Akute Bronchitis

(Stand: 23. September 2009)

Die akute Bronchitis ist eine akute Entzündung der unteren Atemwege (wie den Bronchien), die meist im Rahmen einer Virusinfektion auftritt und unkompliziert verläuft

Hauptsymptom der akuten Bronchitis ist der mitunter quälende Husten. Zur Behandlung kann man schleimlösende Mittel einnehmen, gegen den Hustenreiz stehen medikamentöse Hustenstiller zur Verfügung. In Ausnahmefällen ist auch die Einnahme von Antibiotika notwendig. Komplikationen können durch den Übergang in eine Lungenentzündung oder chronische Bronchitis entstehen.

Bronchie
Darstellung der Lunge: Bronchien und Lappen

Akute Bronchitis: Definition

Die akute Bronchitis ist eine Entzündung der Schleimhäute in den unteren Atemwegen. Betroffen sind meistens die größeren Atemwege (Bronchien). Die Entzündung kann sich jedoch von der Luftröhre bis hin zu den kleinen Verästelungen der unteren Atemwege (Bronchiolen) ausbreiten. Vor allem Viren rufen eine akute Bronchitis hervor. Bakterien oder Umwelteinflüsse (Luftverschmutzung, Zigarettenrauch) können die Entstehung einer akuten Bronchitis aber auch begünstigen.

Häufigkeit

Die akute Bronchitis und andere akute Infektionen der Atemwege sind die häufigsten Erkrankungen überhaupt. Besonders im Frühjahr und im Herbst treten diese Krankheiten vermehrt auf.

Akute Bronchitis: Ursachen

Die akute Bronchitis kann unterschiedliche Ursachen haben: Häufigste Ursache ist der Befall mit Viren (ca. 90%). Bei Erwachsenen wird die Erkrankung meist durch Influenza- (Grippe), Parainfluenza-, Rhino- und Adenoviren ausgelöst. Kinder werden am häufigsten von sogenannten RS- (Respiratory Syncitial Virus), Adeno-, Coxsackie- und Echoviren befallen. Auch im Rahmen einer Erkrankung an Masern kann eine akute Bronchitis auftreten.

Eine akute Bronchitis durch Bakterien ist eher selten. Meist handelt es sich dabei um eine sogenannte Sekundärinfektion. Das bedeutet, Bakterien befallen die schon durch eine akute Virusinfektion geschädigte Bronchialschleimhaut. Ist es zu einer bakteriellen Bronchitis gekommen, sind bei Erwachsenen am häufigsten Infektionen mit Streptokokken, Haemophilus influenzae, Mykoplasma pneumoniae und Moxarella catarrhalis die Ursache. Bei Kleinkindern und Säuglingen sind Chlamydien am häufigsten. Eine akute Bronchitis kann darüber hinaus bei Keuchhusten auftreten.

Bei Patienten mit geschwächtem Immunsystem können in seltenen Fällen auch Pilze die Atemwege befallen und eine akute Bronchitis hervorrufen.

Akute Bronchitis: Symptome

Eine akute Bronchitis zeigt Symptome, die typischen Erkältungsbeschwerden entsprechen:

Der Husten ist bei einer akuten Bronchitis anfangs trocken, löst sich aber nach einigen Tagen. Das bedeutet, dass in den Atemwegen Schleim entsteht, der sich abhusten lässt (Auswurf). Haben Viren die akute Bronchitis verursacht, so ist der Schleim weißlich. Wenn Bakterien beteiligt sind, ist der Schleim hingegen eitrig und hat eine gelbe oder grünliche Farbe. Außerdem fühlen sich die Erkrankten dann meist auch deutlich schlechter und sollten spätestens jetzt den Hausarzt aufsuchen. Er kann in diesem Stadium beim Abhören von Lunge und Bronchien sogenannte "Rasselgeräusche" feststellen. Sie entstehen durch Schleim, der locker in den Atemwegen sitzt. Sitzt der Schleim fest, hört der Arzt eher ein Pfeifen über der Lunge.

Selten zieht sich eine akute Bronchitis länger hin. Durch das ständige Husten kann es dann zu kleineren, harmlosen Verletzungen der Schleimhäute in den Bronchien führen, und im abgehusteten Schleim sind vereinzelt Blutspuren sichtbar. Informieren Sie Ihren Arzt darüber, wenn Sie blutigen Schleim abhusten. Er wird dann entscheiden, ob zusätzliche Untersuchungen wie zum Beispiel das Röntgen der Lunge notwendig sind.

Akute Bronchitis: Diagnose

Klinische Untersuchung

Um die Diagnose "akute Bronchitis" zu stellen, muss der Arzt den Patienten meist nur ausführlich nach seinen Beschwerden befragen und die Lunge abhören. Zusätzlich untersucht er aber oft noch Ohren, Mund, Nase und Rachen und tastet den Hals nach geschwollenen Lymphknoten ab.

Laboruntersuchung

Bei Fieber und eitrig-gelbem Auswurf besteht der Verdacht, dass die akute Bronchitis durch Bakterien verursacht ist. Um herauszufinden, ob es sich tatsächlich um eine bakterielle Bronchitis handelt, nimmt der Arzt Blut ab. Im Labor werden die Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) und die Anzahl der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) bestimmt: Eine leichte Erhöhung der Blutsenkungsgeschwindigkeit und eine Verminderung der Anzahl weißer Blutkörperchen (Leukopenie) sprechen eher für einen Virusinfekt. Bei einer deutlichen Erhöhung der BSG und einer Vermehrung der weißen Blutkörperchen (Leukozytose) liegt wahrscheinlich eine bakterielle Infektion vor.

Bei schwereren Krankheitsverläufen der akuten Bronchitis lässt der Arzt Rachen- und Nasenabstriche sowie den abgehusteten Schleim im Labor auf Bakterien untersuchen. Auf diese Weise lässt sich feststellen, welches Bakterium die akute Bronchitis verursacht hat. Das ist wichtig, damit der Arzt für die Therapie ein Antibiotikum auswählen kann, das diesen Erreger am besten bekämpft.

Röntgen der Lunge

Wenn die Symptome nicht abklingen oder sich sogar verschlimmern, besteht der Verdacht, dass die akute Bronchitis in eine Lungenentzündung übergegangen ist. Ob diese Komplikation tatsächlich vorliegt, bestätigt eine Röntgenuntersuchung der Lunge. Wenn ein Patient blutigen Schleim abhustet, ist dies im Rahmen einer akuten Bronchitis meistens harmlos – in seltenen Fällen können andere Erkrankungen die Blutung auslösen; bei entsprechendem Verdacht ist dann auch eine Röntgenuntersuchung der Lunge sinnvoll.

Akute Bronchitis: Therapie

Eine leichte akute Bronchitis erfordert meist keine medikamentöse Therapie. Aber auch wenn Sie Medikamente einnehmen, sollten Sie die folgenden generellen Regeln beherzigen:

Medikamentöse Therapie

Schleimlösende Mittel (Mucolytica)

Mittel wie Acetylcystein und Ambroxol bewirken, dass sich festsitzender Schleim löst und der Patient ihn leichter abhusten kann. Acetylcystein steht unter anderem als Saft oder Tabletten zur Verfügung.

Schmerz- und Fiebermittel

Bei akuter Bronchitis mit hohem Fieber können Paracetamol oder Acetylsalicylsäure (ASS) das Fieber senken. Fieber ist allerdings eine natürliche Reaktion des Immunsystems auf einen Infekt. Man sollte es daher nicht sofort und um jeden Preis unterdrücken.

Hustenstiller

Liegt eine akute Bronchitis mit trockenem, lästigem Reizhusten vor, kann der Arzt codeinhaltige Medikamente oder Noscapin verschreiben. Solche "Hustenstiller" sind jedoch nur für Ausnahmefälle und einen kurzfristigen Gebrauch gedacht, denn sie unterdrücken den natürlichen Hustenreiz und verhindern damit das Abhusten des Schleims. Bei zu häufigem Gebrauch von hustenstillenden Medikamenten setzt sich der Schleim in den Bronchien fest und kann in seltenen Fällen eine Lungenentzündung auslösen.

Antibiotische Therapie

Eine akute Bronchitis muss nur selten mit Antibiotika behandelt werden. Eine antibiotische Therapie ist dann notwendig, wenn Bakterien beteiligt sind. Das erkennt der Arzt oft daran, dass es den Patienten schlecht geht, sie hohes Fieber haben oder eitrig-gelben Schleim abhusten. Auch wenn durch Laboruntersuchungen eine bakterielle Infektion nachgewiesen ist, kommen Antibiotika zum Einsatz. Geeignete Wirkstoffe sind zum Beispiel Aminopenicillin, Cephalosporine und Makrolide. Bei abwehrgeschwächten, älteren Menschen oder bei Personen mit schweren Grunderkrankungen ist eine antibiotische Therapie auch bei einer unkomplizierten akuten Bronchitis ratsam:

Antibiotische Therapie bei der unkomplizierten Bronchitis

Ältere Menschen und Patienten mit chronischen Erkrankungen wie einer HIV-Infektion haben eine geschwächte Immunabwehr. Deshalb werden sie auch bei viraler akuter Bronchitis mit einem Antibiotikum behandelt. Dies soll verhindern, dass eine zusätzliche Infektion (Sekundärinfektion) mit Bakterien entsteht, die bei immungeschwächten Menschen oft mit Komplikationen verläuft. Aus diesem Grund brauchen auch Menschen mit einer künstlichen Herzklappe bei akuter Bronchitis grundsätzlich eine antibiotische Therapie. Zusätzlich können bei diesen Patienten Bakterien über das Blut das Herz erreichen und sich an der künstlichen Herzklappe festsetzen.

Kortisontherapie bei Reizhusten

Anhaltender starker Reizhusten wird vor allem bei Personen, deren Bronchien bereits vorgeschädigt sind, mit Kortisonspray behandelt. Bei leichtem Reizhusten ist diese Therapie allerdings nicht nötig.

Akute Bronchitis: Verlauf

Bei gesunden und abwehrstarken Menschen heilt eine akute Bronchitis in der Regel folgenlos aus. Auch eine zusätzliche Infektion mit Bakterien (Sekundärinfektion) lässt sich in den meisten Fällen durch entsprechende Medikamente problemlos behandeln.

Komplikationen

Die akute Bronchitis verläuft meist ohne Komplikationen. Wenn Komplikationen auftreten, dann sind in erster Linie ältere und abwehrgeschwächte Menschen betroffen. Bei ihnen besteht die Gefahr, dass die akute Bronchitis in eine Lungenentzündung oder chronische Bronchitis übergeht. Selten kann sich bei Kleinkindern eine Bronchiolitis entwickeln, bei der sich die kleinsten Anteile der Atemwege (Bronchiolen) entzünden.

Ohne Komplikationen dauert eine akute Bronchitis nicht länger als acht bis zehn Tage. Bei längerem Krankheitsverlauf ist es ratsam, den Hausarzt aufzusuchen. Er wird die nötigen Untersuchungen durchführen, um ernstere Erkrankungen auszuschließen.

Akute Bronchitis: Vorbeugen

Allgemeine Maßnahmen

Maßnahmen, die einen sicheren Schutz gegen eine akute Bronchitis bieten, gibt es nicht. Eine gesunde Lebensführung, ausgewogene Ernährung, Verzicht aufs Rauchen und regelmäßige körperliche Betätigung stärken jedoch die Abwehrkräfte. Infektanfälligen Kindern, die immer wieder unter akuter Bronchitis leiden, hilft möglicherweise ein Kuraufenthalt.

Grippe-Schutzimpfung

Vor allem ältere Menschen (über 60 Jahre) und Patienten mit chronischen Lungen-, Herz-Kreislauf-, Leber- oder Nierenerkrankungen, Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) oder AIDS wird die Schutzimpfung gegen Grippe empfohlen. Auch gesunde Menschen, die aus beruflichen Gründen ein hohes Ansteckungsrisiko haben (z.B. medizinisches Personal), sollten sich impfen lassen.

Die Grippeviren verändern sich von Jahr zu Jahr. Deshalb muss die Schutzimpfung gegen Grippe jedes Jahr erneut durchgeführt werden.

Wer sollte sich impfen lassen?

Pneumokokken-Schutzimpfung

Von ebenso großer Bedeutung wie die Schutzimpfung gegen Grippeviren ist die Impfung gegen Pneumokokken. Pneumokokken sind Bakterien, die eine Lungenentzündung hervorrufen können. Die Impfung gegen Pneumokokken wird für Personen über 60 Jahre, für Säuglinge bis zum 24. Lebensmonat sowie für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die an einer schweren Grunderkrankung leiden, empfohlen.

Weitere Informationen

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Quellen:

Herold, G.: Herold Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2009

Rebhandel, E. et al.: Evidence based Medicine-Guidelines für Allgemeinmedizin. Deutscher Ärzte- Verlag, Köln 2007

Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft (Hrsg.): Evidenzbasierte Therapieleitlinien. Deutscher Ärzte-Verlag, Köln 2004

Leitlinien der Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie: Leitlinie: Akute Bronchitis. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 026/007 (Stand: Juli 1998)

Stand: 23. September 2009

Autor: Onmeda Redaktion

Medizinische Qualitätssicherung: Dr. med. Weiland, Dr. med. Waitz

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