Autismus: Definition

Veröffentlicht von: Wiebke Raue (17. März 2016)

Autismus zählt zu den tiefgreifenden Entwicklungsstörungen. Die Entwicklung des Menschen ist dabei in verschiedenen Bereichen stark beeinträchtigt. Welches Ausmaß die Beeinträchtigung hat, kann sehr unterschiedlich sein.

Zwar ist bei Autismus das Spektrum der möglichen Störungen sehr breit. Dennoch haben Menschen, die an Autismus leiden, bestimmte Gemeinsamkeiten:

  • Ein Autist hat in der Regel Schwierigkeiten, Beziehungen mit anderen Menschen einzugehen,
  • ist in seiner Sprachentwicklung und Kommunikation beeinträchtigt und
  • zeigt sich immer wiederholende (stereotype) Verhaltensmuster und ist in seinen Aktivitäten und Interessen sehr eingeschränkt.

Historisches

Es war der Schweizer Psychiater Eugen Bleuler, der den Begriff Autismus (griech.: autos = selbst; ismos = Zustand) im Jahr 1911 einführte. Autisten waren seiner Meinung nach Menschen mit einer Schizophrenie, die stark selbstbezogen und sozial zurückgezogen lebten.

Erst im Jahr 1943 beschrieb der amerikanische Psychiater Leo Kanner Autismus als eigenständige Störung, die in der Kindheit beginnt. Damit grenzte er Autismus von der Schizophrenie ab. Das von Kanner beschriebene Störungsbild ist heute als frühkindlicher Autismus (bzw. Kanner-Syndrom) bekannt und steht meist für den in der Allgemeinheit verwendeten Begriff des Autismus.

Erst seit den 1980er Jahren ist Autismus allgemein als eigene Störung anerkannt.

Autismus-Formen

Autismus tritt in verschiedenen Formen auf, die sich in bestimmten Merkmalen voneinander unterscheiden:

  • Frühkindlicher Autismus (sog. Kanner-Syndrom): Dies ist eine der bekanntesten Autismus-Formen – spricht man landläufig von Autismus, ist meist frühkindlicher Autismus gemeint. Frühkindlich heißt die Störung, da sie sich immer vor dem 3. Lebensjahr bemerkbar macht. Etwa 2 bis 5 von 10.000 Kindern leiden unter frühkindlichem Autismus, wobei die Angaben zur Häufigkeit variieren. Jungen sind 3- bis 4-mal häufiger betroffen als Mädchen.
  • Asperger-Syndrom: Bei dieser meist erst im Schulalter auffallenden Autismus-Form sind die autistischen Züge milder ausgeprägt als beim frühkindlichen Autismus. Asperger-Autisten sind überwiegend Jungen. Etwa 3 von 10.000 Kindern leiden darunter.
  • Atypischer Autismus: Diese Störung ähnelt weitgehend dem frühkindlichen Autismus, setzt aber im Vergleich dazu später ein und / oder es treten nicht alle typischen Hauptmerkmale des frühkindlichen Autismus auf.

In der Praxis ist es nicht immer leicht, die einzelnen Formen voneinander abzugrenzen. Aus diesem Grund verwenden Mediziner heute auch den Oberbegriff "Autismus-Spektrum-Störung" (ASS), welcher inhaltlich alle Autismus-Formen umfasst.

Eine weitere tiefgreifende Entwicklungsstörung, die ebenfalls mit autistischen Zügen einhergeht, ist das Rett-Syndrom. Das Rett-Syndrom betrifft fast ausschließlich Mädchen. Erste Symptome treten etwa zwischen dem 6. Lebensmonat und dem 4. Lebensjahr auf. Die normale Entwicklung des Kindes kommt dabei zunächst zum Stillstand – danach bilden sich viele Fähigkeiten wieder zurück. Etwa eines von circa 15.000 Mädchen hat das Rett-Syndrom.

Eine Mutter kniet neben einem kleinen Mädchen © Jupiterimages/iStockphoto

Das Rett-Syndrom tritt fast nur bei Mädchen auf.


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