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Arthrose (Gelenkverschleiß)

Knorpelersatztechniken

Stand: 24. Januar 2012Autor: Onmeda-RedaktionMedizinische Qualitätssicherung: Dr. med. Weiland, Dr. med. Waitz

Bei Arthrose (Gelenkverschleiß) stehen verschiedene Arten von Knorpelersatztechniken zur Verfügung: Dabei soll gesunder Knorpel den abgenutzten Knorpel im Gelenk "ersetzen".

Bei sehr tiefen und großflächigen Knorpelschäden zeigen diese Methoden jedoch keinen Erfolg. Sie kommen in der Praxis vor allem bei kleineren Knorpelschäden, etwa als Folge von Unfällen zum Einsatz. Zur Behandlung einer Arthrose sind sie eher weniger gebräuchlich. Wenn, sind mit diesen Methoden vor allem beginnende Arthrosen behandelbar.

Mikrofrakturierung

Die sogenannte Mikrofrakturierung soll das Gelenk anregen, selbst neuen Knorpel zu bilden. Dazu trägt der Arzt im Rahmen einer Gelenkspiegelung (Arthroskopie) den geschädigten Gelenkknorpel bis an die Grenzschicht zum Knochen ab. Anschließend bohrt er in einem regelmäßigen Abstand zirka drei Millimeter tiefe Löcher – der Arzt erzeugt also künstliche Defekte. Aus diesen Bohrlöchern tritt zunächst ein Blutpfropf (sog. Blutkoagel) aus, welcher Zellen enthält, aus denen sich neuer Knorpel über die Gelenkfläche hinweg entwickeln kann. Um den neu entstehenden Knorpel zu schützen, müssen Betroffene das Gelenk für mindestens sechs Wochen entlasten. Falls sie zur Behandlung einer Arthrose erwogen wird, eignet sich die Mikrofrakturierung vor allem für eine beginnende Arthrose.

Abrasions-Arthroplastik

Bei einer Arthrose im Knie kann die sogenannte Abrasions-Arthroplastik zum Einsatz kommen. Hierbei fräst der Arzt zunächst mithilfe einer Arthroskopie die oberste Knochenschicht am Gelenk an. Es entstehen Blutungen aus dem intakten Knochen heraus, welche die körpereigenen Reparaturvorgänge anregen. Durch die Stimulation des Knochenmarks entsteht neuer Faserknorpel. Nach etwa vier Wochen hat sich auf diese Weise ein neuer Gelenküberzug gebildet, der aber weniger belastbar ist als der ursprüngliche Knorpel.

Pridie-Bohrung

Die Pridie-Bohrung ist der Abrasions-Arthroplastik sehr ähnlich. Um die Arthrose zu behandeln, setzt der Arzt am Knochen unter dem schadhaften Knorpel punktförmige Verletzungen und regt so die Bildung von Faserknorpel an.

Karbonfaserstift-Implantation

Die Implantation von Karbonfaserstiften dient der Behandlung einer Kniearthrose. Hierbei bohrt der Chirurg feine Kanäle in den geschädigten Gelenkbereich und setzt dort Stifte aus Kohlefaser (Karbonfaser) ein. Die Karbonfaserstifte regen das Wachstum von Bindegewebszellen in der Tiefe an, sodass sich nach einiger Zeit am Fasergerüst des Stifts eine neue Knorpeloberfläche bildet.

Mosaikplastik

Bei der Mosaikplastik entnimmt der Arzt zunächst unbeschädigten Knorpel an einer Stelle, an der er normalerweise nicht gebraucht wird (etwa am Rand des Oberschenkelknorpels). Dieser wird dann bei Arthrose als Ersatz für zerstörten Knorpel in das betroffene Gelenk eingesetzt. Die Knorpelstücke haben eine Zylinderform und bis zu einem Zentimeter Durchmesser. Stück für Stück – mosaikartig – lassen sich so kleinere Defekte des Gelenkknorpels behandeln. In der Regel kommt diese Methode vor allem bei Knorpelschäden infolge von Unfällen zum Einsatz, zur Therapie einer Arthrose dagegen nur in Einzelfällen.

Körpereigene Knorpelzellen-Transplantation

Bei der körpereigenen Knorpelzellen-Transplantation (autologe Chondrozyten-Transplantation, ACT) "spendet" sich der Betroffene selbst intakten Knorpel. Hierfür entnimmt der Arzt zunächst in einem operativen Eingriff Knorpelzellen an einer intakten Stelle. Über einen Zeitraum von sechs Wochen werden diese Zellen in einem Labor in einer Nährlösung vermehrt und im zweiten operativen Schritt in das geschädigte Gelenk transplantiert.

Um den gezüchteten Knorpel im Gelenk platzieren zu können, näht der Chirurg zunächst eine Kollagen-Membran (Kollagen-Matrix) oder (seltener) ein vom Unterschenkel entnommenes Knochenhautstück (Periost-Lappen) in den defekten Bereich ein. Unter diese Schutzhaut spritzt er anschließend die Zellen ein. Diese beginnen dann neuen Gelenkknorpel zu bilden.

Alternativ kann man die Knorpelzellen schon im Labor auf die Kollagen-Membran auftragen und vermehren und diese später einnähen. Ein Periost-Lappen muss dann nicht entnommen werden. Auch das Auffüllen des Defekts mithilfe auf einer Kollagen- oder Fibrin-Matrix gezüchteter Knorpelzellen (ohne Einnähen) ist möglich.

Die Transplantation körpereigener Knorpelzellen ist vor allem für Patienten unter 65 Jahren geeignet oder für die Behandlung einer Arthrose, die noch nicht so weit fortgeschritten ist. In der Praxis wird diese Methode jedoch hauptsächlich bei kleineren Knorpelschäden (etwa als Folge eines Unfalls) eingesetzt. Wie sich eine Knorpelzellen-Transplantation auf lange Sicht bei Arthrose-Patienten auswirkt, muss sich erst noch durch Studien erweisen.

Weiterlesen: Arthrose (Gelenkverschleiß): Therapie – Arthrose und Ernährung

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