Bluterguss: Ursachen, Symptome & Behandlung

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (09. Oktober 2017)

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Aufs Knie gefallen, den Kopf gestoßen, einen Tritt gegen's Schienbein bekommen: Jede Art von Erschütterung kann einen blauen Fleck verursachen. Doch wie genau entsteht so ein Bluterguss eigentlich? Und wie lässt er sich behandeln?

Was ist ein Bluterguss?
Blutergüsse sind Blutansammlungen im weichen Gewebe oder in Hohlräumen des Körpers. Sie bilden sich, wenn Stöße oder andere Erschütterungen im Körper Blutgefäße zerstören und das Blut in das umgebende Gewebe austritt. Mediziner bezeichnen Blutergüsse auch als Hämatome.

Blutergüsse erkennt man an ihrer charakteristischen Färbung – daher auch der umgangssprachliche Name "blauer Fleck". Das gilt allerdings nur für Blutergüsse, die relativ nah an der Hautoberfläche liegen. Je tiefer die Einblutung im Gewebe (etwa innerhalb eines Muskels oder in der Knochenhaut) liegt, desto weniger ausgeprägt sind die äußerlich erkennbaren Anzeichen.

Auch Ansammlungen von Blut in Hohlräume des Körpers gelten als Hämatome. Mediziner bezeichnen diese meist mit speziellen Namen, die den Ort der Blutansammlung angeben:

  • Bei einem Hämarthros (von griech. arthros = Gelenk) handelt es sich zum Beispiel um Blut in einem Gelenk.
  • Ein Hämatothorax (von griech. thorax = Rumpf, Brustraum) ist eine Blutansammlung im Brustraum.

Auch im Kopf kann es zu Blutungen kommen, etwa infolge einer Kopfverletzung. Es gibt verschiedene Arten von Hirnblutungen:

  • epidurales Hämatom = Bluterguss zwischen der harten Hirnhaut (Dura mater) und der Knochenhaut des Schädelknochens
  • subdurales Hämatom = Bluterguss zwischen der harten Hirnhaut (Dura mater) und der sogenannten "Spinnengewebshaut" (Arachnoidea mater), einer Bindegewebsschicht, die die Gehirnfurchen und -windungen umgibt
  • intrazerebrales Hämatom = Bluterguss innerhalb der Hirnsubstanz

Bluterguss: Wie entsteht ein blauer Fleck?

Häufige Ursachen für Blutergüsse sind Unfälle und Sportverletzungen wie Prellungen. Die Erschütterungen beschädigen die Blutgefäße und das Blut fließt in das umgebende Gewebe oder in eine Körperhöhle ein.

Manchmal treten Blutergüsse auch ohne ersichtliche Ursache auf. Das kann etwa bei Menschen der Fall sein, die blutverdünnende Medikamente wie Acetylsalicylsäure oder Phenprocoumon einnehmen. Denn diese Mittel hemmen die Blutgerinnung und begünstigen somit Blutungen.

Auch Menschen mit angeborenen Blutgerinnungsstörungen wie der Hämophilie (Bluterkrankheit) bekommen besonders schnell Blutergüsse.

Bluterguss: Symptome

Typische Symptome sind:

Welche Färbung tritt wann auf?

  1. Wenn der Bluterguss dicht unter der Hautoberfläche liegt, verfärbt sich die Haut zunächst rot.
  2. Durch den biochemischen Abbau des Bluts ändert sich die Farbe nach einigen Tagen zu einem tiefen Dunkelblau.
  3. Zum Schluss kann der Bluterguss eine grünliche und schließlich gelbliche Farbe annehmen.

In der Regel treten die Symptome nicht unmittelbar nach der Verletzung auf. Wann ein Bluterguss sichtbar wird, hängt vor allem von seiner Lage ab und davon, wie stark die Gefäßverletzung ist. Eine leichte, sickernde Blutung bemerkt man in der Regel später als starke Einblutungen, die durch eine Verletzung größerer Gefäße entstanden sind.

Tieferliegende Hämatome rufen normalerweise keine Hautverfärbungen oder Schwellungen hervor. Zu spüren bekommt man sie dennoch. Denn auch in tieferliegenden Gewebeschichten sitzen Schmerzrezeptoren. Werden diese durch die Schwellung zusammendrückt oder gegen Knochen, Muskeln oder Sehnen gepresst, tut das weh.

Bluterguss: Diagnose

Die Diagnose ergibt sich aus dem Unfallhergang und den Symptomen.

Wenn sich die Blutansammlung in einer Körperhöhle bildet, kann der Arzt bildgebende Verfahren nutzen, um Größe und Lage des Hämatoms zu ermitteln. Sammelt sich Blut im Brustkorb (Hämatothorax) oder Gelenk (Hämarthros), kann eine Röntgen- oder Ultraschalluntersuchung hilfreich sein.

Bei blutigen Gelenkergüssen, kann der Arzt das Gelenk auch punktieren. Dazu zieht er mithilfe einer Nadel und Spritze Flüssigkeit aus der Gelenkhöhle ab. Weist die Flüssigkeit (das sog. Punktat) Fettaugen auf, deutet dies auf knöcherne Verletzungen hin.

Treten Hämatome immer wieder ohne ersichtlichen Grund auf, kann der Arzt mithilfe einer Blutuntersuchung überprüfen, ob eventuell eine Gerinnungsstörung dahintersteckt.

Bluterguss: Wie lässt sich ein Hämatom behandeln?

Ein einfacher Bluterguss bedarf keiner Therapie. Der Betroffene kann ihn selbst behandeln, indem er

  • den betroffenen Körperteil hochlagert,
  • starke Belastung vermeidet und
  • den Bluterguss kühlt. Die Kälte bewirkt, dass sich die Blutgefäße zusammen ziehen und verhindert somit, dass sich die Blutung weiter ausbreitet.

Tipp: Es ist nicht empfehlenswert, Eis direkt auf die Haut zu legen. Wickeln Sie das Eis lieber in ein sauberes Handtuch ein. Kühlen Sie in den ersten Stunden nach der Verletzung einmal pro Stunde für bis zu 15 Minuten.

Sehr große und sich schnell ausbreitende Blutergüsse sollten von einem Arzt behandelt werden, da hier möglicherweise eines der größeren Blutgefäße verletzt wurde. Unerkannt und unbehandelt können solche Gefäßeinrisse zu einem großen Blutverlust führen.

Betrifft die Blutung den Brustraum, kann der Arzt eine sogenannte Thoraxdrainage vornehmen. Dabei wird das Blut mittels eines Schlauches herausgesaugt. Kommen große Mengen von Blut heraus (pro Stunde mehr als 300 bis 400 Milliliter oder insgesamt mehr als 1500 Milliliter Blut), kann eine Operation erforderlich sein.

Bluterguss: Verlauf

Wenn keine Komplikationen oder Begleitverletzungen auftreten, bildet sich der Bluterguss in der Regel nach einigen Wochen vollständig zurück. Beschwerden oder Schmerzen sollten danach nicht mehr auftreten.

In seltenen Fällen breitet sich ein Bluterguss zwischen Muskelfasern und der sie umgebenden Hülle (Muskelfaszie) aus. Dabei kann der Bluterguss so stark auf die Blutgefäße drücken, dass Gewebestrukturen wie Muskeln und Nerven nicht mehr ausreichend durchblutet werden (Kompartmentsyndrom). Der Arzt muss durch eine kleine Operation wieder Platz für die Muskeln schaffen, indem er die Hülle aus Bindegewebe durchtrennt und das Hämatom "herausschneidet". So lässt sich abwenden, dass Muskeln oder Nerven absterben.

Weitere Informationen

Onmeda-Lesetipps:

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Prellung: Erkennen & Behandeln

Quellen:

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 2017)

Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2017

Bruise. Online-Informationen der U.S. National Library of Medicine: www.nlm.nih.gov (Stand: 4.11.2015)

Niethard, F.U., Pfeil, J., Biberthaler, P.: Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2014

Aktualisiert am: 9. Oktober 2017

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