Bauchspeicheldrüsen­krebs (Pankreaskarzinom): Diagnose

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (04. Juli 2016)

Beim Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom) ist eine frühzeitige Diagnose sehr wichtig: Nur wenn es gelingt, den Krebs rechtzeitig zu erkennen, besteht die Chance, ihn erfolgreich zu operieren und somit heilen zu können. Darum empfiehlt es sich, möglichen Anzeichen für einen Pankreaskrebs immer auf den Grund zu gehen.

Wenn sich bei den Untersuchungen der Verdacht auf einen Bauchspeicheldrüsenkrebs bestätigt, muss der Arzt im nächsten Schritt die genaue Lage und Ausbreitung des Pankreaskarzinoms bestimmen, um die nachfolgende Therapie planen zu können. Dies bezeichnet man auch als Tumorstaging.

Der Arzt kann eine ganze Reihe von Untersuchungsmethoden nutzen, um einen Bauchspeicheldrüsenkrebs zu diagnostizieren. Die genaue Reihenfolge und Auswahl der Untersuchungen hängen davon ab, wie eindeutig der Befund auf ein Pankreaskarzinom hinweist und ob die jeweilige Untersuchungstechnik in der Klinik verfügbar ist.

Übersicht der Untersuchungsmethoden:

Arztgespräch und körperliche Untersuchung

Um einen Bauchspeicheldrüsenkrebs nachzuweisen, klärt der Arzt zuerst in einem Gespräch (Anamnese), welche Beschwerden bestehen und ob unter Umständen Risikofaktoren vorliegen. Es folgt eine gründliche körperliche Untersuchung. Der Arzt tastet den Bauch des Patienten ab, achtet auf eine vergrößerte oder veränderte Leber und Gallenblase und prüft, ob sich im Bereich der Bauchspeicheldrüse eventuell Tumoren, also Schwellungen, tasten lassen. Hieraus können sich erste Hinweise auf ein Pankreaskarzinom, andere Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse oder anderer Organe ergeben.

Als weitere Untersuchungen, die wertvolle Hinweise auf Bauchspeicheldrüsenkrebs liefern können, schließen sich Blutuntersuchungen (Laboruntersuchungen) und bildgebende Verfahren an. Hierbei kommen dem Ultraschall (Sonographie), der Computertomographie (CT) und unter Umständen der Magnetresonanztomographie (MRT) große Bedeutung zu. Bei einem verdächtigen Befund können spezielle Tumormarker im Blut (z.B. CA 19-9) auf dem Weg zur richtigen Diagnose weiterhelfen.

Ultraschall und Computertomographie (CT)

Die Ultraschalluntersuchung des Oberbauchs (Oberbauchsonographie) ist ein sehr hilfreiches und zudem völlig schmerz- und risikoloses Verfahren. Die Ergebnisse dieser Untersuchung können in einigen Fällen den Verdacht auf Bauchspeicheldrüsenkrebs bestätigen. Ebenso kann der Arzt die Lage eines Tumors und seine Ausbreitung auf benachbarte Organe beurteilen. Der Arzt betrachtet die Leber und die Lymphknoten im Bauchraum und kann somit auf mögliche Tochtergeschwulste (Metastasen) schließen.

Die Computertomographie (CT) ergänzt die Ultraschalluntersuchung. Mit Röntgentechnik werden Schichtbilder des Bauchraums angefertigt: Diese Aufnahmen ermöglichen eine noch genauere Aussage darüber, wie groß der Bauchspeicheldrüsenkrebs ist und wie weit er sich bereits auf umliegende Organe und Gewebe ausgebreitet hat. Der Arzt kann mit der Computertomographie auch der Frage nachgehen, ob Metastasen vorliegen. Die Computertomographie erfolgt unter Gabe von Kontrastmittel. Aufgrund der technischen Grenzen von CT und Ultraschall ist ein sehr kleines Pankreaskarzinom mit diesen Methoden kaum zu entdecken – dann können weitere Untersuchungen notwendig sein.

MRT (Magnetresonanztomographie, Kernspintomographie)

Die Kernspin- oder Magnetresonanztomographie (MRT) ist ein ergänzendes Verfahren, das präzise Auskunft bei der Suche nach möglichen Tochtergeschwulsten (Metastasen) gibt. Mithilfe der MRT erhält der Arzt auch Hinweise, ob es sich um Bauchspeicheldrüsenkrebs oder beispielsweise eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) handelt. Anders als die Computertomographie arbeitet dieses Verfahren nicht mit Röntgenstrahlen, sondern mit Magnetfeldern.

Bleibt nach den Standarduntersuchungen wie Ultraschall und Computertomographie weiterhin unklar, ob es sich um Bauchspeicheldrüsenkrebs handelt, kann eine sogenannte MRCP weiterhelfen: CP steht für die Darstellung des Gallen (Chole)- und Pankreasgangs. Eine weitere Variante ist die sogenannte MR-Angiographie, mit der der Arzt die Blutgefäße des Bauchraums darstellen kann.

Alle genannten Magnetresonanzuntersuchungen sind für den Betroffenen schonend und schmerzfrei; sie stellen eine Alternative zur sogenannten endoskopischen retrograden Cholangiopankreatikographie (ERCP) und zur klassischen Angiographie dar, also der Gefäßdarstellung durch Röntgentechnik.

ERCP

Die ERCPendoskopische retrograde Cholangiopankreatikographie – ist eine spezielle endoskopische Untersuchung des Gallengangs und des Pankreasgangs. Dabei spiegelt der Arzt den Magen und den Zwölffingerdarm mit einem beweglichen Endoskop (sog. Gastroduodenoskopie).

Gallengang und Pankreasgang münden gemeinsam in der sogenannten Papille in den Zwölffingerdarm. Unter Sichtkontrolle füllt der Untersucher bei der ERCP mithilfe eines kleinen Schlauchs über die Papille Kontrastmittel in das Gangsystem. Im Anschluss fertigt er Röntgenaufnahmen an, um die mit Kontrastmittel gefüllten Gänge und damit auch mögliche durch den Tumor bedingte Engstellen und Abflussbehinderungen sichtbar zu machen.

Die ERCP ist nicht nur eine Diagnosemethode – sie hat auch therapeutischen Nutzen. Ein eingeengter Gallengang führt zu einem Gallestau und in der Folge zu einer Gelbsucht (sog. Verschlussikterus). Der Arzt kann dann einen sogenannten Stent (ein Röhrchen) in den Gang einlegen und somit dafür sorgen, dass der Gang wieder offen ist und die Galle abfließen kann. Wenn geplant ist, den Bauchspeicheldrüsenkrebs zeitnah zu operieren, legt der Arzt in der Regel keinen Stent ein.

Endoskopischer Ultraschall

Eine Endosonographie (endoskopische Ultraschalluntersuchung) kann helfen, auch ein kleines Pankreaskarzinom zu erkennen. Zudem ermöglicht sie, vor einer geplanten Operation herauszufinden, wie weit sich der Bauchspeicheldrüsenkrebs bereits ausgebreitet hat. Bei Bedarf kann der Arzt eine Gewebeprobe entnehmen (Biopsie).

Das Endoskop (schlauchförmiges Untersuchungsinstrument) ist mit einem Ultraschallkopf ausgerüstet und wird über Mund und Speiseröhre in den Magen oder Zwölffingerdarm vorgeschoben. Der Arzt kann dann die Bauchspeicheldrüse sowie weitere Organe und Gefäße mithilfe von Ultraschall "von innen heraus" untersuchen.

Röntgenuntersuchung

Um zu beurteilen, wie weit sich der Bauchspeicheldrüsenkrebs bereits ausgebreitet hat und ob die Lungen befallen sind, fertigen die behandelnden Ärzte stets eine Röntgenuntersuchung des Brustkorbs an.

Biopsie (Gewebeprobe)

Besteht der Verdacht auf Bauchspeicheldrüsenkrebs und erlaubt der Zustand des Patienten eine Operation, muss der Arzt in der Regel vorher keine Gewebeprobe entnehmen: Die Gewebeuntersuchung (Biopsie) erfolgt dann während oder nach der Operation. Kommt eine Operation nicht infrage, entnimmt der Arzt eine Gewebeprobe, um die Diagnose zu sichern.

Der Arzt erhält eine solche Gewebeprobe durch eine computertomographie- oder ultraschallgesteuerte Punktion der Bauchspeicheldrüse oder einer Tochtergeschwulst des Bauchspeicheldrüsenkrebses. Alternativ ist je nach Lage des Pankreaskarzinoms eine kontrollierte Gewebeentnahme, die durch die Endosonographie unterstützt wird, möglich und sinnvoll.

Bauchspiegelung (Laparoskopie)

In einigen Fällen kann es notwendig sein, die Ausdehnung des Bauchspeicheldrüsenkrebses mithilfe einer Bauchspiegelung (Laparoskopie) genau zu beurteilen. Dabei führt der Arzt über kleine Einschnitte in der Bauchdecke ein flexibles optisches Instrument ein (Endoskop) – der Eingriff geschieht in Vollnarkose.

Die Kamera des Endoskops überträgt die Bilder aus dem Bauchraum auf einen Monitor. Je nach Befund entscheidet sich der Arzt dafür, das Pankreaskarzinom in einer Operation zu entfernen oder eine andere Therapie einzuleiten. All diese Optionen bespricht er vor dem Eingriff mit dem Patienten.

Positronen-Emissions-Tomographie (PET)

Eine weitere bei Bauchspeicheldrüsenkrebs sinnvolle Untersuchungsmethode ist die Positronen-Emissions-Tomographie (PET). Sie stellt mithilfe eines radioaktiv markierten Stoffs Stoffwechselvorgänge im menschlichen Körper dar. Da Tumorzellen einen besonders hohen Stoffwechsel haben, ist die PET gut geeignet, um Metastasen (auch sehr kleine) sichtbar zu machen.


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