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Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit): Therapie

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (14. November 2016)

Bei Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) zielt die Therapie allgemein darauf ab, zu vermeiden, dass sich durch die Erkrankung die Lebensqualität der Betroffenen mindert. Die genaue Diabetes-Therapie hängt davon ab, ob ein Typ-1- oder ein Typ-2-Diabetes vorliegt. Mithilfe der Therapie lässt sich der Blutzuckerspiegel gut einstellen – eine konsequente Blutzuckerkontrolle beugt möglichen Folgeerkrankungen und Spätschäden von Diabetes vor. Viele Diabetiker können ein beschwerdefreies Leben führen können.

Wer an Diabetes erkrankt ist, kann selbst maßgeblich dazu beitragen, dass die Therapie erfolgreich ist. Er sollte die wesentlichen Therapiemaßnahmen in seinem persönlichen Alltag dauerhaft und eigenverantwortlich umsetzen. Diabetes mellitus ist zwar nicht heilbar – wer jedoch aktiv und verantwortungsvoll mit seiner Erkrankung umgeht und auf seinen Körper achtet, kann ohne große Einschränkung normal leben.

Die individuellen Behandlungsziele sollten Patient und Arzt gemeinsam vereinbaren und regelmäßig überprüfen; dabei sollte der Mediziner den Betroffenen vollständig und verständlich darüber aufklären, welchen Nutzen und Schaden die Therapie haben kann.

Diabetes: Das Bild zeigt einen Arzt im Patientengespräch. © Jupiterimages/iStockphoto

Wenn Arzt und Diabetiker Hand in Hand arbeiten, lässt sich Diabetes gut behandeln.

Typ-1-Diabetes

Beim Typ-1-Diabetes liegt ein absoluter Insulinmangel vor, das heißt, dass die Bauchspeicheldrüse zu wenig oder gar kein Insulin bildet. Da Insulin jedoch lebensnotwendig ist, müssen Betroffene es lebenslang spritzen. Insulin ist eine aus verschiedenen Aminosäuren (Bausteine der Eiweiße) zusammengesetzte Substanz. Zur Diabetes-Therapie stehen Normalinsulin und auch sogenannte Insulinanaloga zur Verfügung. Bei den Insulinanaloga sind im Gegensatz zum Normalinsulin einige Aminosäuren ausgetauscht.

Eine Therapie mit speziellen Medikamenten (sog. oralen Antidiabetika) ist bei Typ-1-Diabetes unwirksam. Der Grund: Orale Antidiabetika (OAD) sollen die Insulinausschüttung der Inselzellen erhöhen. Diese Zellen haben beim Typ-1-Diabetes jedoch ihre Funktion verloren.

Typ-2-Diabetes

Beim Diabetes mellitus Typ 2 gibt es ein breiteres Therapie-Spektrum: Häufig liegt dem Diabetes mellitus Typ 2 eine ungesunde Ernährungsweise zugrunde – und damit verbunden auch Übergewicht oder Fettleibigkeit (Adipositas).

Wird der Typ-2-Diabetes rechtzeitig erkannt, kann man den gestörten Glukosestoffwechsel in vielen Fällen noch ohne Medikamente normalisieren. Eine Umstellung der Lebensgewohnheiten ist hier das A & O. Dazu gehört vor allem:

Reichen diese Maßnahmen nicht aus, um den Blutzuckerspiegel entscheidend zu senken, können zusätzlich Medikamente (sog. orale Antidiabetika) helfen. Ist die Insulinproduktion der Bauchspeicheldrüse schließlich erschöpft oder wirken die Tabletten nur unzureichend, kann eine Insulintherapie erforderlich sein, um die Blutzuckerwerte ausreichend zu senken.

Stufentherapie bei Typ-2-Diabetes

Je nachdem, wie weit der Typ-2-Diabetes fortgeschritten ist, können verschiedene Therapiestufen nötig sein. Wichtiger Baustein der Therapie ist in jedem Fall eine eingehende Schulung: Wer an Diabetes erkrankt, sollte zumindest das Angebot erhalten, ein spezielles, auf ihn abgestimmtes Schulungs- und Behandlungsprogramm in Anspruch zu nehmen.

Stufe Therapiemaßnahme
Stufe 1 Die Stufe 1 der Diabetes-Therapie, die sog. Basistherapie, kommt ohne Medikamente aus. Vielmehr geht es darum, den bisherigen Lebensstil zum Gesünderen hin zu verändern. Der Diabetiker stellt zunächst seine Ernährungsweise um und wird ausführlich geschult. Das Ziel ist hierbei, Gewicht zu verlieren und die Blutfettwerte zu verbessern. Bewegung, Rauchverzicht und ein vernünftiger Umgang mit Alkohol gehören ebenfalls zum Therapieplan. Wenn der Betroffene alle gemeinsam mit dem Arzt vereinbarten Ziele erreicht, erübrigt sich meist eine der folgenden Stufen und er muss keine Medikamente einnehmen.
Stufe 2 Reichen die Maßnahmen in Stufe 1 nicht aus – was nach etwa 3 bis 6 Monaten durch den HbA1c-Wert kontrolliert wird –, empfiehlt der Arzt, zusätzlich zur Basistherapie ein Medikament einzunehmen. Der Wirkstoff Metformin gilt vor allem für Übergewichtige als Mittel der Wahl, er senkt den Blutzuckerspiegel. Menschen, die Metformin nicht gut vertragen oder bei denen Gegenanzeigen vorliegen, können auf andere Wirkstoffe ausweichen. Dazu zählen z.B. Insulin und Sulfonylharnstoffe wie der Wirkstoff Glibenclamid.
Stufe 3 Nach weiteren etwa 3 bis 6 Monaten erfolgt eine erneute Kontrolle. Ist der Blutzuckerspiegel nicht ausreichend gesunken, kann zusätzlich ein zweites Medikament in die Therapie aufgenommen werden. Für viele Kombinationen liegen keine ausreichenden Belege aus klinischen Studien vor. Alternativ zu einer Zweifachkombination kommt auch eine alleinige Therapie mit Insulin infrage.
Stufe 4 In Stufe 4 kommen weiter angepasste Insulin- und Kombinationstherapieformen zum Einsatz, die bei manchen Diabetikern durchaus sinnvoll sein können. Für Dreifachkombinationen mit oralen Diabetesmitteln liegen bisher keine Studien vor, die die Wirksamkeit bezogen auf bedeutsame Endpunkte wie Folgekrankheiten oder die Lebensdauer untersucht haben. Nutzen und Risiken dieser Therapie sollten daher besonders kritisch hinterfragt werden.

Antidiabetika (Diabetesmittel)

Wenn die Blutzuckerwerte trotz Umstellung der Lebensgewohnheiten nicht zufriedenstellend sind, müssen Typ-2-Diabetiker auf sogenannte orale Antidiabetika (Diabetesmittel) zurückgreifen. Es gibt eine Reihe verschiedener Antidiabetika.

Biguanide

Biguanide verbessern die Glukoseverwertung in den Zellen, zum Beispiel in der Muskulatur. Zusätzlich hemmen sie die körpereigene Herstellung von Glukose (sog. Glukoneogenese) aus anderen Stoffwechselprodukten wie Eiweißen. Ein bekannter Vertreter der Biguanide ist das Metformin. Bei übergewichtigen Typ-2-Diabetikern ist Metformin das Mittel erster Wahl. Als Nebenwirkung kann es zu Appetitlosigkeit, Übelkeit, Brechreiz und Durchfällen kommen. Menschen mit schweren Nierenerkrankungen dürfen Biguanide nicht einnehmen.

Sulfonylharnstoffe

Sulfonylharnstoffe erhöhen die Ausschüttung von Insulin aus der Bauchspeicheldrüse. Häufig wirkt die Therapie mit Sulfonylharnstoffen bei Typ-2-Diabetikern zunächst gut. Mit fortschreitender Erkrankung, wenn die Inselzellen der Bauchspeicheldrüse zunehmend erschöpft sind, lässt ihre Wirkung in der Regel jedoch nach. Dann muss der Diabetiker zusätzlich Insulin spritzen.

Wenn Diabetiker Sulfonylharnstoffe einnehmen, müssen sie auf eine regelmäßige Ernährung achten, da ohne Kohlenhydratzufuhr gefährliche Unterzuckerungen (sog. Hypoglykämien) entstehen können. Betroffenen mit Typ-2-Diabetes und einer Niereninsuffizienz haben durch Sulfonylharnstoffe zudem generell ein erhöhtes Risiko für Unterzuckerung – bei ihnen sollten Medikamente aus dieser Wirkstoffgruppe mit Vorsicht verschrieben werden.

Als Nebenwirkung kann es bei Sulfonylharnstoffen zu einer Gewichtszunahme kommen. Sie verursachen außerdem häufig Wechselwirkungen mit anderen Wirkstoffen, zum Beispiel Betablockern oder Acetylsalicylsäure.

Medikamente, die die Zuckeraufnahme aus dem Darm verzögern

Alpha-Glukosidasehemmer wie Acarbose und Miglitol verhindern, dass Glukosemoleküle im Darm aufgespalten und ins Blut aufgenommen werden. Als unerwünschte Nebenwirkung können Blähungen, Bauchschmerzen und Durchfall auftreten. Beide Medikamente verzögern die Glukoseaufnahme im Darm und verhindern so den starken Anstieg der Blutzuckerkonzentration nach den Mahlzeiten. Sie lassen sich mit vielen anderen Diabetesmitteln kombinieren. Für Patienten mit Typ-2-Diabetes und einer Niereninsuffizienz sind sie jedoch möglicherweise nicht geeignet.

Gliptine oder DDP-4-Inhibitoren (u.a. Sitagliptin, Vildagliptin)

Sitagliptin und Vildagliptin sind sogenannte DDP-4-Inhibitoren oder Gliptine. Sie hemmen ein Enzym namens DPP-4. DDP-4 baut normalerweise das Hormon GLP-1 ab. GLP-1 zählt zu den sogenannten Inkretinen, einer Gruppe bestimmter Darmhormone, die den Blutzuckerspiegel beeinflussen: Inkretine regulieren die Insulinfreisetzung und bewirken unter anderem, dass die Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse nach dem Essen mehr Insulin ausschütten, noch bevor die Blutzuckerwerte steigen. Gliptine setzen dort an und unterstützen diesen Effekt.

Gliptine werden in Kombination mit anderen Wirkstoffen wie beispielsweise Metformin eingesetzt, wenn diese nicht ausreichend wirken. Es liegen keine Belege vor, dass sie sich auf sog. klinische Endpunkte wie Folgeerkrankungen des Diabetes positiv auswirken. Es kommt gehäuft zu Nebenwirkungen im Magen-Darm-Trakt und es besteht der Verdacht, dass Gliptine die Bauchspeicheldrüse angreifen können und dort zum Beispiel zu Entzündungen führen können.

Glinide

Glinide wie das Repaglinid oder Nateglinid steigern wie die Sulfonylharnstoffe die Insulinproduktion der Bauchspeicheldrüse, ihr Wirkmechanismus ist jedoch ein anderer. Dennoch spricht man bei diesen Medikamenten von Sulfonylharnstoff-Analoga. Glinide senken den Zuckerspiegel zwar weniger stark als die Sulfonylharnstoffe, ihre Wirkung setzt dafür sehr schnell ein. Man nimmt sie unmittelbar vor dem Essen ein und sie können je nach Größe der Mahlzeit dosiert werden. Dadurch steigt der Blutzuckerspiegel nach dem Essen nicht so stark.

Wie die Sulfonylharnstoffe können auch die Glinide nur wirken, solange die Inselzellen noch in der Lage sind, Insulin herzustellen. Als Nebenwirkungen sind Magenbeschwerden und Unterzuckerungen möglich, ebenso eine leichte Gewichtszunahme. Ob Glinide sich positiv auf mögliche Folgeerkrankungen auswirken, zum Beispiel Durchblutungsstörungen, ist bislang noch unklar.

Glitazone

Glitazone (Thiazolidindione) erhöhen die Insulinempfindlichkeit im Leber-, Muskel- und Fettgewebe und senken so den Blutzuckerspiegel. Sie heißen daher auch "Insulin-Sensitizer" (engl. to sensitize = empfindlich machen). Auf die eigentliche Insulinausschüttung haben sie keinen Einfluss.

Seit November 2010 sind Medikamente mit dem Wirkstoff Rosiglitazon in Apotheken nicht mehr erhältlich – wissenschaftliche Untersuchungen hatten ergeben, dass der Wirkstoff das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen leicht erhöht.

Seit Juni 2011 darf Pioglitazon in Deutschland nur noch in begründeten Ausnahmefällen zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung verordnet werden. Ein Grund sind Ergebnisse aus Studien, die darauf hindeuten, dass sich unter der Therapie mit Pioglitazon das Risiko für Blasenkrebs erhöhen könnte. Es wenn weitere klinische Studien vorliegen, lässt sich abschließend beurteilen, welche Rolle Pioglitazon für die Diabetes-Therapie spielt.

Weitere mögliche Nebenwirkungen der Glitazone:

  • verminderte Knochendichte
  • Lebererkrankungen (die Leberwerte sollten regelmäßig kontrolliert werden)

Wie kann man mithilfe von Medikamenten eigentlich seinen Blutzucker regulieren? Unser Video zeigt es Ihnen!

Inkretinmimetika (Exenatide, Liraglutide)

Exenatide und Liraglutid sind Wirkstoffe, die die Wirkung von Inkretin nachahmen (sog. Inkretinmimetika oder GLP-1-Rezeptoragonisten). Sie steigern die Sekretion von Insulin und hemmen zugleich die Sekretion von Glukagon, einem Hormon, das bewirkt, dass der Blutzuckerspiegel steigt. Bislang liegen noch keine Langzeitdaten zur Wirkung der Inkretinmimetika vor.

Als Nebenwirkungen können Übelkeit und Durchfall auftreten. Inkretinmimetika werden in Kombination mit anderen Wirkstoffen wie beispielsweise Metformin eingesetzt, wenn diese nicht ausreichend wirken.

Insulin

Insulin kann man nicht als Tablette einnehmen, weil die Magensäure das Eiweiß dann zerstören würde. Daher muss man die Substanz spritzen. Als die Insulintherapie eingeführt wurde, waren nur kurzwirksame Insuline (Altinsulin) verfügbar. In den 1930er Jahren veränderte sich die Insulintherapie durch die Einführung von sogenannten Verzögerungsinsulinen grundlegend.

Verzögerungsinsuline werden nach der Injektion langsam aus der Injektionsstelle unter der Haut in den Körper abgegeben, sodass sie über einen längeren Zeitraum wirken. Menschen, die zuvor drei bis vier Injektionen am Tag benötigten, brauchen jetzt nur noch ein bis zwei Insulindosen täglich. Verzögerungsinsuline haben die Lebensqualität der Diabetiker entscheidend verbessert. Durch die Kombination von "schnellem" und "langsamem" Insulin kann man den Blutzuckerspiegel heute gut kontrollieren.

Konventionelle Insulintherapie

Bei der konventionellen Insulintherapie spritzt sich der Diabetiker kurzwirksames Normalinsulin und langwirksames Verzögerungsinsulin in einem festen Mischverhältnis etwa zweimal täglich. Vorteil dieser Methode: die einfache Handhabung. Ein Nachteil ist die starre Wirkung, die den Diabetiker zwingt, sich in seinem Tagesablauf sowie in Menge und Zeitpunkt seiner Mahlzeiten an einen festen Ablauf zu halten.

Intensivierte / ergänzende Insulintherapie

Die Weiterentwicklung von Insulinpräparaten und Insulin-Verabreichung ermöglichte es, die sogenannte intensivierte Insulintherapie einzuführen. Bei ihr passt der Diabetiker die Insulindosis ständig seinem aktuellen Blutzuckerwert an.

Die Therapie erfolgt nach dem sogenannten Basis-Bolus-Prinzip. Die Behandlung ahmt die natürliche Insulinsekretion des Körpers nach: Ihr liegt eine fortlaufende Insulinabgabe (sog. basale Sekretion) zugrunde, die zu Mahlzeiten gesteigert und bei körperlicher Betätigung vermindert wird.

  • Ein zwei- bis dreimal täglich gespritztes Verzögerungsinsulin bildet die Basis.
  • Den erhöhten Insulinbedarf zu den Mahlzeiten deckt der Betroffene, indem er zusätzlich schnell wirksames Normalinsulin als Bolus spritzt (Einmalgabe).

Die erforderliche Dosis berechnet der Betroffene, nachdem er seinen Blutzuckerwert gemessen hat. Erhöhte Blutzuckerwerte vor dem Essen kann er durch die zusätzliche Gabe von Normalinsulin nach einem Korrekturplan senken.

Die Basis-Bolus-Therapie bietet dem Diabetiker die Möglichkeit, seine Mahlzeiten frei zu gestalten, da die Insulinmenge an die verzehrten Kohlenhydrate angepasst wird und nicht umgekehrt. Voraussetzung für diese Therapie ist die regelmäßige Bestimmung des Blutzuckerspiegels und eine gute Schulung des Betroffenen.

Die intensivierte Insulintherapie ist derzeit Standard bei Diabetes mellitus Typ 1. Hier erreicht sie bessere Behandlungsergebnisse und eine verbesserte Lebensqualität als die konventionelle Insulintherapie.

Auch bei der Therapie des Diabetes mellitus Typ 2 gehört das Basis-Bolus-Prinzip zu den Therapie-Möglichkeiten, meist als sogenannte supplementäre Insulintherapie (= ergänzende Insulintherapie). Der erhöhte Insulinbedarf zu den Mahlzeiten wird hierbei durch ein schnell und kurz wirksames Normalinsulin oder Insulinanalogon gedeckt. Nur bei Bedarf ergänzt ein lang wirksames Insulinpräparat nachts beziehungsweise zum Abendessen die Therapie.

Es gibt zurzeit keine ausreichenden wissenschaftlichen Langzeitstudien zur Frage, ob kurzwirksame Insulinanaloga für Menschen mit Typ-2-Diabetes gesundheitliche Vorteile gegenüber Humaninsulin haben und wie sicher Insulinanaloga langfristig sind. Deshalb gilt Normal- beziehungsweise Humaninsulin derzeit als das Standardinsulin.

Insulin-Injektionen

Insulin kann man mithilfe spezieller Insulinpens unter die Haut (subkutan) spritzen. Dabei handelt es sich um füllhalterähnliche Injektionsgeräte, die das Insulin in vorgefertigten Patronen enthalten und aus denen man die gewünschte Insulindosis per Knopfdruck spritzen kann.

Eine kontinuierliche Insulinzufuhr ist dagegen nur mithilfe einer sogenannten Insulinpumpe möglich. Diese mit Insulin gefüllten Dosiergeräte sind etwa so groß wie eine Zigarettenschachtel und werden ständig am Körper getragen. Die Insulinpumpe gibt über eine unter der Haut liegende Kanüle regelmäßig eine bestimmte voreingestellte Insulinmenge ab. Darüber hinaus erlaubt sie es, vor den Mahlzeiten eine Extradosis Insulin abzurufen (Bolus).

Es gibt zwar Geräte, die kombiniert den Blutzuckerwert messen und Insulin verabreichen können. Bislang muss man die abzugebende Insulinmenge aber noch nach der Menge der gegessenen Kohlenhydrate errechnen und den Blutzucker auch selber von Hand messen. Ziel der technischen Weiterentwicklungen könnte sein, dass Diabetiker weitgehend unabhängig von ihrer Erkrankung werden.

Video: Insulinzufuhr – die verschiedenen Methoden kurz erklärt

Anfang 2006 wurde ein Insulin zum Einatmen in Deutschland für bestimmte Diabetiker zugelassen. Über einen Inhalator konnten die Patienten – ähnlich wie bei einem Asthmaspray – das Insulin einatmen. Über das Bronchialsystem gelangte es sehr schnell ins Blut. Der Hersteller nahm das Präparat jedoch 2007 wieder vom Markt. Ob inhalierbares Insulin irgendwann wieder erhältlich ist, ist noch unklar.

Diabetiker-Schulung

Eine umfangreiche Diabetiker-Schulung ist für jeden Erkrankten sehr wichtig. Sie vermittelt wichtige Informationen über Diabetes mellitus und seine Behandlung. So sollte jeder Diabetiker lernen,

  • seinen Blutzuckerspiegel zu messen,
  • mit Medikamenten umzugehen (vor allem Insulin),
  • wie eine angemessene Ernährung und Lebensführung aussehen sollte,
  • wie man Folgeschäden vermeiden kann.

Schulungen für Diabetiker werden von zahlreichen Stellen angeboten, die Kosten dafür übernimmt die Krankenkasse. Niedergelassene Ärztinnen und Ärzte, Diabetes-Ambulanzen von Kliniken, Selbsthilfegruppen und Diabetes-Schwerpunktpraxen informieren über die verschiedenen Kursangebote.

Umfassende Therapie

Um Gefäßschäden durch Arterienverkalkung (Arteriosklerose) zu vermeiden, ist es bei Diabetes mellitus besonders wichtig, auch andere Risikofaktoren auszuschalten. Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen müssen ebenso engmaschig kontrolliert und konsequent behandelt werden wie der Blutzucker. Nur durch eine solche umfassende Therapie kann man das Risiko für Diabetes-Spätfolgen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall senken.

Die Therapieziele müssen Arzt und Diabetiker jedoch immer individuell, zum Beispiel abhängig von dem Alter und möglichen Begleiterkrankungen, vereinbaren.

Mögliche Therapieziele bei Typ-2-Diabetes sind:

  • HbA1c < 53 mmol/l (alte Einheit: < 7%)
  • Nüchtern-Blutzucker: 80-110 mg/dl (4,4-6,1 mmol/l)
  • Vermeidung von schweren Unterzuckerungen
  • LDL-Cholesterin < 100 mg/dl (< 2,6 mmol/l)
  • HDL-Cholesterin > 45 mg/dl (> 1,2 mmol/l)
  • Triglyceride < 150 mg/dl (< 1,7 mmol/l)
  • Blutdruck: < 130/< 80 mmHg (bei Nierenschäden: < 125/< 85 mmHg)
  • Nikotinverzicht
  • Erreichen von Normalgewicht

Unterzuckerung

Ein Blutzuckerwert unterhalb von 50 mg/dl gilt als Unterzuckerung, fachlich: "Hypoglykämie". Besonders das Gehirn ist auf den Energielieferant Glukose im Blut angewiesen. Ist nicht mehr ausreichend Glukose vorhanden, kann es dazu führen, dass der Betroffene bewusstlos wird und einen hypoglykämischen Schock erleidet. Dieser Zustand ist lebensgefährlich.

Ein zu niedriger Blutzucker entsteht meist durch eine Überdosierung von Insulin oder Sulfonylharnstoffen, oder der Diabetiker hat versäumt, nach der Einnahme der Medikamente ausreichend zu essen. Auch Erkrankungen, körperliche Belastung oder starker Alkoholkonsum können der Auslöser sein.

Eine beginnende Unterzuckerung kündigt sich durch Beschwerden an, die Menschen mit Diabetes mellitus als Warnzeichen kennen sollten. Mögliche Warnzeichen einer Hypoglykämie sind:

Bei Verdacht auf eine Unterzuckerung sollten Sie ihren Blutzucker kontrollieren und bei Bedarf schnell verwertbare Kohlenhydrate (z.B. Traubenzucker oder Obstsäfte) zu sich nehmen.



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