Campylobacter-Infektion: Meist schuld an Durchfall im Sommer

Veröffentlicht von: Dr. rer. nat. Geraldine Nagel (20. Juni 2017)

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Eine Campylobacter-Infektion führt zu einer Darmentzündung (sog. Campylobacter-Enteritis), die mit Durchfall einhergeht. In der Regel heilt sie von alleine aus.

Was ist Campylobacter?

Als Campylobacter bezeichnet man eine Gattung spiralig geformter Bakterien, die ausschließlich in Gegenwart von Sauerstoff (also aerob) wachsen können. Zu ihr zählen mehrere Arten. Führt eine Infektion mit Campylobacter-Bakterien beim Menschen zu einer Erkrankung, sprechen Mediziner von einer Campylobacteriose.

Campylobacter-Infektion: Was sind die Ursachen?

Campylobacter-Bakterien sind weltweit verbreitet. Ihren natürlichen Lebensraum haben die Erreger im Darmtrakt vieler Wildtiere (z.B. Vögel und Säugetiere), Haustiere (z.B. Hunde und Katzen) und Nutztiere (v.a. Geflügel) – in der Regel, ohne diese krank zu machen.

Beim Menschen kommt Campylobacter normalerweise nicht in der Darmflora vor. Bei einer Infektion vermehren sich die Bakterien in der Gallenflüssigkeit und im oberen Dünndarm. Dabei wandern sie in die Darmschleimhaut und geben dort ein Gift (sog. Enterotoxin) ab, das den Körper schädigt und eine der Ursachen für den auftretenden Durchfall ist.

Insgesamt sind mehr als 20 verschiedene Campylobacter-Arten bekannt. Als häufigste Ursache für eine Campylobacter-Infektion gilt in Deutschland und anderen Industrieländern die Art Campylobacter jejuni.

Das Bild zeigt eine Großaufnahme des Erregers Campylobacter jejuni © Okapia

Das Bakterium Campylobacter jejuni (hier rosa eingefärbt) ist die häufigste Ursache für bakterielle Durchfallerkrankungen.

Weitere für den Menschen bedeutsame Campylobacter-Arten sind

  • Campylobacter coli und
  • Campylobacter lari.

Eine Infektion mit Campylobacter fetus kommt dagegen selten vor, kann aber neben einer Darmentzündung weitere schwerwiegende Symptome verursachen. Bei Menschen, die sich mit dieser Bakterienart anstecken, ist in den meisten Fällen das Immunsystem bereits durch eine schwere Grunderkrankung geschwächt, wie zum Beispiel durch

Aber auch Neugeborene können betroffen sein, da bei ihnen das Immunsystem noch nicht vollständig ausgebildet ist.

So steckt man sich an

Bei einer Campylobacter-Infektion kommen verschiedene Infektionsquellen infrage.

Vom Tier auf den Menschen gelangen Campylobacter-Bakterien überwiegend indirekt. Die häufigsten Ursachen sind

  • verunreinigte Nahrungsmittel tierischen Ursprungs (z.B. unzureichend erhitztes Geflügelfleisch, rohes Hackfleisch, Rohmilch)
  • oder verschmutztes Trinkwasser.

Auch beim Baden in verunreinigten Seen kann es zu einer Übertragung der Bakterien kommen, wenn Wasser verschluckt wird.

Da sowohl Tiere als auch Menschen bei einer Campylobacter-Infektion die Bakterien mit dem Kot beziehungsweise Stuhl ausscheiden, ist auch eine direkte Übertragung durch Schmierinfektionen von Tier zu Mensch oder von Mensch zu Mensch möglich. Damit gehört die Campylobacter-Infektion zu den Zoonosen. Darunter versteht man Erkrankungen, die von Tieren auf Menschen übertragbar sind. Als tierische Überträger der Campylobacter-Infektion kommen vor allem Hunde und Katzen infrage.

Um eine Campylobacter-Infektion auszulösen, genügen bereits etwa 500 Keime – eine recht geringe Zahl. Zum Vergleich: Für eine Salmonellen-Infektion sind etwa 10.000 bis eine Million Keime nötig. Campylobacter-Bakterien gelten daher als sehr ansteckend.

Eine Ansteckungsgefahr besteht, solange mit Campylobacter infizierte Personen die Bakterien mit dem Stuhl ausscheiden. Dies dauert durchschnittlich zwei bis vier Wochen. Ist das Immunsystem geschwächt, kann nach einer Campylobacter-Infektion die Ausscheidung der Bakterien jedoch deutlich länger anhalten (sog. Langzeitausscheidung).

Inkubationszeit: Meist zwei bis fünf Tage

Bei einer Campylobacter-Infektion beträgt die Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch der Erkrankung (die sog. Inkubationszeit) ein bis zehn Tage, meist jedoch zwei bis fünf Tage.

Häufigkeit

In Deutschland treten jährlich im Durchschnitt knapp 87 Campylobacter-Fälle pro 100.000 Einwohner auf. Im Jahr 2015 kam es insgesamt zu 70.190 gemeldeten Infektionen.

Damit sind Campylobacter-Bakterien in Deutschland noch vor den Salmonellen die häufigsten Auslöser für bakteriell bedingte Darmentzündungen. Durchfallerkrankungen infolge einer Campylobacter-Infektion treten dabei vor allem im Sommer auf.

In Entwicklungsländern hingegen verlaufen Campylobacter-Infektionen oft endemisch – das heißt, sie sind dort ständig vorhanden und betreffen einen großen Teil der Bevölkerung. Daher kommt es nach Reisen in solche Gebiete gehäuft zu Beschwerden durch Campylobacter.

Meldepflicht

Für Campylobacter-Infektionen besteht Meldepflicht. Bei Personen, die beruflichen Umgang mit Lebensmitteln haben, sind

  • der bloße Verdacht auf eine Campylobacter-Infektion,
  • die Erkrankung (sog. Campylobacteriose) und
  • ein dadurch ausgelöster Tod meldepflichtig.

Wenn sich Campylobacter jejuni, Campylobacter coli, Campylobacter fetus oder sonstige Campylobacter-Bakterien direkt oder indirekt nachweisen lassen, besteht die Meldepflicht für alle Personen, sofern der Erregernachweis auf eine akute Infektion hinweist.

Wer beruflich mit Lebensmitteln zu tun hat, darf seine Arbeit während der Campylobacter-Infektion nicht ausüben.

Campylobacter-Infektion: Typische Symptome

Die Symptome, die bei einer Campylobacter-Infektion auftreten, sind in der Regel immer ähnlich. Egal, welche Campylobacter-Bakterien hinter der Infektion stecken. Typischerweise lösen die Bakterien beim Menschen eine entzündliche Darmerkrankung aus, auch Campylobacter-Enteritis genannt. Nur die Bakterienart Campylobacter fetus führt zu einem abweichenden Krankheitsverlauf und ist daher von den typischen Campylobacter-Infektionen abzugrenzen.

Campylobacter jejuni, Campylobacter coli und Campylobacter lari

Bei einer typischen Campylobacter-Infektion (etwa mit Campylobacter jejuni, Campylobacter coli oder Campylobacter lari) treten die ersten Symptome im Durchschnitt nach zwei bis fünf Tagen auf. Meist kommt es anfangs zu folgenden Beschwerden:

Etwa ein Viertel der Betroffenen leidet außerdem an heftigem Erbrechen. Diese Symptome der Campylobacter-Infektion bilden das sogenannte Vorstadium, das etwa einen Tag andauert.

In der zweiten Phase der typischen Campylobacter-Infektion kommt es vor allem zu Symptomen durch die Darmentzündung, wie

  • plötzlichen Bauchschmerzen, die sehr stark sind und an- und abschwellen,
  • und Durchfall mit häufigen Darmentleerungen.

Hierbei kann es bis zu 20 Mal am Tag zu Durchfall kommen. Die auftretenden Durchfälle sind in der Regel wässrig, später können sie mit Schleim und Blut vermengt sein.

Campylobacter fetus

Eine durch Campylobacter fetus verursachte Infektion ist durch zusätzliche schwere Symptome gekennzeichnet, denn: Bei einer Erkrankung durch Campylobacter fetus bleiben die Erreger nicht im Darm, sondern gelangen über das Blut in andere Organe. Auf diese Weise lösen die Bakterien neben Durchfall verschiedene andere Krankheitsbilder aus, wie etwa

Eine Infektion mit Campylobacter fetus während der Schwangerschaft kann zu einer Fehlgeburt führen.

Campylobacter-Infektion: Diagnose

Um bei einer Campylobacter-Infektion eine sichere Diagnose stellen zu können, ist es notwendig, die ursächlichen Erreger nachzuweisen. Denn eine Darmentzündung (Enteritis) anderer Ursache kann ähnliche Symptome auslösen wie eine Infektion durch Campylobacter-Bakterien.

In Deutschland sind überwiegend die Arten Campylobacter jejuni und Campylobacter coli für bakterielle Durchfallerkrankungen des Menschen verantwortlich. Der Nachweis dieser Erreger gelingt mithilfe von Blut- oder Stuhlproben.

Auch bei der sehr seltenen Infektion mit Campylobacter fetus ist die Diagnose in der Regel ohne Schwierigkeiten mit Proben aus Stuhl oder Blut sowie aus Liquor (Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit) oder Eiteransammlungen möglich.

Campylobacter-Infektion: Therapie

Bei einer Campylobacter-Infektion ist eine stationäre Therapie im Krankenhaus meistens nicht nötig. Wenn Sie sich mit Campylobacter infiziert haben, stehen die Chancen also gut, dass Sie sich zu Hause auskurieren können: Im Jahr 2013 musste nur etwa jeder Fünfte mit einer Campylobacter-Enteritis zur Behandlung ins Krankenhaus.

Meist zielt die Therapie bei einer Campylobacter-Infektion erst einmal darauf ab, die Symptome der Darmentzündung zu lindern, da die Erkrankung in der Regel von selbst ausheilt. In erster Linie besteht die Behandlung daher darin, die durch den wässrigen Durchfall entstehenden Flüssigkeits- und Elektrolytverluste auszugleichen. Dazu ist es wichtig, ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen; gegebenenfalls erhalten Sie hierzu Infusionen.

Verläuft die Campylobacter-Infektion schwerwiegender, kann eine Therapie mit Antibiotika notwendig sein. Als schwerwiegend gilt eine Infektion beispielsweise dann, wenn Sie hohes Fieber haben oder die Beschwerden der Darmentzündung schon länger als eine Woche bestehen. Zu den gegen Campylobacter wirksamen Antibiotika zählen unter anderem folgende Wirkstoffe:

Bei der sehr seltenen Infektion mit Campylobacter fetus ist eher mit einem schweren Verlauf zu rechnen, weshalb eine schnelle Antibiotika-Therapie in diesem Fall immer zu empfehlen ist. Das heißt, sobald der Verdacht auf eine Infektion mit Campylobacter fetus vorliegt, ist es auch ohne Erregernachweis ratsam, bereits in den ersten zwei Krankheitstagen mit der Antibiotika-Therapie zu beginnen.

Campylobacter-Infektion: Verlauf

Eine Campylobacter-Infektion nimmt in der Regel einen guten Verlauf: In den meisten Fällen heilt die Darmentzündung (sog. Campylobacter-Enteritis) folgenlos aus – auch ohne Antibiotika-Behandlung. Bei etwa 10 bis 20 Prozent der Betroffenen und besonders bei Kindern kann eine Campylobacter-Infektion jedoch erneut auftreten oder chronische Darmentzündungen hervorrufen.

Eine durch Campylobacter fetus verursachte Erkrankung ist dagegen sehr selten. Sie zeigt meist einen schweren Verlauf, weil beim Betroffenen oft gleichzeitig eine Grunderkrankung vorliegt, die das Immunsystem schwächt (z.B. HIV-Infektion, Tumorerkrankung). Bei einer Infektion mit Campylobacter fetus können neben dem Darm weitere Organe von Entzündungen betroffen sein, die in einigen Fällen ein lebensbedrohliches Ausmaß annehmen.

Mögliche Komplikationen

Bei einer Infektion mit Campylobacter jejuni, Campylobacter coli oder Campylobacter lari kann es in manchen Fällen zu Komplikationen kommen:

  • Mischinfektionen: Die mit der Campylobacter-Infektion einhergehende Darmentzündung schädigt die Darmwand. Das macht sie anfälliger für weitere Erreger. Im Verlauf der Campylobacter-Infektion kann es so unter Umständen zu Mischinfektionen mit Salmonellen, Shigellen, Escherichia coli oder Rotaviren kommen. Eine mögliche Mischinfektion ist bei der Diagnose und Therapie einer Campylobacter-Infektion zu berücksichtigen.
  • Gelenkentzündungen: Bei einer Campylobacter-Infektion sind Komplikationen in Form von Gelenkentzündungen (Arthritis) möglich. Diese können als Folgeerkrankung ein bis zwei Wochen nach Ende der Durchfallerkrankung auftreten. Sie halten einige Wochen an, verschwinden aber meist von selbst.
  • Guillain-Barré-Syndrom: In einzelnen Fällen entwickelt sich nach einer Campylobacter-Infektion ein sog. Guillain-Barré-Syndrom. Hierbei entzünden sich Nervenwurzeln im Rückenmark sowie Nerven in Armen und Beinen. Das Guillain-Barré-Syndrom entsteht häufig nach einem Infekt der oberen Atemwege oder des Magen-Darm-Trakts. Besteht ein Zusammenhang zwischen einem solchen Infekt und dem Guillain-Barré-Syndrom, ist in den meisten Fällen eine vorhergehende Campylobacter-Infektion nachweisbar.

Campylobacter-Infektion: Vorbeugen

Sie können einer Campylobacter-Infektion vorbeugen, indem Sie für ausreichende Hygiene sorgen. Das bedeutet vor allem:

  • Waschen Sie sich regelmäßig die Hände mit Seife, insbesondere nach dem Toilettengang, vor der Zubereitung von Speisen und vor dem Essen!
  • Achten Sie auf sauberes, hygienisches Arbeiten bei der Essenszubereitung (v.a. bei frischem oder tiefgekühltem Geflügel).
  • Trinken Sie kein verunreinigtes Wasser.
  • Verzehren Sie Lebensmittel, die möglicherweise mit Erregern in Berührung gekommen sind, nur gut durchgegart / durchgekocht beziehungsweise nicht roh.

Im Krankheitsfall: Durch Hygiene andere vor Ansteckung schützen

Da Campylobacter-Bakterien sehr ansteckend sind, sind vorbeugende Maßnahmen auch im Krankheitsfall wichtig, um andere Menschen nicht anzustecken. Solange Sie Symptome einer Campylobacter-Infektion zeigen, sollten Sie zu Hause bleiben. Auch hier ist auf ausreichende Hygiene zu achten – vor allem bei der Versorgung von Kindern.

Auch nach einer abgeklungenen Campylobacter-Infektion und besonders bei schwereren Krankheitsverläufen können Sie noch einige Wochen lang den Erreger über den Stuhl ausscheiden und somit weitere Menschen anstecken. Durch Händewaschen nach dem Toilettengang lässt sich jedoch das Risiko, dass Sie jemanden anstecken, verringern.

Campylobacter-Infektion: Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Campylobacter-­Infektion":

Onmeda-Lesetipps:

Arzneimittelinformationen zu DurchfallForum Reizdarm, Durchfall & Co.Forum Reisemedizin

Quellen:

Herold, G.: Innere Medizin. Eigenverlag, Köln 2017

Infektionsepidemiologisches Jahrbuch meldepflichtiger Krankheiten für 2015. Online-Informationen des Robert-Koch-Instituts: www.rki.de (Stand: März 2016)

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Campylobacter-Enteritis. Online-Informationen des Robert-Koch-Instituts: www.rki.de (Stand: 26.3.2015)

Allos, B. M.: Clinical features and treatment of Campylobacter infection. Up-to-Date, Online-Publikation (17.5.2015)

Pressemitteilung des Statistischen Bundesamts: Zahl der Krankenhausfälle durch infektiöse Darmerkrankungen seit 2000 um 108 % gestiegen (7.4.2015)

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Adam, D., et al.: Die Infektiologie. Springer, Berlin 2014

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Layer, P., Rosien, U.: Praktische Gastroenterologie. Urban & Fischer, München 2011

Aktualisiert am: 20. Juni 2017