Bettnässen (Enuresis): Ursachen

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (17. Dezember 2014)

Enuresis (Bettnässen) kann viele verschiedene Ursachen haben: Die möglichen Gründe für das Einnässen reichen von erblicher Veranlagung über hormonelle Störungen bis hin zu körperlichen Auslösern. Entscheidend ist dabei vor allem,

  • ob das Einnässen nur nachts und als einziges Symptom auftritt (sog. monosymptomatische Enuresis) oder
  • ob das Kind auch tagsüber einnässt und/oder andere Anzeichen für eine Blasenfunktionsstörung zeigt (sog. nicht-monosymptomatische Enuresis).

Monosymptomatische Enuresis

Die monosymptomatische Enuresis hat wahrscheinlich erbliche Ursachen – zumindest dann, wenn das nächtliche Bettnässen ohne Unterbrechung durch eine längere trockene Phase besteht (sog. primäre Enuresis): Hierfür spricht, dass diese Form von Einnässen familiär gehäuft auftritt.

Als Ursache für die primäre monosymptomatische Enuresis kommt eine anlagebedingte Entwicklungsverzögerung der Blasenfunktion infrage. So kann das Bettnässen zum Beispiel dadurch bedingt sein,

  • dass beim Bettnässer die zur Blasenkontrolle nötigen Nervenverbindungen noch nicht ausreichend entwickelt sind,
  • dass die kindliche Blase zu klein für den gebildeten Urin ist oder
  • dass die Urinmenge zu groß für die Blase ist.

Dabei kann auch die falsche Verteilung der Flüssigkeitszufuhr für die monosymptomatische Enuresis (mit)verantwortlich sein, denn:

  • Wenn Kinder regelmäßig genug Flüssigkeit zu sich nehmen, fördert dies die Erhöhung ihrer Blasenkapazität – und wirkt so dem Bettnässen entgegen.
  • Trinken Kinder jedoch tagsüber zu wenig und darum am Ende des Tages (wegen Durst) übermäßig viel, ist die Blase ausgerechnet zur Schlafenszeit überlastet.

Eine wichtige Rolle beim Bettnässen kann außerdem das Hormon Vasopressin spielen, das die Wasserausscheidung hemmt (d.h. antidiuretisch wirkt): Es steuert den Wasserhaushalt im Körper und wirkt so auf die Blasenfüllung. Normalerweise scheidet die Hirnanhangdrüse (Hypophyse) Vasopressin in einem tageszeitlich abhängigen Rhythmus aus, der dafür sorgt, dass die Blase sich nachts weniger füllt. Diese hormonelle Regulation kann beim Bettnässen gestört sein. Auch ein noch unterentwickeltes Zusammenspiel zwischen Kontrolle der Blase und der Schlaftiefe kann die monosymptomatische Enuresis (mit)verursachen.

Neben der erblichen Veranlagung spielen für die primäre monosymptomatische Enuresis zumindest teilweise auch äußerliche Einflüsse und seelische Faktoren als Ursachen eine Rolle, denn: Der Erwerb der Blasenkontrolle ist ein Lernprozess, für den nicht nur körperliche, sondern auch seelische Vorgänge von Bedeutung sind. Wenn die natürliche Entwicklung durch äußere Faktoren (wie eine zu frühe oder strenge Reinlichkeitserziehung) beeinträchtigt ist, kann dies das Bettnässen fördern. Da umgekehrt nächtliches Einnässen selbst seelische Probleme verursachen kann, entsteht mitunter ein Teufelskreis.

Doch vor allem, wenn die monosymptomatische Enuresis erneut auftritt, nachdem das Kind schon mindestens sechs Monate trocken war (sog. sekundäre Enuresis), sind seelische Ursachen wahrscheinlich: Sekundäres Bettnässen kann ein unbewusstes Signal dafür sein, dass irgendetwas nicht stimmt. So finden sich im Leben eines Kindes, das plötzlich wieder einnässt, oft unerwartete Veränderungen, die es verunsichern oder beeinträchtigen: Das können etwa die Geburt eines Geschwisterchens, der Verlust eines Familienmitglieds, Streitigkeiten in der Familie, ein Trennungserlebnis oder ein Umzug sein.


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