Cholangitis: Entzündete Gallenwege

Veröffentlicht von: Wiebke Raue (20. Juni 2016)

© Jupiterimages/iStockphoto

Eine Cholangitis ist eine Entzündung der Gallenwege. Eine gelblich gefärbte Haut, Schmerzen im rechten Oberbauch und Fieber sind charakteristisch für eine akute Cholangitis. Meist entsteht die akute Entzündung durch Gallensteine, die die Gallenwege verstopfen, sodass die Gallenflüssigkeit nicht ungehindert passieren kann. Eine Cholangitis kann aber auch auch chronischer Natur sein – die Ursachen sind meist unbekannt.

Eine akute Cholangitis (griech. chole = Galle) wird begünstigt, wenn Gallenflüssigkeit (kurz: Galle) die ableitenden Gallenwege nicht gut passieren kann und sich dort Bakterien ansiedeln. Die häufigste Ursache einer solchen Abflussstörung der Gallenwege ist ein Gallensteinleiden (Cholelithiasis): Gallensteine behindern dann die Gallensäure in ihrem natürlichen Fluss.

In den meisten Fällen sind Gallensteine die Ursache einer akuten Cholangitis.

Neben einem Gallensteinleiden gibt es noch weitere, seltenere Ursachen für einen gestörten Gallefluss, so zum Beispiel:

  • Tumoren in den Gallenwegen
  • Ausstülpungen im Zwölffingerdarm (Divertikel), die sich rund um die sog. vatersche Papille befinden; an dieser Stelle mündet der Hauptgallengang in den Zwölffingerdarm
  • Verengungen (Strikturen) nach einer Operation: Sie können nach Durchführung einer sog. biliodigestiven Anastomose entstehen, einer künstlichen Verbindung zwischen Zwölffingerdarm und den Gallengängen.
  • Befall durch Parasiten (z.B. großer Leberegel)
  • angeborene Anomalien der Gallengänge

An den Engstellen in den Gallenwegen können sich Bakterien oder – selten – Viren ausbreiten. Zu möglichen Erregern zählen insbesondere Keime aus dem Dünndarm, die in die Gallengänge aufsteigen. Dies sind zum Beispiel:

Darstellung der Gallengänge inkl. Leber, Gallenblase, Magen und Zwölffingerdarm © Jupiterimages/iStockphoto

Bei einer akuten Cholangitis sind die Gallengänge verengt – oft durch einen Gallenstein.

Symptome: Schmerzen, Fieber, Gelbsucht

Die Symptome einer akuten Cholangitis können unterschiedlich schwer ausfallen. Im Wesentlichen sind es drei Symptome, die eine akute Cholangitis kennzeichnen (sog. Charcot-Trias), nämlich

  • Schmerzen im rechten Oberbauch, die kolikartig sein können,
  • Fieber (Temperatur über 38°C), Schüttelfrost und eine
  • Gelbfärbung der Haut und Schleimhäute (Gelbsucht, Ikterus).

Der Stuhlgang hat bei einer akuten Cholangitis häufig eine weißgraue bis graue Farbe (sog. acholischer Stuhl). Übelkeit und Erbrechen sind weitere mögliche Symptome.

Die Gallengänge

Die Gallengänge (auch: Gallenwege) befinden sich innerhalb und außerhalb der Leber. Sie transportieren die Gallenflüssigkeit (auch: Galle), die in der Leber gebildet wird. Die Gallenwege befördern Giftstoffe aus der Leber. Darüber hinaus spielt die Gallenflüssigkeit, die über die Gallenwege in den Dünndarm gelangt, eine wichtige Rolle beim Fettstoffwechsel und bei der Aufnahme von Vitaminen.

Über die Gallengänge gelangt die Gallenflüssigkeit zunächst in die Gallenblase, die die Flüssigkeit eindickt. Nach der Nahrungsaufnahme gibt die Gallenblase die Galle über den Hauptgallengang in den Zwölffingerdarm ab.

Gallefluss wiederherstellen

Ziel der Therapie einer akuten Cholangitis ist es, den natürlichen Gallefluss wiederherzustellen – die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Sind etwa Gallensteine für die Cholangitis verantwortlich, müssen diese möglichst entfernt werden, entweder in einer Operation oder im Rahmen einer Spiegelung der Gallengänge. Mithilfe von Antibiotika werden gegebenfalls die Bakterien, die die Entzündung hervorgerufen haben, bekämpft.

Kann das Hindernis, das für den gestörten Gallefluss zuständig ist, rasch beseitigt werden, haben die Betroffenen eine günstige Prognose. Bleibt die Cholangitis dagegen zunächst unbehandelt, können zum Teil lebensbedrohliche Komplikationen auftreten.

So kann die Infektion auf das angrenzende Lebergewebe übergehen und es kann sich ein Abszess bilden, eine abgekapselte Eiteransammlung in der Leber. Darüber hinaus kann die Cholangitis bei langer Dauer chronisch werden. Dies kann unter Umständen zu einer Leberzirrhose führen (sog. sekundäre biliäre Zirrhose).

Selten tritt eine lebensbedrohliche Blutvergiftung auf – die sogenannte Cholangiosepsis.

Um Komplikationen zu vermeiden, sollte eine akute Cholangitis rasch behandelt werden.


Wie steht es um Ihre Gesundheit?



Apotheken-Notdienst