Chronische Niereninsuffizienz (chronisches Nierenversagen)

Chronische Niereninsuffizienz (chronisches Nierenversagen)

Chronische Niereninsuffizienz (chronisches Nierenversagen): Definition

Stand: 21. März 2011Autor: Onmeda-RedaktionMedizinische Qualitätssicherung: Dr. med. Weiland, Dr. med. Waitz

Eine chronische Niereninsuffizienz (chronisches Nierenversagen) ist ein über Monate und Jahre zunehmender Verlust der Nierenfunktion, sodass die Niere ihre Aufgaben nicht mehr richtig wahrnehmen kann.

Die Niere ist an unterschiedlichen Vorgängen – zum Beispiel dem Knochenstoffwechsel, der Blutbildung, dem Kortison- oder dem Säure-Basen-Haushalt – beteiligt. Ihre Hauptaufgabe besteht in ihrer Funktion als Ausscheidungsorgan: Die Niere regelt den Flüssigkeitshaushalt und entgiftet den Körper, indem sie viele Abbau- oder Abfallprodukte, die dem Organismus in zu hoher Konzentration schaden würden (sog. harnpflichtige Substanzen), über den Harn ausscheidet. Auch bei einem leicht geschädigtem Nierengewebe kann die Niere ihre Aufgaben noch lange Zeit ausführen. Erst wenn etwa die Hälfte des Gewebes beeinträchtigt ist, vermindert sich die Ausscheidung. Eine chronische Niereninsuffizienz mit typischer Symptomatik entwickelt sich erst, wenn die Nieren bereits stark geschädigt sind.

Eine gesunde Niere bildet in jeder Minute etwa 125 Milliliter Primärharn. Dieser Vorgang heißt glomeruläre Filtration, da er in den als Glomeruli bezeichneten Gefäßknäueln der Niere stattfindet. Eine chronische Niereninsuffizienz schädigt fortschreitend funktionsfähiges Gewebe, sodass die Niere immer weniger Primärharn bildet. Ein vollständiges Nierenversagen mit völligem Ausfall der Harnproduktion ist eine sogenannte terminale Niereninsuffizienz. In diesem Stadium bildet die Niere dann weniger als 15 Milliliter Primärharn pro Minute.

Die glomeruläre Filtrationsrate (GFR) dient zur Einteilung chronischer Nierenerkrankungen. Die chronische Niereninsuffizienz durchläuft unbehandelt fünf Stadien mit unterschiedlichem Schweregrad:

  • Stadium I: Nierenerkrankung, GFR normal
  • Stadium II: leichte Niereninsuffizienz, GFR = 60 bis 89 ml
  • Stadium III: mäßige Niereninsuffizienz, GFR = 30 bis 59 ml
  • Stadium IV: schwere Niereninsuffizienz, GFR = 15 bis 29 ml
  • Stadium V: terminale Niereninsuffizienz, GFR < 15 ml

Hat die chronische Niereninsuffizienz das Endstadium erreicht, sammeln sich Stoffe, die der Körper normalerweise mit dem Harn ausscheidet, im Blut an – es kommt zur Harnvergiftung (Urämie). Ohne Behandlung ist dieser Zustand lebensbedrohlich. Chronisches Nierenversagen tritt in Westeuropa jährlich bei etwa 1 von 10.000 Einwohnern neu auf.

Weiterlesen: Chronische Niereninsuffizienz (chronisches Nierenversagen): Ursachen

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