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Stand: 13. Dezember 2011Autor: Onmeda-RedaktionMedizinische Qualitätssicherung: Dr. med. Weiland, Dr. med. Waitz
Man nimmt an, dass mehrere Faktoren ein Asperger-Syndrom begünstigen. Die genauen Ursachen sind jedoch bislang nicht abschließend geklärt.
Eine große Rolle spielt eine genetische Komponente: Das Asperger-Syndrom tritt in einigen Familien gehäuft auf. Wissenschaftler vermuten, dass bis zu 20 Gene an der Entstehung von tiefgreifenden Entwicklungsstörungen wie das Asperger-Syndrom beteiligt sind. Darüber hinaus haben wahrscheinlich noch andere Faktoren Einfluss an der Entstehung des Asperger-Syndroms, so insbesondere neurologische und biochemische Auffälligkeiten, die das Verhalten von Asperger-Betroffenen teilweise erklären.
Die Fähigkeit, jemandem eigene Bedürfnisse und Gefühle zu vermitteln, sich in andere Menschen hineinzuversetzen und deren Gedanken und Gefühle nachvollziehen zu können, wird von Neurowissenschaftlern auch als Theory of Mind bezeichnet. Personen, die von einem Asperger-Syndrom betroffen sind, weisen hier erhebliche Defizite auf. So können sie beispielsweise Mimik, Gestik oder Tonfall einer anderen Person nur schwer oder gar nicht deuten. Es fehlt ihnen die Fähigkeit, sich vorzustellen, dass andere Personen eigene Gedanken und Gefühle haben. Zudem können sie die Gedanken und Gefühle anderer nicht nachvollziehen (mangelnde Empathiefähigkeit). Offenbar spielen hier verschiedene Hirnareale eine Rolle. So ist die Aktivität in bestimmten Bereichen des präfrontalen Cortex, die für die Empathiefähigkeit wichtig sind, bei Asperger-Patienten vermindert.
Aber auch eine andere Region im Gehirn scheint für das mangelnde Einfühlungsvermögen von Asperger-Betroffenen mitverantwortlich zu sein: der Mandelkern (Amygdala). Der Mandelkern befindet sich im sogenannten limbischen System des Gehirns und reguliert unter anderem emotionale Reaktionen. Der Mandelkern zeigt bei Menschen mit Asperger-Syndrom Auffälligkeiten, ebenso ein Bereich im Temporallappen, der die Wahrnehmung und Erkennung von Gesichtern steuert ("Fusiform Face Area").
Darüber hinaus sind die sogenannten Spiegelneuronen von Bedeutung: Spiegelneuronen werden spontan aktiv, wenn eine Person eine andere bei einer Tätigkeit beobachtet. Im Hirn des Beobachters werden Nervenzellen (Neuronen) erregt, die die gleichen Reize auslösen, als würde der Beobachter selbst die Tätigkeit ausüben. Vermutlich ist das Spiegelneuronen-System bei Personen mit Asperger-Syndrom beeinträchtigt.
Die Fähigkeit, Dinge in einen Gesamtzusammenhang einzubetten, bezeichnen Psychologen auch als zentrale Kohärenz. Menschen mit Asperger-Syndrom haben Probleme damit: Sie können die Umwelt nicht als Ganzes wahrnehmen. Bildlich gesprochen sehen sie lauter einzelne Bäume, können darin aber keinen Wald erkennen. Vielmehr neigen die Betroffenen zu einer selektiven, detaillierten Wahrnehmung, das heißt, sie interessieren sich sehr für Details und fokussieren sich auf einzelne Objekte oder Situationen – können aber keinen Zusammenhang herstellen. Sie sehen sprichwörtlich "den Wald vor lauter Bäumen nicht". Die genauen Ursachen für dieses Phänomen sind bisher allerdings unbekannt.
Viele Menschen mit Asperger-Syndrom haben Probleme damit, Handlungen zu planen und umzusetzen (sog. exekutive Funktionen). Sie sind nicht flexibel, das heißt: Passiert etwas Unvorhergesehenes, können sie darauf nicht angemessen reagieren und spontan nach einer anderen Lösung suchen, sondern halten stur an ihren Regeln fest. Möglicherweise liegt die Ursache in Veränderungen im präfrontalen Cortex im Gehirn.
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