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Brustkrebs (Mammakarzinom)

Adjuvante Therapie

Stand: 28. Juli 2011Autor: Onmeda-RedaktionMedizinische Qualitätssicherung: Dr. med. Weiland, Dr. med. Waitz

Die ergänzende (adjuvante) Therapie hat das Ziel, im Körper möglicherweise verbliebene Krebszellen zu vernichten, damit Brustkrebs (Mammakarzinom) nicht erneut auftritt (rezidiviert). Sie schließt sich an die Primärtherapie (meist eine Operation) an. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, bei Brustkrebs eine adjuvante Therapie durchzuführen. Der Arzt setzt sie abhängig vom Krankheitsstadium ein – bei Frauen mit einem sehr geringen Rezidivrisiko kann er zum Beispiel oft darauf verzichten.

Die adjuvante Therapie kann aus einer Hormon- und/oder Chemotherapie bestehen. Welches Therapieverfahren bei einem Mammakarzinom das richtige ist, hängt in erster Linie von der Tumorgröße ab und davon, ob sich der Krebs schon in die Lymphknoten ausgebreitet hat. Weitere Kriterien sind die Hormonempfindlichkeit des Tumors sowie der Menopausen-Status der Patientin – also ob sie bereits in den Wechseljahren ist beziehungsweise war oder nicht.

Strahlentherapie

Auch die Strahlentherapie ist ein wichtiger Bestandteil der Brustkrebs-Therapie. Der Arzt setzt sie als ergänzende Therapie nach einer brusterhaltenden Operation ein und wenn er nicht ausschließen kann, dass sich noch Tumorreste in der Brust befinden. Sie dient dazu, eventuell verbliebene Krebszellen abzutöten und senkt so die Gefahr, dass der Krebs wieder auftritt. Nach brusterhaltender Operation vermindert die Bestrahlung das Risiko für einen Krankheitsrückfall (Rezidiv) von etwa 30 Prozent ohne adjuvante Bestrahlung auf 5 bis 10 Prozent mit einer Strahlentherapie.

Nach einer kompletten Entfernung der Brust (Radikaloperation) prüft der behandelnde Arzt individuell, ob eine Strahlentherapie notwendig ist. Sie macht unter anderem dann Sinn, wenn der Tumor sehr groß war oder wenn der Krebs den Brustmuskel oder die Haut befallen hat.

Die Strahlenbehandlung bei Brustkrebs dauert meist etwa sechs Wochen. Betroffene werden dazu an vier bis fünf Tagen pro Woche bestrahlt. Die einzelne Bestrahlung dauert nur wenige Minuten und können meistens ambulant durchgeführt werden. Die Strahlentherapie beim Mammakarzinom ist nicht schmerzhaft, doch sie kann die Haut reizen und Rötungen hervorrufen. Gegen Ende der Strahlenbehandlung sind die Patientinnen häufig körperlich erschöpft und fühlen sich müde. Bleibende Veränderungen, wie eine Verfärbung der Haut sowie kleine, spinnenartig erweiterte Blutgefäße im Strahlenfeld kommen selten vor.

Abhängig vom Befund der Gewebeuntersuchung, entscheidet der behandelnde Arzt bei jeder Brustkrebs-Patientin individuell, ob es erforderlich ist, neben der Bestrahlung der Brust und der Brustwand auch noch weitere Körperbereiche zu bestrahlen, zum Beispiel die Lymphabflusswege in der Achselhöhle und in der Schlüsselbeingrube.

Ergänzend zur Strahlentherapie von außen, werden manche Tumorreste auch von innen bestrahlt. Dazu setzt der Arzt direkt im Anschluss an die Operation eine kleine Strahlungsquelle an der Stelle ein, an der der Tumor vorher saß. Diese Stelle wird dann mit einer sehr hohe Strahlendosis – einem sogenannten "Boost" ¬– bestrahlt. Wenn die Operationswunden verheilt sind, folgt die Strahlentherapie von außen.

Chemotherapie

Die Chemotherapie bei Brustkrebs erfolgt mit sogenannten Zytostatika, die das Wachstum der Krebszellen hemmen. Entweder verabreicht der Arzt die Medikamente über die Venen (Infusion) oder die Patientin nimmt sie in Tablettenform ein. Bei Brustkrebs kommen vor allem sogenannte Anthrazykline zum Einsatz; bei Lymphknoten-Metastasen in der Achselhöhle gegebenenfalls zusätzlich Taxane. Anthrazykline zerstören die Erbinformation einer Zelle und schädigen die Zellwand, sodass die Zelle nicht mehr teilungsfähig ist. Auch Taxane hemmen die Zellteilung. Chemotherapeutika ziehen auch gesunde Zellen in Mitleidenschaft, insbesondere in schnell wachsenden Geweben wie der Haut, dem Knochenmark, der Magen- und Darmschleimhaut und den Haarwurzeln. Daher verursachen sie Nebenwirkungen (z.B. Haarausfall, Magen-Darm-Beschwerden und geschwächte Abwehrkräfte). Mit modernen Medikamenten lassen sich viele der Nebenwirkungen der Chemotherapie gegen das Mammakarzinom jedoch relativ gut lindern.

Die Chemotherapie erfolgt in sogenannten Zyklen, das bedeutet, dass jeder Chemotherapie-Behandlung eine therapiefreie Zeit von einer bis drei Wochen folgt. Dieses Vorgehen hat den Vorteil, dass sich die Frau regelmäßig von eventuellen Nebenwirkungen erholen kann.

Hormontherapie

Ungefähr zwei Drittel aller Brustkrebstumoren sind hormonabhängig, das heißt bestimmte körpereigene Botenstoffe regen die Krebszellen zum Wachstum an. Der wichtigste ist das weibliche Sexualhormon Östrogen. Das bedeutet umgekehrt, dass sich das Wachstum des Tumors durch eine Hormontherapie, also die Gabe von Substanzen, welche die Wirkung der Hormone unterbinden, bremsen lässt. Ist eine Chemotherapie notwendig, sollte die Hormontherapie erst beginnen, nachdem die Chemotherapie abgeschlossen ist.

Wenn der Tumor hormonpositiv ist – also auf Hormone reagiert, erfolgt eine Hormontherapie. Zur Hormontherapie von Brustkrebs (Mammakarzinom) stehen verschiedene Substanzen zur Verfügung, die sich in ihrer Wirkungsweise unterscheiden. Ein häufig eingesetzter Wirkstoff ist das Antiöstrogen Tamoxifen. Es besetzt die Östrogenrezeptoren auf den Zellen und verhindert dadurch, dass Östrogen "andockt". Das Prinzip heißt kompetitive Hemmung.

Tamoxifen ist für Frauen vor und nach der der letzten Regelblutung (Menopause) geeignet. Meistens erhalten es Frauen mit Mammakarzinom nach den Wechseljahren. Die Hormontherapie erstreckt sich dann über etwa fünf Jahre und ist im Allgemeinen gut verträglich. Potenzielle Nebenwirkungen von Tamoxifen sind beispielsweise Hitzewallungen, Schweißausbrüche sowie ein erhöhtes Risiko von Blutgerinnseln (Thrombosen), Embolien und Gebärmutterschleimhautkrebs (Endometriumkarzinom).

Eine erweiterte Therapiemöglichkeit bei hormonpositivem Brustkrebs ist die Behandlung mit sogenannten Aromatasehemmern wie Letrozol. Aromatasehemmer sind Substanzen, die das Enzym Aromatase hemmen, das für die Bildung von Östrogen außerhalb der Eierstöcke von Bedeutung ist. Dieser Wirkstoff eignet sich vor allem für Frauen, die nach den Wechseljahren (postmenopausal) an Brustkrebs erkrankt sind.

Östrogen entsteht vor allem in den Eierstöcken. Deshalb besteht eine weitere, zusätzliche Behandlungsmöglichkeit von hormonpositivem Brustkrebs darin, die Produktion von Östrogen und Progesteron in den Eierstöcken medikamentös auszuschalten. Außerdem ist es möglich, die Eierstockfunktion mittels Bestrahlung oder operativ zu unterbinden.

Radikaloperation

Die Radikaloperation (Mastektomie), also die Entfernung der gesamten Brust, war einst die gängige Therapie von Brustkrebs. Seit es möglich ist, den Tumor mit einem bestimmten Sicherheitsabstand gezielt zu entfernen, kommt die radikale Mastektomie beim Mammakarzinom nur noch selten zum Einsatz.

Unter bestimmten Umständen ist sie bei Brustkrebs jedoch unumgänglich:

  • Der Tumor ist nicht zu groß.
  • Es sind mehrere Krebsherde in einer Brust vorhanden.
  • Es besteht ein ungünstiges Verhältnis zwischen Tumorgröße und Restbrustgewebe.
  • Eine Bestrahlung ist nicht möglich.
  • Es handelt sich um ein entzündliches (inflammatorisches) Karzinom.

Weiterlesen: Brustkrebs (Mammakarzinom): Therapie – Therapie des metastasierten Mammakarzinoms

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