Blasenkrebs (Blasenkarzinom) – anfangs oft ohne Symptome

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (05. Oktober 2017)

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Bei Blasenkrebs (Blasenkarzinom) spielt die Früherkennung eine entscheidende Rolle. Je früher er entdeckt wird, desto besser sind die Heilungschancen.

Blut im Urin ist neben häufigem oder schmerzhaftem Wasserlassen das Haupt- und Frühsymptom von Blasenkrebs. Wer eine solche Veränderung bei sich feststellt, sollte einen Arzt aufsuchen, um die genaue Ursache zu klären. Oft stecken harmlosere Erkrankungen hinter den Beschwerden – dies kann aber nur der Arzt feststellen.

Was ist Blasenkrebs?

Blasenkrebs ist eine bösartige Tumorerkrankung der Harnblase. Er macht bei Frauen etwa 1,8 Prozent und bei Männern etwa 4,5 Prozent aller Krebserkrankungen aus.


Blasenkrebs: Symptome zeigen sich oft erst spät

Bei Blasenkrebs (Blasenkarzinom) treten anfangs kaum Symptome auf oder sind eher allgemeiner Natur. Als erstes Anzeichen findet sich bei Blasenkrebs oft Blut im Urin, das heißt der Urin ist rötlich oder bräunlich verfärbt. Schmerzen gehen nicht damit einher.

Auf den Blasenkrebs können neben Blut im Urin außerdem weitere Symptome hinweisen, wie zum Beispiel ein verstärkter Harndrang, bei dem man dann auf der Toilette jedoch kaum oder gar kein Wasser lassen muss. Auch ein Druckgefühl auf der Blase ähnlich wie bei einer Blasenentzündung kann ein Anzeichen für Blasenkrebs sein.

In fortgeschrittenen Stadien können bei Blasenkrebs auch Schmerzen auftreten. Schmerzen entstehen ebenfalls, wenn zum Beispiel der Harnleiter – durch ihn fließt der Urin von der Niere zur Blase – oder die Harnröhre durch das Blasenkarzinom verlegt sind. Dann können auch die Nierengegend oder der Rücken wegen der gestauten und/oder entzündeten Niere schmerzen.

Hinweis: Die genannten Symptome sind kein sicheres Anzeichen für Blasenkrebs. Solche Beschwerden können bei vielen Erkrankungen im Harnblasen- und Nierensystem vorkommen (z.B. einem Harnwegsinfekt wie einer Blasenentzündung). Um sicherzugehen, was genau dahinter steckt, sollte man solche Symptome jedoch ernstnehmen und von einen Arzt abklären lassen.

Blasenkrebs ist nicht gleich Blasenkrebs: Sehen Sie in diesem Video, in welche Formen sich diese Krebsart unterteilen lässt, welche Symptome bestehen und wie sich der Krebs feststellen lässt.

Blasenkrebs: Was sind die Ursachen?

Blasenkrebs (Blasenkarzinom) entsteht, wenn Zellen der Harnblase entarten. Das Erbgut hat sich bei ihnen dann auf eine Weise verändert, die sie dazu bringt, nicht mehr normal zu wachsen, sich zu teilen und nach einer gewissen Zeit abzusterben. Stattdessen beginnen die Zellen, sich unkontrolliert zu teilen – und das ohne vorprogrammierten Zelltod. Auf diese Weise können die entarteten Zellen einen Tumor hervorbringen.

Zur Entstehung von Blasenkrebs können deshalb Einflüsse beitragen, die solche Erbgutveränderungen in den Zellen der Harnblase fördern, wie zum Beispiel Rauchen. Für Blasenkrebs sind verschiedene solcher Risikofaktoren bekannt. Manchmal kann sich Blasenkrebs aber scheinbar auch ohne erkennbare Ursachen entwickeln beziehungsweise ohne dass bei den Betroffenen bekannte Risikofaktoren im Spiel waren.

Risikofaktoren für Blasenkrebs

Rauchen

Rauchen ist der größte Risikofaktor für Blasenkrebs. Auch Passivrauchen erhöht das Risiko, daran zu erkranken. Dabei gilt: Je länger man raucht, desto höher ist das Risiko für Blasenkrebs.

Man geht davon aus, dass etwa jede zweite Blasenkrebs-Erkrankung durch Rauchen entsteht.

Berufsrisiken

Bestimmte chemische Substanzen stehen im Verdacht, Blasenkrebs zu verursachen. Darunter befinden sich auch chemische Stoffe (sog. aromatische Amine), die in der Gummi- oder Anilinindustrie verwendet wurden oder werden (z.B. Beta-Naphthylamin oder Benzidin). Tritt Blasenkrebs infolge eines andauernden Kontaktes mit diesen und anderen aromatischen Aminen auf, ist er als Berufskrankheit anerkannt.

Reizungen der Blase

Blasenentzündungen können das Risiko für Blasenkrebs erhöhen, wenn sie schon seit Jahren bestehen und nicht behandelt werden. Solch eine chronische Blasenentzündung kann zum Beispiel infolge dauerhafter Harnwegsinfekte, durch einen Dauerkatheter oder Blasensteine entstehen. In tropischen Ländern zählen chronische Blasenentzündungen infolge einer Bilharziose zu den wichtigsten Risikofaktoren für das Blasenkarzinom.

Medikamente

Bestimmte Medikamente gelten als Risikofaktor für Blasenkrebs, so beispielsweise Krebsmittel, die den Wirkstoff Cyclophosphamid enthalten. Krebspatienten, die solche Medikamente benötigen, erhalten deshalb gleichzeitig blasenschützende Medikamente.

Erbliche Einflüsse

In manchen Familien tritt Blasenkrebs gehäuft. Forscher gehen deshalb davon aus, dass auch die Vererbung eine Rolle bei der Entstehung spielen kann. Hatte ein Elternteil Blasenkrebs, erhöht sich dadurch das Erkrankungsrisiko für die Kinder.

Häufigkeit

Im Jahr 2013 erkrankten in Deutschland etwa 29.480 Menschen an Blasenkrebs. Männer sind dabei fast dreimal häufiger betroffen als Frauen. Insgesamt macht Blasenkrebs bei Frauen 1,8 Prozent, bei Männern 4,5 Prozent aller Krebserkrankungen aus. Bei Männern ist Blasenkrebs damit der vierthäufigste Tumor (nach Prostatakrebs, Lungenkrebs und Darmkrebs).

Blasenkrebs tritt in der Regel erst im höheren Lebensalter auf. Männer erkranken durchschnittlich im Alter von 72 Jahren, Frauen im Alter von 74 Jahren. Im mittleren oder jungen Erwachsenenalter ist das Blasenkarzinom selten.

Blasenkrebs: Diagnose

Besteht aufgrund von Blut im Urin und der Krankengeschichte der Verdacht auf Blasenkrebs (Blasenkarzinom), muss die Diagnose gesichert oder widerlegt werden. Der Arzt nimmt dazu zunächst folgende Untersuchungen vor:

Mögliche Fragen des Arztes könnten sein:

  • Haben Sie Blut im Urin bemerkt? Wenn ja, seit wann?
  • Haben Sie Schmerzen und wenn ja, seit wann?
  • Hat sich beim Wasserlassen etwas verändert?
  • Liegen Vorerkrankungen vor (z.B. eine chronische Blasenentzündung oder Nierenerkrankungen)?
  • Bestehen Risikofaktoren für Blasenkrebs (z.B. Rauchen oder beruflicher Kontakt zu bestimmten chemischen Stoffen)?

Mit einem Urin-Teststreifen kann der Arzt feststellen, ob sich (verstecktes) Blut im Urin befindet.

Die wichtigste Untersuchung im Rahmen der Blasenkrebs-Diagnose ist die Blasenspiegelung (Zystoskopie). Unter örtlicher Betäubung (Gleitmittel mit betäubender Wirkung) schiebt der Arzt vorsichtig einen dünnen, weichen und flexiblen Schlauch (Endoskop) durch die Harnröhre bis in die Harnblase vor.

Eine Blasenspiegelung ist weitgehend schmerzfrei. In manchen Fällen kann sie jedoch auch unangenehm bis leicht schmerzhaft sein. Über in den Schlauch eingebaute optische Instrumente kann der Arzt die Schleimhaut der Harnblase Stück für Stück nach verdächtigen Stellen absuchen. Bei Bedarf entnimmt er mit einer kleinen Zange Gewebeproben (Biopsien). Ein Gewebespezialist (Pathologe) untersucht diese Proben dann unter dem Mikroskop. Bei der Blasenspiegelung kann der Arzt auch die Mündungen der beiden Harnleiter in die Harnblase sehen. So lässt sich erkennen, ob das Blut eventuell aus einem der beiden Harnleiter kommt. Das würde bedeuten, dass die Blutungsquelle an anderer Stelle beziehungsweise oberhalb der Blase liegt.

Gab es bei den bisherigen Untersuchungen Hinweise auf Blasenkrebs nimmt Arzt unter Umständen eine transurethrale Resektion (TUR) von Blasengewebe vor. Ähnlich wie bei der Blasenspiegelung führt der Arzt hierbei ein Untersuchungsinstrument über die Harnröhre in die Blase ein, um Gewebe zu entnehmen. Der Betroffene ist dabei ganz oder teilweise in Narkose. Wird dabei ein Blasenkarzinom erkannt, kann es je nach Größe auch gleich mit entfernt werden.

Eine mikroskopische Untersuchung des Harns auf bösartige Zellen, die sogenannte Urinzytologie, kann bei Blasenkrebs zur Diagnose beitragen. Sie erfolgt dann, wenn die Blasenspiegelung den Verdacht auf eine Vorstufe eines oberflächlichen Blasenkarzinoms ergibt.

Ergibt die Blasenspiegelung den Verdacht auf Blasenkrebs, schließt sich eine Röntgenuntersuchung der Harnwege mit Kontrastmittel an, die sogenannte Urographie. Das dabei entstehende Röntgenbild heißt Ausscheidungsurogramm und stellt die ableitenden Harnwege dar. Dazu gehören:

  • Nierenbecken
  • Harnleiter
  • Harnblase
  • Harnröhre

Zudem kommen in manchen Fällen als ergänzende Untersuchungen Computertomographie (CT) oder Kernspintomographie (MRT) zum Einsatz. Sie ermöglichen es, die genaue Ausbreitung des Blasenkarzinoms im Beckenbereich zu beurteilen.

Ist der Blasenkrebs weiter fortgeschritten und bereits in die Muskelschicht der Harnblase oder in benachbarte Organe eingewachsen, erhöht dies die Wahrscheinlichkeit, dass er Tochtergeschwulste (Metastasen) bildet. Solche Metastasen finden sich dann vor allem in Lunge, Leber oder Skelett (Knochenmetastasen). Eine Röntgenuntersuchung der Lungen, eine Ultraschalluntersuchung der Leber und eine sogenannte Skelett- oder Knochenszintigraphie können zeigen, ob es dort solche Tochtergeschwulste gibt.

Liegt Blasenkrebs vor, wird der Gewebespezialist mit dem Mikroskop untersuchen, aus welchen Zelltyp der Tumor hervorgegangen ist. In der Mehrzahl der Fälle entwickelt sich Blasenkrebs aus speziellen Schleimhautzellen der Blase, den sogenannten Übergangszellen. In der Fachsprache heißen die Übergangszellen Urothel. Diese Zellen kleiden die Harnblase von innen aus und bilden gewissermaßen die Innenhaut der Blase. Krebs, der aus diesen Zellen entsteht, heißt folglich Übergangszellkarzinom oder Urothelkarzinom.

Sehr viel seltener bildet sich das Blasenkarzinom aus anderen Zelltypen (z.B. Plattenepithel- oder Drüsenzellen). Es handelt sich dann entsprechend um ein Plattenepithelkarzinom oder Adenokarzinom (griech. aden = Drüse).

Je nach Tumorwachstum unterscheidet man zwischen oberflächlichem und ins Gewebe einwachsendem, muskelinvasiven Blasenkrebs. Die einwachsende Form erreicht die unter den Übergangszellen gelegene Muskelschicht der Harnblase und kann sich im weiteren Verlauf auf Nachbarorgane (beim Mann z.B. Prostata, bei der Frau z.B. Gebärmutter) ausbreiten.

Blasenkrebs: Behandlung

Bei Blasenkrebs richtet sich die Behandlung danach,

  • welche Tumorart vorliegt,
  • wo das Blasenkarzinom sitzt,
  • welches Stadium besteht bzw. ob das Blasenkarzinom oberflächlich oder in die Blasenmuskulatur eingewachsen ist und
  • ob sich der Blasenkrebs bereits ausgebreitet hat.

Oberflächliche Blasenkarzinome (nicht-muskelinvasive Blasenkarzinome)

Etwa 75 Prozent aller Blasenkarzinome werden in einem frühen, oberflächlichen Stadium entdeckt. Diese haben meist gute Aussichten auf Heilung. Mediziner unterscheiden an der Schleimhaut der Harnblase (Urothel) zwei Formen der oberflächlichen Blasenkarzinome:

  • papillenartige (papilläre) Neubildungen und
  • flächenhafte Neubildungen.

Entsprechend der international geltenden TNM-Klassifikation ergeben sich daraus folgende Bezeichnungen beziehungsweise Tumor-Stadien (wobei das "T" für "Tumorgröße" steht):

  • Stadium pTa: auf die Schleimhaut begrenztes papilläres Karzinom; dringt nicht in den Muskel ein
  • Stadium pTis oder CIS: sog. Carcinoma in situ (wächst flach und betrifft nur die oberste Schicht der Schleimhaut)
  • Stadium pT1: Tumor breitet sich auf das unterhalb der Schleimhaut gelegene Bindegewebe aus

Bei einem oberflächlichen Blasenkarzinom beschränkt sich der Krebs auf die innerste Schicht der Blasenwand. Er dringt nicht bis zur Muskulatur vor, die unter der Schleimhaut und dem Bindegewebe liegt. Er ist also nicht muskelinvasiv.

Bei diesem Blasenkrebs-Stadium genügt als Therapie eine relativ kleine, sehr schonende endoskopische Operation. Diese erfolgt im Rahmen einer Art Blasenspiegelung: der sogenannten transurethrale Resektion (TUR) von Blasengewebe.

Bei der TUR führt der Urologe unter Teil- oder Vollnarkose vorsichtig ein starres Rohr über die Harnröhre in die Harnblase ein. Durch das dünne Rohr kann er feine Operationsinstrumente wie eine stromführende Schlinge vorschieben. Mit deren Hilfe entfernt er auffälliges beziehungsweise erkranktes Gewebe, indem er den oberflächlichen Tumor schichtweise abträgt. Zudem entnimmt er Gewebeproben (Biopsien), die ein Spezialist unter anderem daraufhin untersucht, bis in welche Schicht der Tumor vorgedrungen ist.

Bestimmte feingewebliche Befunde machen es nötig, dass in einem etwa ein- bis sechswöchigen Abstand zur ersten TUR ein zweiter Eingriff folgt, bei dem der Urologe erneut Gewebe entnimmt. Dies ermöglicht dem Arzt, gegebenenfalls während des ersten Eingriffs nicht entfernte bösartige Bereiche zu entdecken und zu entfernen.

Um zu vermeiden, dass Blasenkrebs erneut auftritt, schließt der Arzt bei bestimmten Tumoren unmittelbar nach der TUR eine örtliche (sog. topische oder lokale) Chemotherapie an. Über einen Blasenkatheter bringt er Medikamente in die Harnblase ein, wo sie für kurze Zeit verbleiben. Diese sogenannte Instillationstherapie erfolgt mit Wirkstoffen aus der Gruppe der Krebsmittel (Zytostatika) wie Mitomycin, Doxorubicin und Epirubicin. Die Medikamente wirken nur im Inneren der Blase, andere Organe betreffende Nebenwirkungen der Chemotherapie wie etwa Übelkeit, Erbrechen oder Haarausfall bleiben daher aus.

Eine weitere, ergänzende Behandlung bei Blasenkrebs ist die Immuntherapie mit dem Impfstoff BCG (Bacillus Calmette-Guérin), der wahrscheinlich die Immunabwehr in der Blase steigert. Im Falle eines Carcinoma in situ schließt sich immer eine solche Immuntherapie an die TUR an, da hier das Rückfallrisiko hoch ist. Sie erfolgt mit etwas Abstand zum ersten Eingriff und wiederholt sich dann wöchentlich für einige Zeit. Es kann zu Nebenwirkungen kommen.

Prinzipiell sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Arzt (zu Beginn alle drei Monate) nach der Therapie oberflächlicher Blasenkarzinome sehr wichtig. Denn diese neigen dazu, erneut aufzutreten (sog. Rezidiv).

Infiltrierende bzw. fortgeschrittene Blasenkarzinome (muskelinvasive Blasenkarzinome)

Wenn das Blasenkarzinom bereits in die Muskulatur der Blasenwand einwächst, sprechen Mediziner von infiltrierendem oder muskelinvasivem Blasenkrebs. Die Standardbehandlung eines auf die Blase begrenzten Tumors sieht die operative Entfernung der Harnblase sowie der Lymphknoten des Beckens vor: die sogenannte radikale Zystektomie

Beim Mann entfernt der Urologe außerdem

  • die Vorsteherdrüse (Prostata) sowie
  • die Samenblasen (hierbei werden auch die Samenleiter durchtrennt).

Der Mann ist nach diesem Eingriff nicht mehr zeugungsfähig. Je nach Operationsverfahren können Erektionsstörungen (erektile Dysfunktion) auftreten, die sich in vielen Fällen mit Medikamenten, einer Vakuumpumpe oder Schwellkörperimplantaten gut behandeln lassen.

Bei der Frau entfernt der Arzt im Zuge der Blasenkrebs-Therapie außer der Harnblase:

Dieser Eingriff hat körperliche und häufig auch psychische Auswirkungen, da diese Organe für das Selbstverständnis vieler Frauen sehr bedeutsam sind. Nach der Entfernung der Gebärmutter kann die Frau keine Kinder mehr bekommen. Da die meisten Frauen eher in einem fortgeschrittenen Alter an Blasenkrebs erkranken, spielt die Fortpflanzungsfähigkeit in der Regel keine Rolle mehr. Darüber hinaus führen die fehlenden Eierstöcke bei jüngeren Patientinnen, die noch nicht in den Wechseljahren (Klimakterium) waren, zu kurzfristigen Änderungen im Hormonhaushalt. Sollten Beschwerden und Fragen aufkommen, empfiehlt es sich, diese auch mit einem Frauenarzt zu besprechen.

Blasenersatz und Harnableitung

Die entfernte Harnblase muss ersetzt werden, damit der Urin sich in einer künstlich geschaffenen "Ersatzblase" sammeln kann oder auf direktem Wege abgeleitet wird. Es gibt folgende Möglichkeiten, die sich in sogenannte kontinente und inkontinente Harnableitungen gliedern:

Kontinente ("dichte") Harnableitungen

  • Neoblase: Ersatzblase aus Schlingen des Dünndarms (Ileum)
  • Pouch: Harnreservoir aus Dünn- oder Dickdarm mit dichter Öffnung zur Bauchdecke (Stoma)
  • Einpflanzung der Harnleiter in den Mastdarm: Harnableitung in den Mastdarm, kontrolliertes Absetzen des Harns über den After

Bei der Ersatzblase (Neoblase) verbindet der Operateur ein vom restlichen Dünndarm entkoppeltes Stück Darm einerseits mit den beiden Harnleitern und andererseits mit der Harnröhre. Die Harnleiter transportieren normalerweise den Urin von den Nieren in die Blase, die Harnröhre leitet den Urin beim Mann über den Penis und bei der Frau über die Mündung der Harnröhre im Bereich der Vulva nach außen. Das so geschaffene innere Darmreservoir ermöglicht ein nahezu natürliches Wasserlassen nach einer Blasenkrebs-Operation. In manchen Fällen muss der Betroffene die Darmersatzblase (mehrmals täglich und einmal nachts) über einen Katheter entleeren. Beckenbodengymnastik hilft, die Kontrolle über das Wasserlassen wieder zu erlangen oder zu verbessern und Harnträufeln (Inkontinenz) zu vermeiden.

Kommt eine Ersatzblase nicht als Harnreservoir infrage, ist ein sogenannter Pouch eine weitere kontinente Methode. Hierbei handelt es sich um ein Reservoir, dass der Operateur aus einer "stillgelegten" Schlinge des Dünndarms oder Dickdarms bildet. Er schließt die Harnleiter an dieses Darmstück an und schafft eine direkte Öffnung zur Bauchdecke, ein sogenanntes Stoma. Das Stoma schließt dicht ab und arbeitet wie ein Ventil, sodass nicht unwillkürlich Urin aus dem Reservoir nach außen entweichen kann. Mit einem Katheter kann der Betroffene den gespeicherten Urin über das Stoma entleeren.

Die Einpflanzung der Harnleiter in den Mastdarm (letzter Teil des Dickdarms) stellt die dritte Möglichkeit der kontinenten Harnableitung nach einer Blasenkrebs-OP dar. Im Mastdarm mischt sich der Urin mit dem Stuhl und der Betroffene kann ihn willkürlich über den After absetzen (Kontrolle über den Schließmuskel).

Alle drei Alternativen sind nur dann sinnvoll, wenn die Nieren gut arbeiten, da die lange Kontaktzeit des Urins mit dem Darmgewebe dazu führt, dass bestimmte Stoffe zurück ins Blut gelangen, welche die Nieren dann wieder filtern müssen.

Inkontinente Harnableitungen

Harnleiter-Hautfistel: Hierbei näht man die beiden Harnleiter in die Bauchdecke ein und klebt über die Öffnung (Stoma) einen Sammelbeutel (Stomabeutel). Der Urin tröpfelt fortwährend in den Beutel hinein.

Ileum-Conduit: Beim Ileum-Conduit schafft der Chirurg einen künstlichen Harnausgang aus Teilen des Dünndarms, der auch Harnleiterfistel genannt wird. Die Harnleiter enden also in einem kurzen Dünndarmstück (dem Krummdarm, auch Ileum genannt), das wiederum direkt mit der Bauchdecke verbunden ist und dort in eine Öffnung (Stoma) mündet. Auch bei der Harnleiterfistel ist das Stoma inkontinent. Das heißt, es fließt kontinuierlich Urin über die Öffnung in einen Sammelbeutel, der von außen auf dem Stoma aufklebt.

Strahlentherapie und Chemotherapie

Ist eine radikale Harnblasenentfernung bei Blasenkrebs (Blasenkarzinom) nicht möglich oder lehnen die Betroffenen diese ab, können sie mit einer Strahlentherapie (Radiotherapie) behandelt werden. In der Regel kombiniert der Arzt die Bestrahlung mit einer Chemotherapie (sog. Radiochemotherapie). Zuvor sollte der Arzt das Blasenkarzinom möglichst im Zuge einer Blasenspiegelung (TUR) komplett entfernen. Ein Vorteil dieser Methode ist, dass die Blase erhalten bleibt. Eine möglichst genaue Planung der Behandlung schont das umliegende, gesunde Gewebe – die Risiken einer Strahlenbehandlung sind gering.

Sollte nach der Behandlung ein Tumorrest verbleiben oder der Blasenkrebs erneut auftreten, wird der Arzt dem Betroffenen das weitere Vorgehen erläutern und unter Umständen eine Blasenkrebs-Operation vorschlagen.

Bei fortgeschrittenem Blasenkrebs, der über die Muskelschicht hinaus gewachsen ist und in manchen Fällen bereits benachbarte Organe erreicht hat (sog. T3- und T4-Stadium), kann eine auf den gesamten Körper wirkende Chemotherapie erforderlich sein. Zwei Varianten kommen infrage – in beiden Fällen gelangen die Krebsmittel (Zytostatika), die bei der Chemotherapie zum Einsatz kommen, durch eine Infusion über den Blutstrom zu den bösartigen Zellen im Gebiet der Blase oder den Organen, wo sich Tochtergeschwulste (Metastasen) befinden. Dort töten die Wirkstoffe die Krebszellen ab.

  • Gibt der Arzt die Blasenkrebs-Medikamente vor der Operation, spricht er von einer neoadjuvanten Chemotherapie. Ihr Ziel ist es, den Tumor zu verkleinern und damit die Operation zu vereinfachen oder überhaupt erst zu ermöglichen.
  • Erfolgt die Therapie nach der Operation, heißt sie adjuvante Chemotherapie. Sie eignet sich bei bestimmten Tumorstadien (Lymphknotenbefall im Becken und/oder Tumorwachstum über die Blasenwand hinaus) und soll helfen, das Risiko für Tochtergeschwulste zu mindern. Die adjuvante Chemotherapie beginnt in der Regel innerhalb der ersten zwölf Wochen nach der Blasenkrebs-Operation.

Sind bereits Fernmetastasen vorhanden (z.B. in Knochen, Leber oder Lunge), ist die Chemotherapie oft die einzige Therapiemöglichkeit, um die Überlebenszeit zu verlängern und die Lebensqualität des Betroffenen zu bessern. Zwar geht eine Chemotherapie mit Nebenwirkungen einher, diese lassen sich aber heutzutage gut beherrschen. Medikamente beziehungsweise Wirkstoffe, die bei der Chemotherapie zur Anwendung kommen, sind unter anderem:

Blasenkrebs: Verlauf

Bei Blasenkrebs (Blasenkarzinom) sind Verlauf und Prognose umso besser, je früher der Tumor erkannt wird. In den meisten Fällen (etwa 75 Prozent) wird Blasenkrebs in sehr frühen Stadien (Tumorstadium pTa, T1 oder Carcinoma in situ) entdeckt. Es handelt sich dann um oberflächlichen Blasenkrebs, der papillenartig oder flach wachsen kann. Diese Form ist in den meisten Fällen heilbar.

Entfernt der Arzt den Blasenkrebs im Zuge einer speziellen Blasenspiegelung (TUR), so tritt im Verlauf der folgenden fünf Jahre in vielen Fällen (50 bis 70 Prozent) erneut ein Blasenkarzinom auf. Deshalb ist eine regelmäßige Nachkontrolle sehr wichtig. Meist lässt sich durch den wiederholten Eingriff das oberflächliche Blasenkarzinom langfristig gut therapieren. Eine anschließende örtliche Chemotherapie oder Immuntherapie (sog. Instillation) senkt die Wahrscheinlichkeit, dass der Blasenkrebs wieder auftritt, um bis zu 20 Prozent.

Etwa jeder vierte Blasenkrebs-Patient weist schon zu Beginn oder im weiteren Verlauf einer oberflächlichen Tumorerkrankung ein Blasenkarzinom in einem höheren Stadium auf. Dann muss der Arzt die Blase komplett entfernen oder eine kombinierte Strahlenchemotherapie im Anschluss an eine TUR durchführen.

Blasenkarzinome, die muskelinvasiv wachsen, also bereits die Muskelschicht der Blasenwand erreicht haben, kann der Arzt in der Regel nicht im Rahmen einer Blasenspiegelung (TUR) behandeln. Hier erfolgt eine offene Operation, bei der die Blase und die bei Mann und Frau unterschiedlichen angrenzenden Organe (wie Prostata oder Gebärmutter) entfernt werden.

Lebenserwartung bei Blasenkrebs

Bei Blasenkrebs hängt die Lebenserwartung neben anderen Faktoren vor allem davon ab, welches Krebsstadium vorliegt und davon ob und wie die Erkrankung behandelt wird.

Bei fortgeschrittenem, muskelinvasivem Blasenkrebs ist zudem ein ganz entscheidender Faktor, ob das Blasenkarzinom bereits Absiedlungen in Organen wie Leber, Lunge oder Knochen gebildet hat (sog. Fernmetastasen). Ohne Fernmetastasen und bei radikaler Zystektomie leben nach fünf Jahren statistisch gesehen noch etwa vier bis fünf von zehn Betroffenen.

Da sich eine Krebserkrankung nicht bei jedem Menschen gleich entwickelt, sind allgemeingültige Aussagen zum weiteren Verlauf von Blasenkrebs und zur Lebenserwartung jedoch kaum möglich.

Blasenkrebs: Vorbeugen

Blasenkrebs (Blasenkarzinom) können Sie indirekt vorbeugen, indem Sie die Risikofaktoren verringern beziehungsweise meiden:

  • Rauchen Sie nicht. Etwa jeder zweite Fall von Blasenkrebs entsteht wahrscheinlich durch Rauchen.
  • Achten Sie darauf, sich bei beruflichem Kontakt mit aromatischen Aminen (z.B. Anilin) entsprechend zu schützen.

Lassen Sie eine chronische Blasenentzündung behandeln, da sie ein Risikofaktor für ein Blasenkarzinom sein kann.

Sie können Blasenkrebs zudem vorbeugen, indem Sie in tropischen und subtropischen Ländern auf das Baden in Seen und Flüssen verzichten. Auf diese Weise besteht nicht die Gefahr, dass Sie sich mit sogenannten Schistosomen, den Erregern der Bilharziose, anstecken. Besteht diese Erkrankung über viele Jahre und bleibt unbehandelt, steigt das Risiko für Blasenkrebs.

Nach einer Blasenkrebs-Behandlung sollten Sie sich nach Absprache mit dem Arzt regelmäßig, zunächst meist vierteljährlich, untersuchen lassen. Diese Nachsorge ist sehr wichtig. Denn sie ermöglicht es, ein Wiederauftreten des Tumors (Rezidiv) oder Komplikationen durch die Harnableitung früh zu erkennen und wirksam zu behandeln.

Blasenkrebs: Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Blasenkrebs (Blasenkarzinom)":

Onmeda-Lesetipps:

Forum Krebserkrankungen (expertenbetreut)

Selbsthilfegruppen / Beratungsstellen:

Selbsthilfe-Bund Blasenkrebs e.V.

Thomas-Mann-Str. 40
53111 Bonn
+49(0)228 / 33 88 9 - 155
E-Mail: info@blasenkrebs-shb.de
www.blasenkrebs-shb.de

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Quellen:

Blasenkarzinom. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 14.6.2017)

Blasenkrebs, Harnblasenkrebs. Online-Informationen der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG): www.krebsgesellschaft.de (Stand: 29.9.2017)

Interdisziplinäre kurzgefasste Leitlinien der Deutschen Krebsgesellschaft und der Deutschen Gesellschaft für Urologie: Harnblasenkarzinom. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 032/038 (Stand: November 2016)

Robert Koch-Institut (Hg.): Bericht zum Krebsgeschehen in Deutschland 2016. Robert Koch-Institut, Berlin 2016

Deutsche Krebshilfe, Deutsche Krebsgesellschaft (Hg.): Blasenkrebs. Die blauen Ratgeber, Nr. 18 (Stand: 2016)

Robert Koch-Institut (Hg.): Krebs in Deutschland 2011/2012. Robert Koch-Institut, Berlin 2015

Haag, P., Hanhart, N. und Müller, M.: Gynäkologie und Urologie. Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach 2012

Hautmann, R.: Urologie. Springer, Heidelberg 2010

Aktualisiert am: 5. Oktober 2017

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