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Blutdruckmessung

Historisches

Stand: 30. Januar 2012Autor: Onmeda-Redaktion

Bis weit in das 19. Jahrhundert hinein konnte man den Blutdruck nur direkt bestimmen, das heißt durch Einführen von Messsonden in große Körperarterien beziehungsweise Venen. Diese "blutige" Methode war für die Betroffenen mit Ängsten, Beschwerden und bestimmten Risiken wie Infektionen verbunden. Erst die Entwicklung der "unblutigen" Verfahren erlaubte es, den Blutdruck einfach und ohne Risiko zu bestimmen.

Frühe Blutdruckgeräte dieser Art waren zum Beispiel die modifizierten Pulsmesser des Physiologen Karl Vierodt (1818 bis 1884) und des Pathologen Samuel Siegfried von Basch (1837 bis 1905). Der Italiener Riva-Rocci (1863 bis 1937) schuf dann den Prototypen des modernen Blutdruckmessgeräts. Deshalb spricht man heutzutage von dem Blutdruck nach "RR" (Riva-Rocci), wenn im ärztlichen Alltag vom Blutdruck die Rede ist. Heute ist der jederzeit messbare Blutdruck zu einem wichtigen Maß für Krankheiten geworden.

Riva-Rocci war ein italienischer Kinderarzt, der Ende des 19. Jahrhunderts eine völlig neue Methode der Blutdruckmessung entwickelt hat. Damit war es ihm möglich, den Blutdruck des Patienten von außen zu messen. Bis dahin war es üblich, den Blutdruck direkt in den Blutgefäßen zu ermitteln, um mögliche Herz-Kreislauf-Erkrankungen festzustellen. Diese "blutige" Methode war für die Patienten jedoch recht schmerzhaft und zudem bestand ein hohes Infektionsrisiko.

Riva-Rocci tüftelte deshalb eine neue, "unblutige" Methode zur indirekten Blutdruckmessung aus, die er 1896 in einem Fachartikel beschrieb. Der dafür notwendige Mess-Apparat bestand aus einer Art Fahrradschlauch, den er als Oberarmmanschette benutzte, aus einem Gummiballon zum Aufblasen der Manschette sowie aus einem Quecksilberbarometer, mit dem er den Druck in der Armarterie maß. Durch Betasten der Pulsader an der Handwurzel (Pulsus radialis) prüfte Riva-Rocci während der Blutdruckmessung, wie der Puls – abhängig vom Blutdruck – bei steigendem (systolischem) Druck verschwand. Anfangs stieß diese neue Methode in Medizinerkreisen auf Ablehnung – setzte sich aber letztlich doch durch. Das Messprinzip findet sich auch heute noch in den modernen Geräten zur Blutdruckmessung wieder, doch folgten technische Verbesserungen.

Im Jahr 1905 verbesserte der russische Militärarzt Sergejewitsch Korotkow (1874 bis 1920) die von Riva-Rocci angegebene Methode, indem er das Stethoskop zur Blutdruckmessung einsetzte. Dabei sind die typischen Korotkow'schen Geräusche, zu hören. Diese kommen dadurch zustande, dass das Blut in der Arterie verwirbelt wird – die Bewegungsgeräusche sind dann durch das Stethoskop hörbar. Ab Ende der 1920er Jahre waren Blutdruckmessgeräte nach dem "System Riva-Rocci" nicht nur in Krankenhäusern, sondern auch in ärztlichen Praxen anzutreffen.

1968 kam erstmals ein vollautomatisches Blutdruckmessgerät als Vorläufer der modernen 24-Stunden-Blutdruckgeräte zum Einsatz. Seit 1976 gibt es handliche, leicht zu bedienende elektronische Selbstmessgeräte, mit denen man seinen Blutdruck auch ohne Arzt messen kann. Seit 1989 sind Geräte zur Blutdruckmessung am Zeigefinger und seit 1992 elektronische Blutdruckmessgeräte mit Handgelenkmanschette zur Blutdruckmessung am Handgelenk verfügbar.

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