Bänderriss: Was ist das?

Veröffentlicht von: Till von Bracht (30. März 2016)

Bei einem Bänderriss reißen die Fasern eines Bandes ganz oder teilweise. Ein Bänderriss kann ein oder mehrere Bänder eines Gelenks betreffen. Den Bänderriss bezeichnen Sportmediziner auch als Bandruptur (Ruptur = Riss).

Grundsätzlich teilt man in der Medizin Verletzungen an den Bändern in drei Schweregrade ein:

  • Grad 1: die Bänderdehnung (Bänderzerrung)
  • Grad 2: den teilweisen Bänderriss
  • Grad 3: den vollständigen Bänderriss

Manche Bänder sind an einigen Stellen in der Gelenkkapsel verankert. Eine Gelenkkapsel umschließt ein Gelenk und verhindert, dass die Gelenkflüssigkeit austritt.

In vielen Fällen führt ein Bänderriss deswegen auch zu einer Verletzung der Gelenkkapsel. Aus diesem Grund sprechen Mediziner dann korrekterweise von einer Kapsel-Band-Verletzung.

Was sind eigentlich Bänder?

Bänder (fachsprachlich: Ligamente) bestehen aus Bindegewebe und verbinden die Knochen eines Gelenks miteinander – im Gegensatz zu Sehnen, die Muskeln mit Knochen zusammenkoppeln. Die Bänder des Knies (z.B. das Kreuzband) sind zum Beispiel daran beteiligt, den Oberschenkelknochen mit dem Schien- und Wadenbein zu verbinden.

Bänder erfüllen unterschiedliche Funktionen. Aufgrund der jeweiligen Funktion unterteilt sie der Sportmediziner in drei Kategorien:

  • Verstärkungsbänder: Zusammen mit der Gelenkkapsel stabilisieren Verstärkungsbänder das Gelenk und geben ihm Halt.
  • Führungsbänder sind an der Bewegungsführung beteiligt.
  • Hemmungsbänder schränken Bewegungen ein, damit ein Gelenk nicht überstreckt wird.

Teilweise oder vollständige gerissene Bänder sind nicht mehr in der Lage, ihre Funktion ausreichend zu erfüllen. Aus diesem Grund verliert das betroffene Gelenk beim einem Bänderriss in den meisten Fällen an Stabilität. Zusätzlich kann sich die Bewegungsfähigkeit des Gelenks einschränken.

Eine grafische Darstellung der Anatomie des Kniegelenks. © iStock

Das Kniegelenk ist ein äußerst kompliziertes Gelenk. Für die Stabilität sorgen unter anderem vier Bänder: zwei Kreuzbänder, das Innenband und das Außenband.

Häufigste Bänderrisse

Zu den häufigsten Bänderrissen zählen:

Darüber hinaus verletzen sich Sportler häufig am Innen- und Außenband des Kniegelenks. Aber auch an den Gelenken des Ellenbogens, der Hand oder der Schulter treten Bänderrisse auf.

Bänderriss im Sprunggelenk

Der Bänderriss im Sprunggelenk zählt zu der häufigsten Sportverletzung überhaupt. Das Sprunggelenk verbindet den Unterschenkel mit dem Fuß. Es besteht aus zwei Teilen: dem oberen und dem unteren Sprunggelenk.

In den meisten Fällen reißt das Außenband am oberen Sprunggelenk (sog. Außenbandriss). Das Außenband verbindet den Knöchel mit Teilen des Fußes, zum Beispiel mit dem Sprungbein und dem Fersenbein. Es ist ein Verbund aus drei kleineren Bändern: dem hinteren, mittleren und vorderen Außenband.

Ein Fuß, der umknickt © iStock

Umknicken ist die häufigste Ursache für einen Bänderriss im Sprunggelenk.

Ein Bänderriss im oberen Sprunggelenk wird meist durch ein Umknicken des Fußes nach außen verursacht: Der äußere Fußrand senkt sich dabei zu stark ab. Dies führt in der Folge dazu, dass die Außenbänder übernehnen (sog. Supinationstrauma). Gerade bei Sportarten wie Fußball oder Basketball ist das Risiko für einen Bänderriss erhöht. Die vielen ruckartigen und schnellen Bewegungen vergrößern die Gefahr für ein Umknicken mit dem Fuß. Ein stumpfer Hallenboden oder Löcher im Rasen steigern das Risiko zusätzlich.

Deshalb ist ein Bänderriss am oberen Sprunggelenk bei diesen Sportarten einer der häufigsten Gründe für eine verletzungsbedingte Sportpause. In vielen Fällen führt ein Supinationstrauma allerdings nicht zu schweren Folgen. Oftmals bleibt nur eine leichte Bänderdehnung zurück.

Pro Tag ist einer von 10.000 Sporttreibenden von einer Außenbanddehnung oder einem Außenbandriss betroffen. Basketballspieler sind besonders gefährdet. Ihr Risiko für eine Außenbandverletzung am Sprunggelenk ist bis zu sechsmal höher als bei anderen Sportlern.

Natürlich kann es auch unabhängig vom Sport im Alltag zu einem Bänderriss kommen. Beim Gehen über eine Bordsteinkante kann man beispielsweise schnell mit dem Sprunggelenk umknicken und sich einen Bänderriss zuziehen. Frauen, die Schuhe mit hohen Absätzen tragen, sind ebenfalls gefährdeter.

Ein Bänderriss des Innenbands am oberen Sprunggelenk tritt dagegen selten auf. Der Grund: Das Innenband ist ausgesprochen stabil. Zu einem Riss des Innenbands kann es kommen, wenn der Fuß nach innen umknickt: Der innere Rand des Fußes senkt sich dabei zu stark ab (sog. Pronationstrauma). Die Fußaußenkante hebt sich in einem solchen Fall zu stark, das Innenband reißt ganz oder teilweise. Ein Innenbandriss tritt meist zusammen mit einem Knochenbruch am Sprunggelenk auf (sog. Sprunggelenksfraktur).

Skidaumen

Was der Volksmund als "Skidaumen" bezeichnet, beschreiben Mediziner als einen Bänderriss des Seitenbands am Daumengrundgelenk (sog. ulnare Kollateralbandruptur). Das Daumengrundgelenk verbindet die Handknochen mit dem ersten Knochen des Daumens. Bei einem Skidaumen reißt das Seitenband des Daumengrundgelenks, das auf der Innenseite der Hand liegt (sog. ellenseitiges Seitenband).

Die Bezeichnung Skidaumen verdankt diese Form des Bänderrisses dem Umstand, dass die Verletzung meist als Folge eines Skiunfalls auftritt. Entweder, weil der Skifahrer bei einem Sturz auf den abgespreizten Daumen fällt, oder weil er mit dem Daumen in der Schlaufe eines Skistocks hängen bleibt. In beiden Fällen wird das Seitenband des Daumens überspreizt. Das Band wird überlastet und reißt ganz oder teilweise.

Die häufigste Skiverletzung ist der Skidaumen: Bei knapp 70 Prozent aller Skiunfälle reißt das Seitenband des Daumengrundgelenks. Keine andere Wintersportverletzung an der Hand (z.B. Handgelenkbruch) müssen Mediziner so oft operieren wie den Skidaumen.

Aber auch Fußballer, Handballer oder Volleyballer können von einem Skidaumen betroffen sein. Bei diesen Ballsportarten kann der Ball den Daumen treffen und ihn überspreizen. Darüber hinaus verletzen sich auch Kampfsportler das Seitenband des Daumgrundgelenks, wenn sie den Daumen beim Karate oder Kung Fu neben – und nicht unter – der Faust halten. Liegt der Daumen bei einem Schlag neben der Faust an, kann der Daumen bei Kontakt mit einem Gegner oder einem Übungsgerät überspreizen.

Das Bild zeigt einen Skifahrer, der stürzt. Der Skidaumen tritt vor allem nach Stürzen beim Skifahren auf. © Jupiterimages/Digital Vision

Bei einem Skidaumen reißt das Seitenband des Daumengrundgelenks. Diese Form des Bänderrisses tritt oft auf, wenn ein Skifahrer bei einem Sturz auf den abgespreizten Daumen fällt – daher die Bezeichnung Skidaumen.