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Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)

Antidiabetika (Diabetesmittel)

Stand: 16. August 2011Autor: Onmeda-RedaktionMedizinische Qualitätssicherung: Dr. med. Weiland, Dr. med. Waitz

Wenn die Blutzuckerwerte trotz Umstellung der Lebensgewohnheiten nicht zufriedenstellend sind, müssen Typ-2-Diabetiker auf sogenannte Antidiabetika (Diabetesmittel) zurückgreifen. Es gibt eine Reihe verschiedener Antidiabetika.

Medikamente, die die Zuckeraufnahme aus dem Darm verzögern

Alpha-Glukosidasehemmer: Alpha-Glukosidasehemmer wie Acarbose und Miglitol verhindern, dass Glukosemoleküle im Darm aufgespalten und ins Blut aufgenommen werden. Als unerwünschte Nebenwirkung können Blähungen, Bauchschmerzen und Durchfall auftreten. Beide Medikamente verzögern die Glukoseaufnahme im Darm und verhindern so den starken Anstieg der Blutzuckerkonzentration nach den Mahlzeiten.

Guar-Präparate: Guar-Präparate quellen im Darm stark auf und erzeugen ein Völlegefühl. Dadurch isst man weniger, sodass auch entsprechend weniger Kohlenhydrate ins Blut gelangen können.

Sulfonylharnstoffe

Sulfonylharnstoffe erhöhen die Ausschüttung von Insulin aus der Bauchspeicheldrüse. Häufig wirkt die Therapie mit Sulfonylharnstoffen bei Typ-2-Diabetikern zunächst gut. Mit fortschreitender Erkrankung, wenn die Inselzellen der Bauchspeicheldrüse zunehmend erschöpft sind, lässt ihre Wirkung in der Regel jedoch nach. Dann muss der Diabetiker zusätzlich Insulin spritzen. Wenn Diabetiker Sulfonylharnstoffe einnehmen, müssen sie auf eine regelmäßige Ernährung achten, da ohne Kohlenhydratzufuhr gefährliche Unterzuckerungen (sog. Hypoglykämien) entstehen können. Als Nebenwirkung kann es zu einer Gewichtszunahme kommen. Sulfonylharnstoffe verursachen häufig Wechselwirkungen mit anderen Wirkstoffen, zum Beispiel Betablockern oder Acetylsalicylsäure.

Biguanide

Biguanide verbessern die Glukoseverwertung in den Zellen, zum Beispiel in der Muskulatur. Zusätzlich hemmen sie die körpereigene Herstellung von Glukose (sog. Glukoneogenese) aus anderen Stoffwechselprodukten wie Eiweißen. Ein bekannter Vertreter der Biguanide ist das Metformin. Bei übergewichtigen Typ-2-Diabetikern ist Metformin das Mittel erster Wahl. Als Nebenwirkung kann es zu Appetitlosigkeit, Übelkeit, Brechreiz und Durchfällen kommen. Menschen mit Nierenerkrankungen dürfen Biguanide nicht einnehmen.

Glinide

Glinide wie das Repaglinid steigern wie die Sulfonylharnstoffe die Insulinproduktion der Bauchspeicheldrüse, ihr Wirkmechanismus ist jedoch ein anderer. Dennoch spricht man bei diesen Medikamenten von Sulfonylharnstoff-Analoga. Glinide senken den Zuckerspiegel zwar weniger stark als die Sulfonylharnstoffe, ihre Wirkung setzt dafür sehr schnell ein. Man nimmt sie unmittelbar vor dem Essen ein und sie können je nach Größe der Mahlzeit dosiert werden. Dadurch steigt der Blutzuckerspiegel nach dem Essen nicht so stark. Wie die Sulfonylharnstoffe können auch die Glinide nur wirken, solange die Inselzellen noch in der Lage sind, Insulin herzustellen. Als Nebenwirkungen sind Magenbeschwerden und Unterzuckerungen möglich. Ob Glinide sich auch positiv auf mögliche Folgeerkrankungen auswirken, zum Beispiel Durchblutungsstörungen, ist bislang noch unklar.

Glitazone

Glitazone (Thiazolidindione) erhöhen die Insulinempfindlichkeit im Leber-, Muskel- und Fettgewebe und senken so den Blutzuckerspiegel. Auf die eigentliche Insulinausschüttung haben sie keinen Einfluss. In Deutschland werden Glitazone entweder separat oder in Kombination mit Sulfonylharnstoffen oder Metformin verschrieben. Es gibt Hinweise darauf, dass Glitazone die Entstehung des Typ-2-Diabetes verzögern können, da die Bauchspeicheldrüse entlastet wird. Voraussetzung ist, dass sie frühzeitig in der Therapie zum Einsatz kommen. Als Nebenwirkungen sind in manchen Fällen Gewichtszunahme und Wassereinlagerungen im Gewebe (Ödeme) möglich. Wissenschaftliche Untersuchungen weisen daraufhin, dass der Wirkstoff Rosiglitazon das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen leicht erhöht. Seit November 2010 sind Medikamente mit dem Wirkstoff Rosiglitazon in Apotheken deshalb nicht mehr erhältlich.

Sitagliptin und Exenatide

Die Wirkstoffe Exenatide und Sitagliptin sorgen dafür, dass die Anzahl bestimmter Darmhormone (sog. Inkretine) steigt. Inkretine regulieren die Insulinfreisetzung und bewirken unter anderem eine vermehrte Freisetzung von Insulin aus den Beta-Zellen nach dem Essen, noch bevor die Blutzuckerwerte ansteigen.

Exenatide ist ein Wirkstoff, der die Wirkung von Inkretin nachahmt (sog. Inkretin-Mimetikum). Es steigert die Insulinsekretion und hemmt zugleich die Sekretion von Glukagon, einem Hormon, welches einen Anstieg des Blutzuckerspiegels bewirkt. Bislang liegen allerdings noch keine Langzeitdaten zur Wirkung von Exenatide vor. Als Nebenwirkungen können Übelkeit und Durchfall auftreten.

Sitagliptin ist ein sogenannter DDP-4-Inhibitor. Der Wirkstoff hemmt ein Enzym (DPP-4), welches die Konzentration von Glukose im Blut beeinflusst.

Sowohl Exenatide als auch Sitagliptin werden in Kombination mit anderen Wirkstoffen wie beispielsweise Metformin eingesetzt, wenn diese nicht ausreichend wirken.

Weiterlesen: Diabetes: Therapie – Insulin

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