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Asthma bronchiale: Therapie mit Medikamenten

Veröffentlicht von: Till von Bracht (11. Mai 2016)

Asthma bronchiale ist nicht heilbar – mit der richtigen Behandlung aber gut kontrollierbar. Der erste Therapie-Schritt ist es, die auslösenden Stoffe zu meiden. Außerdem können verschiedene Verhaltensweisen und Medikamente bei der Asthma-Therapie helfen.

Grundsätzlich unterscheidet man bei Asthma bronchiale zwischen

Die Bedarfsbehandlung umfasst zum Beispiel Medikamente, die ihre Wirkung rasch entfalten und deshalb bei akuten Beschwerden schnell helfen. Asthmatiker verwenden diese Medikamente bei Bedarf – also nicht nach einem festen Einnahmeschema.

Anders ist es bei der Langzeitbehandlung: Dazu gehören Medikamente, die die Betroffenen über einen längeren Zeitraum hinweg regelmäßig einnehmen beziehungsweise inhalieren. Sie sollen die Entzündung in den Atemwegen abschwächen, damit akute Beschwerden oder Anfälle erst gar nicht entstehen. 

Die langfristige Therapie des Asthma bronchiale besteht nicht nur aus Medikamenten – wichtig sind auch zusätzliche, nicht-medikamentöse Maßnahmen wie zum Beispiel Patientenschulungen, Sport und Atemgymnastik.


Medikamente

Um Asthma bronchiale mit Medikamenten zu behandeln, setzt man hauptsächlich zwei Arzneimittelgruppen ein:

  • bronchienerweiternde und
  • entzündungshemmende Medikamente.

Daneben gibt es noch weitere Medikamente, die zusätzlich oder alternativ verabreicht werden.

Bronchienerweiternde Medikamente

Die bronchienerweiternden Medikamente – auch Bronchodilatatoren genannt – lockern die verkrampfte Atemmuskulatur und erweitern dadurch die Atemwege. Dies ist vor allem bei einem akuten Asthmaanfall wichtig, wenn die Patienten durch die verengten Atemwege unter schwerer Atemnot leiden. In einer solchen Situation nimmt der Betroffene ein kurzwirksames Beta-2-Sympathomimetikum ein – zum Beispiel

Video: Bronchienerweiternde Medikamente – wie sie beim Atmen helfen

Kurzwirksame Beta-2-Sympathomimetika wirken bereits nach wenigen Minuten, ihre Wirkung hält allerdings nur etwa vier bis sechs Stunden an. Patienten mit belastungsabhängigen Asthma können diese Wirkstoffe auch vor dem Sport einnehmen, um einen akuten Asthmaanfall zu vermeiden. 

Generell gilt: Kurzwirksame Beta-2-Sympathomimetika sind Bedarfsmedikamente. Sie sollten möglichst selten und in geringer Dosis eingenommen werden. Müssen Erkrankte zu häufig auf diese Substanzen zurückgreifen, ist die Asthma-Therapie nicht optimal eingestellt. 

Weitere bronchienerweiternde Medikamente sind die sogenannten langwirksamen Beta-2-Sympathomimetika wie

Wie der Name schon sagt, hält die Wirkung dieser Substanzen etwas länger an – und zwar etwa zwölf Stunden. Allerdings wirken sie nicht sofort und sind damit nicht bei einem akuten Asthmaanfall geeignet. 

Langwirksame Beta-2-Sympathomimetika werden zur Dauerbehandlung eingesetzt. Der Arzt verschreibt diese Medikamente allerdings nur dann, wenn entzündungshemmende Medikamente (Kortikosteroide) allein nicht ausreichen, um die Asthma-Symptome zu lindern. Durch die Kombination von langwirksamen Beta-2-Sympathomimetika und Kortikosteroiden nimmt die Häufigkeit der Asthmaanfälle ab und die allgemeine Lebensqualität der Patienten verbessert sich.

Entzündungshemmende Medikamente

Kortikosteroide sind die wesentliche Komponente der Asthma-Dauertherapie. Entzündungshemmer können Asthma bronchiale zwar nicht heilen, sie behandeln aber die Schleimhaut-Entzündung als eigentliche Ursache des Asthmas. Wirkstoffe aus der Gruppe der Kortikosteroide bewirken, dass die Schwellung und Schleimbildung in den Atemwegen zurückgeht. Zu diesen Wirkstoffen gehören zum Beispiel

Was bewirken Kortikosteroide eigentlich in unserem Körper? Die Antwort erfahren Sie in unserem Video!

In der Regel atmen Asthmatiker die Kortikosteroide mithilfe eines Asthmasprays regelmäßig ein (inhalieren) – so erreichen die Wirkstoffe den Zielort direkt und mit möglichst wenigen Nebenwirkungen. Bekommt man das Asthma damit nicht mehr "in den Griff", können diese Wirkstoffe auch als Tabletten eingenommen werden.

Oft vernachlässigen Betroffene die wichtige Dauertherapie, sobald sie sich beschwerdefrei fühlen. Aber die Entzündung in den Atemwegen bildet sich erst nach Wochen bis Monaten zurück. Eine gute und regelmäßige Therapie mit einem Kortison-Spray kann die Lungenfunktion langfristig normalisieren.

Weitere Medikamente

Neben Kortikosteroiden und Beta-2-Sympathomimetika kommen auch andere Wirkstoffe beziehungsweise Arzneimittelgruppen zusätzlich oder alternativ infrage.

Reagieren Erkrankte zum Beispiel allergisch auf Beta-2-Sympathomimetika, ist der Wirkstoff Ipratropiumbromid eine mögliche Alternative. Wirkstoffe aus der Gruppe der Xanthinderivate (z.B. Theophyllin) erweitern ebenfalls die Bronchien, allerdings liegen die wirksame und die schädliche Dosis nahe beieinander. Daher sollte während der Einnahme regelmäßig die Wirkstoffmenge im Blut kontrolliert werden.

Die Wirkstoffe

machen die sogenannten Mastzellen in der Bronchialschleimhaut weniger empfindlich. Mastzellen sind Zellen des Immunsystems, die an Entzündungsreaktionen beteiligt sind. Cromoglicinsäure oder Nedocromil werden jedoch nur noch selten eingesetzt.

Antileukotriene (wie der Wirkstoff Montelukast) gewinnen dagegen zunehmend an Bedeutung. Sie richten sich gegen die Leukotriene – das sind Botenstoffe, die ebenfalls an Entzündungsreaktionen der Bronchialschleimhaut beteiligt sind. Bei Erwachsenen empfiehlt man Antileukotriene in der Langzeittherapie des mittel- bis schwergradigen Asthmas (in Kombination mit Kortikosteroiden). Aktuelle Studien deuten allerdings darauf hin, dass eine Kombination von langwirksamen Beta-2-Sympathomimetika und Kortikosteroiden wirksamer ist als eine Kombination von Antileukotrienen und Kortikosteroiden.

Bei Kindern zwischen 2 und 14 Jahren ist Montelukast auch ohne diese Kombination zugelassen. Dies ist allerdings nur dann sinnvoll, wenn Kinder keine Kortikosteroide inhalieren können oder wenn Nebenwirkungen der Kortikosteroide eintreten – ansonsten sind Kortikosteroide das Mittel der Wahl. 

Beim leichten bis mittelschweren allergischen Asthma bronchiale unterstützt in manchen Fällen eine Hyposensibilisierung die Asthma-Therapie. Der Körper gewöhnt sich dabei durch regelmäßige Gaben von Allergenen an die asthmaauslösenden Stoffe.

Ein neuer Therapieansatz bei schwerem allergischem Asthma ist eine Zusatztherapie mit einem Antikörper gegen das vom Immunsystem ausgeschüttete Immunglobulin E (IgE). Ziel dieser Anti-IgE-Therapie ist es, die IgE-Konzentration im Blut zu reduzieren. Ein Arzt spritzt dem Asthmatiker dabei den Wirkstoff Omalizumab ein- bis zweimal pro Monat unter die Haut. Bei Kindern und Jugendlichen unter 6 Jahren ist diese Asthma-Therapie aber nicht zugelassen.

Treuer Begleiter: das Asthmaspray

Bronchienerweiternde und entzündungshemmende Wirkstoffe gegen die Asthma-Symptome gibt es als Asthmaspray zum Einatmen (zur Inhalation) oder als Kapsel beziehungsweise Tablette zum Einnehmen. Wenn möglich, sollte man die Einnahme mit einem Asthmaspray bevorzugen. Anstatt über den Blutweg – wie bei Kapseln oder Tabletten – gelangt der Wirkstoff beim Inhalieren direkt über die Bronchien an den Entzündungsherd. Dies führt sowohl zu einer gezielteren Therapie als auch zu geringeren Nebenwirkungen.

Mittlerweile gibt es inhalative Kombinationspräparate – das heißt das Asthmaspray enthält sowohl bronchienerweiternde als auch entzündungshemmende Wirkstoffe (z.B. Formoterol mit Budesonid oder Salmeterol mit Fluticason). Die Asthma-Therapie wird dadurch für die Betroffenen einfacher, da sie nur noch ein Inhalationsgerät benötigen.

Im Wesentlichen finden sich zwei Inhalationsverfahren:

  • Dosieraerosole: Der Wirkstoff ist in vielen kleinen Tröpfchen gelöst, die der Asthmatiker einatmet. Sogenannte Spacer können als Inhalationshilfe dienen, damit das Asthmaspray leichter in die Lunge gelangt.
  • Trockenaerosole: Der Asthmatiker atmet ein Pulver mit dem Wirkstoff ein. Das Medikament befindet sich in einem sogenannten Diskus oder Diskhaler.

Die Inhalationstechnik ist bei den einzelnen Verfahren unterschiedlich und muss vom Betroffenen erlernt werden. Bei Kindern und Schwangeren mit Asthma bronchiale ist besondere Sorgfalt geboten – hier wägen Betroffene (bzw. die Eltern) gemeinsam mit dem Arzt besonders genau die Vor- und Nachteile des Asthmasprays ab und klären, ob spezielle Vorsichtsmaßnahmen nötig sind.



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