Brugada-Syndrom

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (04. April 2013)

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Herz aus dem Takt: Das Brugada-Syndrom ist eine seltene erbliche Erkrankung des Herzens. Es führt bei manchen Menschen zu ausgeprägten Herzrhythmusstörungen – vor allem bei unter 40-Jährigen. Schwerste Folge ist der plötzliche Herztod, die meisten Betroffenen bleiben jedoch lebenslang beschwerdefrei. Männer leiden wesentlich häufiger an dem Brugada-Syndrom als Frauen.

Wenn ein scheinbar völlig herzgesunder Mensch einen Kreislaufzusammenbruch erleidet oder plötzlich bewusstlos wird, können viele Ursachen dahinterstecken – eine davon, wenn auch selten, ist das Brugada-Syndrom. Diese genetisch bedingte Erkrankung beruht auf Veränderungen an den Herzzellen.

Genauer gesagt: Bestimmte Eiweiße, die in den Wänden der Herzzellen den Einstrom und Ausstrom von Natriumionen regeln, funktionieren nicht richtig. In der Folge ändern sich die elektrischen Eigenschaften der Herzmuskelzellen und die Erregung läuft nicht mehr geordnet ab. Das Herz schlägt unregelmäßig.

Bei Personen mit Brugada-Syndrom kommt es besonders häufig in bestimmten Situationen zu Rhythmusstörungen, so etwa:

Dies führt zu Symptomen wie Schwindel oder kurzzeitigem Bewusstseinsverlust (sog. Synkope), auch Krampfanfälle können auftreten. Treten bei Ihnen solche Beschwerden auf, sollten Sie diese ärztlich abklären lassen.

Bei manchen Menschen mit Brugada-Syndrom gerät das Herz derart aus dem Rhythmus, dass ein lebensgefährliches sogenanntes Kammerflattern oder Kammerflimmern entsteht.

Folge dieses "rhythmischen Chaos" im Herzen:

  • Das Herz pumpt kein Blut mehr in den Kreislauf,
  • das Gehirn erhält zu wenig Sauerstoff,
  • der Betroffene wird bewusstlos und
  • atmet nach kurzer Zeit nicht mehr.

Rufen Sie in einer solchen Situation den Notarzt und reanimieren Sie den Betroffenen mittels Herzdruckmassage und Atemspende (sog. Herz-Lungen-Wiederbelebung), bis der Rettungsdienst eintrifft und sich um den Patienten kümmert.

Etwa jeder vierte Mensch mit Brugada-Syndrom, der im Verlauf seines Lebens einen Herzstillstand erleidet, war in der Vergangenheit bereits einmal scheinbar grundlos bewusstlos. Bei drei von vier Betroffenen hingegen ist ein plötzlicher, "aus dem Nichts" kommender Herzstillstand das erste Anzeichen für die Herzerkrankung.

Wird das Brugada-Syndrom rechtzeitig erkannt – etwa weil Schwindel oder ein Bewusstseinsverlust den Betroffenen zum Arzt führen – , lässt sich das Risiko für den plötzlichen Herztod deutlich senken. Schwierig daran: Es ist nicht leicht, ein Brugada-Syndrom sicher festzustellen. Es gibt zwar typische Veränderungen im EKG (Elektrokardiogramm). Sie treten aber nicht bei allen Betroffenen auf und zeigen sich bei manchen auch nur phasenweise.

Auch, wenn es paradox klingt: Durch rechtzeitige Reanimation können Betroffene den plötzlichen Herztod überleben. Danach erhalten sie in aller Regel einen sogenannten ICD, einen implantierbaren Cardioverter / Defibrillator. Dieses vollautomatische kleine Gerät wird im Bereich der Brust unter die Haut oder unter den Brustmuskel eingepflanzt. Es überwacht über eine Sonde den Herzrhythmus und kann bei Bedarf Impulse abgeben, die das Herz wieder in den richtigen Takt bringen. Auf diese Weise kann ein ICD Leben retten. Er kommt auch für Menschen infrage, die recht wahrscheinlich unter dem Brugada-Syndrom leiden, bisher aber keinen Herzstillstand hatten.

Brugada-Syndrom – auf einen Blick:

  • erbliche Herzerkrankung
  • tritt familiär gehäuft auf
  • führt zu Rhythmusstörungen
  • zeigt sich meist zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr
  • Die meisten Betroffenen bleiben lebenslang beschwerdefrei.
  • Schwindel und Bewusstseinsverlust können auftreten.
  • schwerste Folge: plötzlicher Herztod
  • Therapie mittels eingepflanztem Defibrillator

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