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Borderline-Syndrom

Borderline-Syndrom: Therapie

Stand: 31. Oktober 2011Autor: Onmeda-RedaktionMedizinische Qualitätssicherung: Dr. med. Weiland, Dr. med. Waitz

Beim Borderline-Syndrom gestaltet sich die Therapie oft für beide Seiten – Betroffene wie Therapeuten – schwierig. Dies liegt vor allem daran, dass die Erkrankten auch in der Therapie – wie in anderen zwischenmenschlichen Beziehungen – häufig zwischen Idealisierung und Herabsetzung des Therapeuten schwanken. Unter anderem aus diesem Grund wechseln viele Betroffene mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung häufig ihren Therapeuten.

Der psychoanalytische Ansatz der Borderline-Therapie versteht die Schwierigkeiten der Betroffenen in ihren zwischenmenschlichen Beziehungen als Ausdruck innerpsychischer Konflikte. Im Mittelpunkt der Behandlung steht deshalb, diese Probleme zu deuten.

In den letzten 80er Jahren ist ein stark strukturiertes Programm speziell für die Therapie von Personen mit Borderline-Syndrom entwickelt worden. Diese sogenannte dialektisch-behaviorale Therapie (DBT) ist das wissenschaftlich am besten belegte Behandlungsverfahren bei Borderline und gliedert sich in folgende Abschnitte:

  • In einer Vorbereitungsphase informiert der Therapeut den Betroffenen über das Borderline-Syndrom und das Therapieprogramm. Er bespricht dabei auch eventuelle frühere Therapieabbrüche oder -wechsel. Dies soll den Betroffenen in die Lage versetzen, mögliche Frühwarnzeichen zu erkennen, die darauf hindeuten können, dass er die Therapie frühzeitig beenden könnte. Auf diese kann er dann reagieren.
  • In der ersten Therapiephase stehen problematische Verhaltensweisen, die im Rahmen der Borderline-Störung auftreten, im Mittelpunkt, vor allem:
    • Selbstschädigendes Verhalten und Selbstmordversuche: Betroffene mit Borderline-Persönlichkeitsstörung und Therapeuten erarbeiten gemeinsam, welche Bedingungen und Situationen zu diesem Verhalten führen und entwickeln andere Möglichkeiten, wie die Person mit Borderline-Persönlichkeitsstörung mit schwierigen Situationen und Gefühlen umgehen kann.
    • Therapiegefährdendes Verhalten: Bei der Borderline-Therapie besprechen der Therapeut und der Betroffene mit Borderline-Persönlichkeitsstörung auch Faktoren, welche das Fortführen und den Erfolg der Behandlung gefährden. Dabei kommen sowohl Ursachen auf Seiten des Betroffenen zur Sprache, zum Beispiel wiederholtes Versäumen der Termine, als auch auf Therapeutenseite, die beispielsweise in einer Überforderung des Betroffenen liegen können.
    • Verhalten, das die Lebensqualität beeinträchtigt: Verhaltensweisen wie Drogenmissbrauch oder finanzielle Probleme beim Borderline-Syndrom stehen in dieser Phase der Therapie im Mittelpunkt. Auch erfolgt eine erste Annäherung an die traumatischen Erlebnisse, zunächst aber stark bezogen auf den derzeitigen Alltag. Dazu gehört eine Veränderung der Lebensbedingungen, die unter Umständen fortlaufend traumatische Erfahrungen zur Folge haben. Weitere Therapieschritte in diesem Behandlungsabschnitt bestehen darin, die mit dem Trauma verbundenen Gefühle besser zu steuern und die dissoziativen Symptome zu behandeln.
    • Verhaltensfähigkeiten verbessern: Gemeinsam erarbeiten Therapeut und Erkrankter anhand von Übungen an verschiedenen Problembereichen Verhaltenstechniken, um mit bestimmten Situationen umzugehen. Dazu gehört zum Beispiel ein Stressbewältigungstraining. So wird zum Beispiel die Wahrnehmung und Steuerung eigener Gefühle oder der Umgang mit Stress geübt – meist im Rahmen einer Gruppe mit anderen von der Borderline-Persönlichkeitsstörung Betroffenen.
  • Erst in der zweiten Therapiephase geht es darum, die Folgen traumatischer Erlebnisse zu behandeln. Diese belastenden Lebensereignisse beim Borderline-Syndrom stellt der Therapeut bewusst erst dann in das Zentrum der Therapie, wenn der Betroffene zuvor den Umgang mit intensiven Gefühlen, die in diesem Zusammenhang auftreten, erarbeitet hat und sich seine Lebensumstände stabilisiert haben. Diese Stabilisierung kann darin bestehen, dass der Borderline-Patient sich nicht mehr selbst verletzt, um emotionale Spannungen abzubauen und keine Suizidgefahr mehr besteht. Es geht in dieser Phase nicht darum, das erlebte Trauma wiederzuerleben. Vielmehr sollen Personen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung lernen, dass die negativen Erfahrungen der Vergangenheit angehören und wie sie sich vor Situationen schützen können, die Erinnerungen an die traumatischen Erfahrungen hervorrufen.
  • In der dritten Phase soll der Betroffene die in der Therapie erlernten Verhaltensweisen in die tägliche Lebensgestaltung einbinden. Er steigert dadurch seine Selbstachtung und entwickelt und setzt individuelle Ziele um.

Die dialektisch-behaviorale Therapie der Borderline-Störung wurde als ambulante Behandlungsmethode entwickelt. Unter manchen Umständen, zum Beispiel bei anhaltendem lebensbedrohlichem Verhalten, ist aber zumindest vorübergehend eine stationäre Therapie ratsam. Bisherige Untersuchungen zur dialektisch-behavioralen Therapie zeigen, dass insbesondere in den Bereichen der Selbstverletzungen, stationären Aufenthalte, Depressivität und sozialer Einbindung deutliche Verbesserungen bei den Betroffenen erreicht werden konnten.

Weiterlesen: Borderline-Syndrom: Therapie – Weitere Therapieverfahren

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