Autismus: Therapie

Veröffentlicht von: Wiebke Raue (17. März 2016)

Welche Therapie bei Autismus-Therapie infrage kommt, ist individuell verschieden: Die Vorgehensweise richtet sich immer nach den einzelnen Autisten und ihren jeweiligen Einschränkungen, aber auch nach ihren Stärken. Allerdings zielt die Behandlung autistischer Menschen nicht darauf ab, sie zu heilen.

Eine Heilung des Autismus im klassischen Sinn ist nicht möglich – die Störung begleitet die Betroffenen trotz Therapie ihr Leben lang und schränkt sie mehr oder weniger besonders in ihrem Sozialleben ein.

Bei der Autismus-Therapie werden allgemein mehrere Ziele verfolgt:

  • die normale Entwicklung der Betroffenen fördern
  • Hilfe und Unterstützung im Umgang mit anderen Menschen bieten
  • eingefahrene (rigide) und sich wiederholende (stereotype) Verhaltensweisen abbauen
  • die Familie der Betroffenen unterstützen

Diese Ziele der Autismus-Therapie versuchen Psychiater, Psychologen und Pädagogen mit unterschiedlichen Methoden zu erreichen.

Verhaltenstraining

Ein Baustein der Autismus-Therapie ist das Verhaltenstraining, eine Methode der Verhaltenstherapie. Ein wichtiges Ziel dieser Behandlung besteht darin, dem Autisten zu helfen, Beziehungen mit anderen Menschen aufzubauen und mit diesen zu kommunizieren. Beim Verhaltenstraining findet in erster Linie das sogenannte Belohnungsprinzip Anwendung. Das bedeutet: Der Autist erhält für jedes erwünschte Verhalten eine Belohnung (sog. positive Verstärkung). Nimmt das autistische Kind beispielsweise Kontakt mit einem anderen Kind auf, bekommt es als Belohnung ein Lieblingsspielzeug oder es darf sich eine Aktivität aussuchen. Die Eltern sind in diese Form der Autismus-Therapie intensiv eingebunden – dadurch können sie ihr Kind auch in der häuslichen Umgebung bestärken und die Beziehung zu ihm verbessern.

Eine Mutter spricht mit ihrem traurig aussehenden Jungen. © Jupiterimages/Brand X Pictures

Das Kind soll in seiner Entwicklung so gut wie möglich gefördert werden.

Alternative Therapien

Bei Autismus kann die Therapie auch kreative Verfahren wie die Musiktherapie und Kunsttherapie umfassen. Auch Verfahren, bei denen Tiere therapeutisch zum Einsatz kommen, kommen infrage, beispielsweise die Reittherapie (Hippo-Therapie). Grundlegende wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit solcher Behandlungen fehlen noch – in Einzelfällen und im Rahmen eines vollständigen Behandlungsplans können aber für Menschen, die autistisch sind, hilfreich sein.

Mithilfe von Krankengymnastik und Logopädie können motorische Auffälligkeiten und Sprachstörungen verringert werden. Außerdem können Autisten – durch den Umgang mit unterschiedlichen Materialien – von einer Ergotherapie profitieren.

Elternarbeit

Für den Erfolg der Autismus-Therapie spielt nicht zuletzt die Elternarbeit eine große Rolle. Ist Ihr Kind autistisch, können Sie es nur dann wirksam fördern, wenn Sie seine Störung akzeptieren und auch verstehen. Viele Eltern fühlen sich durch den Autismus ihres Kindes stark belastet – sie können lernen, mit der Situation besser umzugehen, indem sie sich umfassend informieren und um Unterstützung kümmern. Schon allein das Wissen, dass ein ablehnendes Erziehungsversagen entgegen früheren Annahmen nichts mit der Entwicklung von Autismus zu tun hat, bedeutet für viele eine starke Entlastung.

Um das Kind optimal zu fördern, ist es wichtig, bei der Elternarbeit das richtige Maß zu finden – also das Kind nicht in seiner Entwicklung zu hemmen, es aber auch nicht zu überfordern: Je realistischer die gesteckten Behandlungsziele sind, desto eher erzielen Sie auch spürbare Fortschritte. Bei aller Elternarbeit ist es aber auch ratsam, dass Sie Ihr eigenes Wohlbefinden nicht aus den Augen verlieren: Nehmen Sie bei Bedarf Hilfe in Anspruch – etwa eine stundenweise Aufsicht oder eine Kurzpflegeeinrichtung für Ihr Kind –, wenn Sie etwas Zeit für sich brauchen!

Medikamente

Bisher stehen keine Medikamente zur Verfügung, die zuverlässig gegen die Hauptsymptome der Störung helfen. Daher kommen Medikamente bei Autismus nur zum Einsatz, um Begleiterscheinungen der autistischen Störung zu behandeln: So helfen zum Beispiel Neuroleptika und Benzodiazepine, starke Spannungszustände abzubauen und selbstverletzendes Verhalten zu begrenzen. Viele Autisten haben epileptische Anfälle, zu deren Behandlung ebenfalls Medikamente geeignet sind.


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