Anzeige

Anzeige

Anzeige

Anzeige

Anzeige

Chlamydien: Ursachen

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (20. Oktober 2014)

Eine Chlamydien-Infektion kann unterschiedliche Erkrankungen hervorrufen – abhängig davon, mit welcher Chlamydien-Art man sich angesteckt hat. Wer davon spricht, dass er "Chlamydien hat", meint jedoch im Allgemeinen eine Infektion mit Chlamydia trachomatis (Serotyp D-K), einer Geschlechtskrankheit, bei der es zu einer Entzündung der Harnwege und Geschlechtsorgane kommt.

Zur Übertragung von Chlamydien kommt es auf verschiedenen Wegen:

Chlamydien-ArtErkrankungÜbertragungInkubationszeit
Chlamydia trachomatis
Serotyp A-C
Trachom (chronische Binde- und Hornhautentzündung des Auges)Schmierinfektionen (Hand/Auge, der Erreger findet sich auf der Bindehaut des Auges), möglicherweise auch Fliegen 5 bis 7 Tage
Chlamydia trachomatis
Serotyp D-K
Infektion der Harnwege und Geschlechtsorganeungeschützter Geschlechtsverkehr,
Schmierinfektionen
2 bis 6 Wochen
Chlamydia trachomatis
Serotyp D-K
Bindehautentzündung, sog. Schwimmbadkonjunktivitis (Einschlusskörperchen-Konjunktivitis)Tritt selten auf. Entsteht durch Chlamydien, die von erkrankten Betroffenen über das Badewasser (selten durch Schwimmbadwasser, trotz des Namens) ins Auge anderer Personen gelangen. 8 bis 12 Wochen
Chlamydia trachomatis
Serotyp D-K
Mastdarmentzündung (Proktitis)ungeschützter Analverkehr2 bis 6 Wochen
Chlamydia trachomatis
Serotyp D-K
Rachenentzündung (Pharyngitis)ungeschützter Oralverkehr2 bis 6 Wochen
Chlamydia trachomatis
Serotyp L1-L3
Lymphogranuloma venereumungeschützter Geschlechtsverkehr3 bis 21 Tage
Chlamydia trachomatis
Serotyp L1-L3
Mastdarmentzündung (Proktitis)ungeschützter Analverkehr3 bis 21 Tage
Chlamydophila pneumoniae (früher
Chlamydia pneumoniae)
AtemwegsinfektionTröpfcheninfektion (zum Beispiel durch Husten oder Niesen)1 bis 4 Wochen
Chlamydophila psittaci (früher Chlamydia psittaci) Papageienkrankheit (Psittakose, Ornithose)Meist über infizierte Vögel (vor allem Papageien, Tauben, Wellensittiche); die Erreger finden sich in feinen Tröpfchen im Atem der erkrankten Tiere (Tröpfcheninfektion), im Vogelkot und in den Federn.7 bis 18 Tage

Erreger

Chlamydien sind Bakterien, die obligat intrazellulär leben. Das heißt, sie vermehren sich ausschließlich in Körperzellen und kommen auch hauptsächlich dort vor – in dem Fall also in Zellen des infizierten Menschen.

Außerhalb der Zelle liegen Chlamydien als sogenannte Elementarkörperchen vor. Hierbei handelt es sich um eine kugelige, infektiöse Form der Bakterien, die ohne Stoffwechsel auskommt.

Innerhalb der infizierten Zelle findet man Chlamydien als sogenannte Retikularkörperchen. In dieser Form haben die Bakterien einen aktiven Stoffwechsel und können sich durch Zweiteilung vermehren. Mangelt es den Chlamydien an Nährstoffen, wandeln sie sich in sogenannte aberrante Körperchen um – einer Art Dauerform der Bakterien, in der sie die Mangelphase überstehen können. In diesem Zustand fahren sie ihren Stoffwechsel weitestgehend runter, um so wenig Energie wie möglich zu verbrauchen.

Chlamydien können bestimmte für den Stoffwechsel und die Vermehrung wichtige Moleküle nicht selbst herstellen: die Nukleotide ATP, GTP und UTP. Um sich vermehren zu können, "rauben" sie diese deshalb bei der Wirtszelle. Da diese Nukleotide für die Wirtszelle wichtige Energiebausteine sind, nennt man Chlamydien auch Energieparasiten.

Das Bild zeigt Bakterien.

Chlamydien infizieren eine Körperzelle.

Infektion und Vermehrung

Chlamydien dringen über die Schleimhäute in den Körper des Menschen ein. Je nach Chlamydien-Art über

  • Harnwege und Geschlechtsorgane,
  • Rachen,
  • Analbereich,
  • Atemwege oder
  • Auge.

Hier heften sich die Elementarkörperchen als Erstes an die Zellmembran der Wirtszelle an. Das funktioniert, weil die Bakterien auf ihrer Hülle Eiweißstrukturen tragen, die ganz spezifisch nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip bestimmte Eiweißstrukturen auf der Zellmembran der Wirtszelle erkennen.

Das Andocken an diese Eiweiße löst in der Zelle eine Kette von Signalen (sog. Signalkaskade) aus. Sie bewirkt, dass die Wirtszelle beginnt, die auf der Membran sitzenden Bakterien einzustülpen und diese in einem Bläschen (Vakuole) ins Zellinnere abzuschnüren. Auf diese Weise gelangen die Chlamydien, eingeschlossen von der Zellmembran, in die Zelle. Chlamydien nennt man deshalb manchmal auch Einschlusskörperchen.

In der Vakuole wandeln sich Elementarkörperchen nach circa ein bis zwei Stunden in Retikularkörperchen um und aktivieren ihren Stoffwechsel. Etwa zwölf Stunden später beginnen die Chlamydien, sich in der Vakuole durch Zweiteilung zu vermehren. Die Vakuole dehnt sich dabei immer weiter in der Zelle aus. Nach zwei bis drei Tagen bricht die Zelle auf und entlässt die neugebildeten Chlamydien. Kurz vorher wandeln sich die Retikularkörperchen in die stoffwechselinaktiven, aber infektiösen Elementarkörperchen um. Weitere Zellen können nun von den freigelassenen Chlamydien infiziert werden.






Anzeige