteAnzeige

Disclaimer:

© 2012 gofeminin.de GmbH – Das Informationsangebot rund um die persönliche Gesundheit auf www.onmeda.de dient ausschließlich Ihrer Information und ersetzt in keinem Fall eine persönliche Beratung, Untersuchung oder Diagnose durch einen approbierten Arzt. Die auf Onmeda zur Verfügung gestellten Inhalte können und dürfen nicht zur Erstellung eigenständiger Diagnosen und/oder einer Eigenmedikation verwendet werden. Bitte beachten Sie auch den Haftungsausschluss sowie unsere Hinweise zu den Bildrechten.