Bänderriss: Konservative Behandlung oder Operation?

Veröffentlicht von: Till von Bracht (30. März 2016)

Bei einem Bänderriss beginnt die Therapie unmittelbar nach der Verletzung mit der Erstbehandlung. Sie folgt der sogenannten PECH-Regel: Pause, Eis, Compression, Hochlagern.

Erstmaßnahme PECH-Regel

Jede sportliche Aktivität sollte bei einem Verdacht auf einen Bänderriss sofort unterbrochen werden. Ist der Verletzte etwa beim Fußball umgeknickt und hat er Schmerzen im Bereich des Sprunggelenks, sollte er den Fuß nach Möglichkeit vollständig entlasten.

Außerdem empfiehlt es sich, das verletzte Gelenk hochzulagern. Das wirkt möglichen Einblutungen durch verletzte Blutgefäße sowie Schwellungen entgegen. Eine dosierte Kühlung des betroffenen Gelenks hemmt ebenfalls die Schwellung und lindert zudem die Schmerzen. Hierfür eignen sich etwa sogenannte Eis-Lollis oder Cool-Packs. Aber Vorsicht: Das Kühlen sollte gut dosiert erfolgen, da sonst die Gefahr von lokalen Erfrierungen besteht.

Falls möglich, empfiehlt es sich, einen Druckverband um das betroffene Gelenk anzulegen. Die Kompression ist wichtig, weil es nach der Kühlung zu einer gesteigerten Durchblutung kommt: Die erhöhte Durchblutung würde ohne die Kompression des Druckverbandes die Schwellung verstärken. Besonders empfehlenswert ist eine Kombination aus Kühlung und Druckverband. Hierfür eignen sich beispielsweise spezielle Kühlmanschetten.

Konservative Behandlung oder Operation?

Nachdem der Arzt die Diagnose Bänderriss gestellt hat, stehen ihm zwei Behandlungswege zur Verfügung:

  • Bei der konservativen Therapie werden die betroffenen Bänder durch eine Schiene sowie durch einen Stütz- oder Gipsverband entlastet und geschont.
  • Operation: Der Operateur strafft und näht das verletzte Band oder er ersetzt es durch eine körpereigene Sehne (sog. Bandplastik). Ist das Band an seinem Knochenansatz abgerissen, fixiert er es wieder an der ursprünglichen Stelle.

Das zentrale Ziel der Behandlung liegt darin, den Bänderriss auszuheilen und die Stabilität und Belastbarkeit des betroffenen Gelenks wiederherzustellen.

Welchen Behandlungsweg der Sportmediziner einschlägt, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab, unter anderem davon:

  • welches Gelenk vom Bänderriss betroffen ist
  • ob das betroffene Band teilweise oder vollständig gerissen ist
  • ob auch andere Teile des Gelenks, z.B. Knochen oder Knorpel verletzt wurden

Die Behandlung bei einem Außenbandriss am oberen Sprunggelenk

In der Therapie des Außenbandrisses ist heutzutage die konservative Behandlung das Mittel der Wahl. Zunächst unterstützen Kühlung und Lymphdrainage das Abschwellen des verletzten Gelenks. Eine Stabilitätsschiene (sog. Orthese) entlastet zudem die verletzten Außenbänder und stellt sie ruhig.

Nach einem Bänderriss dauert es allerdings einige Wochen, bis Betroffene das Gelenk wieder voll belasten dürfen. Der Verletzte sollte die Stabilitätsschiene nach Möglichkeit rund sechs Wochen ohne Unterbrechung tragen, also auch beim Schlafen. Die Stabilitätsschiene fixiert das Sprunggelenk und verhindert so ein erneutes Umknicken des Fußes. Im Anschluss dienen physiotherapeutische Übungen dem Muskelaufbau und der Stabilisierung des Gelenks.

Eine Operation eines Außenbandrisses kann insbesondere dann erforderlich sein, wenn zum Beispiel Teile des Knochens oder des Knorpels beschädigt wurden. Das gilt auch für Außenbandrisse, bei denen das Sprunggelenk ganz oder teilweise ausgerenkt ist (sog. Luxation).

Man sieht einen Fuß mit einer Schiene © Jupiterimages/PhotoDisc

Außenbandriss: Eine sogenannte Orthese entlastet die Bänder und stellt sie ruhig. Betroffene sollten eine solche Schiene etwa sechs Wochen tragen, bis sie den Fuß wieder voll belasten dürfen.

Die Behandlung bei einem Skidaumen

Bei einem Skidaumen – einem Bänderriss am Daumengrundgelenk – ist die Operation die Behandlungsmethode der Wahl. Der Operateur versorgt das verletzte Band, indem er es näht und eventuell wieder am Knochen fixiert. Kam es etwa durch den Bänderriss zu einem Abriss des Bandes vom Knochen, befestigt der Arzt das Band mit einem Draht oder einer Schraube. Danach stellt ein Gipsverband den Daumen bis zu sechs Wochen ruhig. Die anschließende Krankengymnastik dient der Mobilisierung des Gelenks und der Kräftigung der Muskulatur.

Ein nicht diagnostizierter oder nicht richtig behandelter und verheilter Skidaumen kann langfristig zu einem schmerzhaften Wackeldaumen führen. Das Gelenk bleibt infolge des Bänderrisses instabil. Auf Dauer besteht die Gefahr einer Arthrose. In einem solchen Fall lässt sich eine Operation oftmals nicht vermeiden. Der Operateur ersetzt dann das gerissene oder zerstörte Band durch eine sogenannte Bandplastik. Hierbei handelt es sich um ein Transplantat, das aus einer entbehrlichen Sehne des Unterarms gewonnen wird.

Die Behandlung bei einem Kreuzbandriss

Ist das vordere Kreuzband gerissen, besteht die Therapie in der Regel in einer Operation am betroffenen Band. Der Operateur ersetzt dabei das gerissene Band durch ein Sehnentransplantat. Er bringt das Transplantat während einer Kniegelenkspiegelung (Arthroskopie) im geschädigten oder zerstörten Bereich des Kreuzbands an und befestigt es mit Schrauben oder durch Einpressen an Oberschenkelknochen und Schienbein.

Nach der Operation dauert es sechs bis acht Monate, bis der Betroffene das Knie wieder voll belasten darf. In dieser Zeit steigert er mithilfe der Krankgengymnastik zunehmend die Belastung, kräftigt die Muskulatur und trainiert gezielt seine Koordinationsfähigkeit.

Reißt das hintere Kreuzband, kann eine konservative Therapie ausreichen. Der Verletzte erhält in diesem Fall eine spezielle Knieschiene, die er mindestens zwölf Wochen tragen muss. Wird der Kreuzbandriss allerdings erst Monate oder Jahre später erkannt – was aufgrund der oftmals fehlenden Symptome und Beschwerden häufig vorkommt – führt an einer Operation mit dem Einsatz einer Bandplastik kein Weg vorbei.