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Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit): Diagnose

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (02. Februar 2016)

Bei Verdacht auf Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) kann der Arzt die Diagnose anhand der Blutzuckerwerte stellen. Die Zuckerkonzentration im Urin kann ebenfalls einen Hinweis geben.

Blutzucker

Der Blutzucker liegt normalerweise nüchtern unter 90 Milligramm pro Deziliter (mg/dl) im Vollblut beziehungsweise unter 100 mg/dl im Blutplasma. Er steigt nach dem Essen auf Werte von maximal 140 mg/dl.

Für einen Diabetes mellitus sprechen folgende Blutzuckerwerte:

  • entweder klassische Symptome und ein Gelegenheits-Blutzuckerwert von über 200 mg/dl oder
  • Nüchtern-Blutzuckerwert von über 110 mg/dl im Vollblut bzw. 126 mg/dl im Blutplasma oder
  • HbA1c-Wert über 6,5 % oder
  • sogenannter oGTT-2-h-Wert von über 200 mg/dl (oGTT = oraler Glukosetoleranztest).

Harnuntersuchungen

Glukose im Urin (Glukosurie): Glukose im Urin ist ein Hinweis auf die Zuckerkrankheit. Bei einer erhöhten Ausscheidung von Glukose im Harn spricht man von einer Glukosurie. Ab einem Blutzucker von etwa 180 mg/dl wird die sogenannte Nierenschwelle für Glukose überschritten, bei der der Körper beginnt, überschüssige Glukose mit dem Urin auszuscheiden.

Bei Schwangeren liegt diese Nierenschwelle etwas niedriger. Der ausgeschiedene Zucker kann mithilfe von Glukose-Teststreifen im Harn nachgewiesen werden. Auch in der Schwangerschaft gesunder Frauen können geringe Mengen Glukose im Urin vorkommen; durch weitere Untersuchungen schließt der Arzt einen Schwangerschaftsdiabetes aus.

Ketonkörper im Urin (Ketonurie): Wenn die Körperzellen aufgrund eines Insulinmangels keinen Zucker verwerten können, decken sie ihren Energiebedarf durch sogenannte Ketonkörper, einem Produkt des Fettstoffwechsels in der Leber. Eine erhöhte Konzentration von Ketonkörpern ist ein Warnsignal dafür, dass der Diabetes "entgleist" und es zu einer "Übersäuerung" des Organismus kommt (sog. Ketoazidose). Der Arzt kann die Ketonkörper mithilfe eines Teststreifens nachweisen (Ketonurie).

Diabetes: Eine Harnuntersuchung kann bei Verdacht auf Diabetes mellitus zur Diagnose beitragen. © Jupiterimages/Ingram Publishing

Eine Harnuntersuchung kann bei Verdacht auf Diabetes mellitus zur Diagnose beitragen.

Glukosetoleranztest

Stellt der Arzt bei ersten Untersuchungen Blutzuckerwerte fest, die im Grenzbereich liegen, kann er zusätzlich einen oralen Glukosetoleranztest (oGTT) vornehmen. Beim oGTT nimmt der Arzt dem Betroffenen zunächst Blut ab, um den Blutzuckerspiegel zu bestimmen.

In den drei Tagen vor dem Test darf der Patient nicht hungern, sondern muss sich mit ausreichend Kohlenhydraten ernähren. Mindestens 10 Stunden vor dem Test muss der Patient dann nüchtern bleiben, das heißt: 10 bis 16 Stunden ohne Nahrung, Alkohol und Rauchen. Am Test-Tag trinkt der Patient dann 75 Gramm Glukose in 250 bis 300 Milliliter Wasser gelöst. Diese Lösung muss er innerhalb von 5 Minuten langsam einnehmen. 2 Stunden später nimmt der Arzt erneut Blut ab.

Beim Nicht-Diabetiker liegen die Blutzuckerwerte im Blutplasma nüchtern unter 100 Milligramm pro Deziliter (mg/dl) und 2 Stunden nach dem Test unter 140 mg/dl. Liegen die Nüchternwerte bei Werten über 100 bis maximal 125 mg/dl, spricht man von einer abnormen Nüchternglukose, bei einem nach zwei Stunden gemessenen Wert von über 140 bis maximal 199 mg/dl von einer gestörten Glukosetoleranz.

Ein Diabetes mellitus liegt vor, wenn die Werte für den Nüchternblutzucker im Blutplasma mindestens 126 mg/dl oder mehr (bzw. im Blutserum mindestens 110 mg/dl oder mehr) und für den nach zwei Stunden gemessenen Wert (oGTT-2-h-Wert) über 200 mg/dl betragen. Bei Schwangeren liegen die Grenzwerte für den oGTT niedriger.

HbA1c-Wert

Um den Zuckerstoffwechsel einer Person über einen längeren Zeitraum zu überprüfen, kann der Arzt den HbA1c-Wert bestimmen. Dieser gibt die Menge des mit Glukose verbundenen roten Blutfarbstoffs an, der normalerweise bei 20 bis 48 mmol/l (4 bis 6,5%) liegt und direkt von der Höhe des Blutzuckers abhängt. Mithilfe des HbA1c-Werts kann der Arzt den Blutzuckerspiegel der letzten acht bis zehn Wochen beurteilen.

Welchen Wert der HbA1c unter der Therapie erreichen sollte, ist individuell unterschiedlich. Er richtet sich unter anderem danach, ob ein Patient dazu neigt, zu unterzuckern. Daher vereinbart der Arzt mit dem Betroffenen gemeinsam einen auf ihn abgestimmten Zielwert.

Verallgemeinernd lässt sich sagen, dass für Menschen mit Typ-1-Diabetes ein HbA1c-Zielwert kleiner 58 mmol/l (7,5%) empfehlenswert ist, sofern keine Neigung zu schweren Unterzuckerungen (Hypoglykämien) besteht. In manchen Fällen kann auch ein niedrigerer HbA1c-Wert angepeilt werden.

Bei Typ-2-Diabetes lautet die Empfehlung, den Wert zwischen 6,5 und 7,5% (48 bis 58 mmol/mol) zu halten. Aber auch hier gibt es Patientengruppen, die von einem "strengeren" Wert (kleiner 6,5%) eher profitieren, und andere, für die sich ein höherer HbA1c-Zielwert eignet.

Ärzte nutzen den HbA1c-Wert auch zur Diagnose eines Diabetes mellitus. Allerdings besitzt der HbA1c-Wert als Diagnosekriterium nur bei Erwachsenen genug Aussagekraft.

Um bei Kindern einen Diabetes nachzuweisen, reicht der HbA1c-Wert alleine nicht aus, da sich die der Grenzwert von 48 mmol/mol beziehungsweise 6,5 Prozent nicht ohne Weiteres auf Kinder übertragen lässt. Zur Diagnose bei Kindern müssen deshalb immer auch andere Methoden herangezogen werden.

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