Anzeige

Anzeige

Aphthen: Schmerzhafte Stellen im Mund

Veröffentlicht von: Wiebke Raue (15. August 2017)

© iStock

Aphthen sind runde oder ovale Schleimhautschäden, die meist im Mund zu finden sind. Sie heilen zwar fast immer ohne Folgen wieder ab. Jedoch können Aphthen das Wohlbefinden erheblich beeinträchtigen, insbesondere, wenn sie immer wiederkehren. Gelegentlich sind Aphthen auch im Genitalbereich zu finden. 

Sie sind meist harmlos – aber ganz schön schmerzhaft: Aphthen zählen zu den häufigsten Krankheiten der Mundschleimhaut. Sie können einmalig oder immer wiederkehrend auftreten. Schätzungen zufolge hat etwa jeder Fünfte mindestens einmal in seinem Leben eine Aphthe.

Was sind Aphthen?

Aphthen (fälschlicherweise auch: "Aphten") sind schmerzhafte, oberflächliche Schädigungen der Schleimhaut. Sie kommen meist im Mund vor, zum Beispiel an der Zunge, können aber auch auf der Genitalschleimhaut entstehen. Eine Aphthe ist in der Regel rund oder oval und übersteigt meist nicht den Durchmesser einer Linse. In Einzelfällen kann sie jedoch bis zu drei Zentimeter groß werden.

Einzelne und immer wiederkehrende Aphthen

Treten Aphthen über Jahre bis Jahrzehnte hinweg immer wieder auf, bezeichnen Ärzte diese als habituelle (habituell = gewohnheitsmäßig, öfter auftretend) oder chronisch rezidivierende Aphthen. An habituellen, also immer wiederkehrenden Aphthen leiden vorwiegend Frauen.

Von solitären Aphthen (lat. solitarius = einzeln, allein) sprechen Mediziner dagegen, wenn es sich nur um eine einzelne Aphthe handelt oder wenn nur wenige Aphthen zu finden sind, die nicht wiederkehren.

Aphthen: Was sind die Ursachen?

Aphthen können viele Ursachen haben – in den meisten Fällen bleibt jedoch ungeklärt, wie die schmerzhaften Schleimhautschäden im Mundraum entstanden sind.

Ursachen immer wiederkehrender Aphthen

Die Ursache für immer wiederkehrende Aphthen (sog. habituelle oder chronisch rezidivierende Aphthen) ist nicht bekannt. Die schmerzhaften Schleimhautreaktionen sind möglicherweise auf eine Immunreaktion des Körpers zurückzuführen, deren Entstehung unklar ist. Meist sind die Betroffenen ansonsten gesund und es ist keine konkrete Ursache für die Aphthen zu erkennen. In manchen Fällen scheinen jedoch bestimmte Einflüsse die Wahrscheinlichkeit für Aphthen zu erhöhen. Diskutiert werden auslösende oder begünstigende Faktoren wie:

  • Eisenmangel, Mangel an Folsäure, Vitamin B12 oder Zink
  • Empfindlichkeit gegen bestimmte Nahrungsmittel, z.B. Nüsse, Tomaten, Alkohol, Zitrusfrüchte
  • genetische Faktoren: Habituelle Aphthen kommen familiär gehäuft vor.
  • ein schwankender Hormonhaushalt, z.B. im Rahmen des Menstruationszyklus
  • psychische Belastungen
  • kleine mechanische Verletzungen im Mund, z.B. durch schlecht sitzenden Zahnersatz, Bissverletzungen oder nach einem Zahnarztbesuch durch verwendete Instrumente

Dass Viren oder Bakterien die Ursache sein könnten, wurde zwar diskutiert, jedoch bislang nicht belegt.

Eine Aphthe an der Unterlippe: In den meisten Fällen sind die Ursachen von Aphthen ungeklärt. © iStock

In den meisten Fällen sind die Ursachen von Aphthen ungeklärt.

Aphthen können auch im Rahmen von anderen Erkrankungen auftreten. Hierzu zählen zum Beispiel:

Menschen mit einer HIV-Infektion leiden häufiger unter wiederkehrenden Aphthen. Zudem können bestimmte Medikamente (z.B. entzündungshemmende Präparate) Aphthen begünstigen.

Ursachen anderer Formen von Aphthen

Die Ursachen einzeln auftretender, nicht wiederkehrender Aphthen (sog. solitäre Aphthen) sind vielfältig. Mögliche Auslöser sind:

  • akute Infekte
  • Medikamente
  • Verletzungen im Mund
  • Störungen im Magen-Darm-Bereich

Sogenannte bednarsche Aphthen entstehen an der Mundschleimhaut von Säuglingen. Diese Aphthen sind die  Folge von kleinen Verletzungen, die zum Beispiel durch das Saugen an der Flasche entstehen. Sie treten meist im Bereich des harten Gaumens auf.

Manchmal entstehen Aphthen an der Zungenunterfläche oder am Zungenbändchen von kleinen Kindern, wenn diese häufig mit herausgestreckter Zunge husten – so zum Beispiel bei Keuchhusten (sog. Keuchhustengeschwür oder auch Fede-Riga-Aphthe). In diesem Fall ist eine mechanische Reizung die Ursache.

Woran erkennt man Aphthen?

Aphthen sind schmerzhafte Stellen im Mund, die in der Regel kreisrund oder oval sind. Erste Symptome einer Aphthe sind oft Missempfindungen wie Brennen oder Spannen an der betroffenen Stelle, entweder im Mund oder im Genitalbereich. Nach etwa 24 Stunden rötet sich die Stelle und es entwickelt sich ein flacher Schleimhautdefekt mit einem gelb- bis grauweißen Belag aus Fibrin, einem faserigen Eiweiß, das bei der Blutgerinnung entsteht. Die Aphthe ist meist von einem entzündlichen roten Hof umgeben.

Aphthen befinden sich

  • auf der Schleimhaut der Mundhöhle,
  • auf der Zunge (v.a. am Zungenrand),
  • auf den weichen Teilen des Gaumens oder
  • auf dem Zahnfleisch (Gingiva).

Seltener sind Aphthen nicht im Mund, sondern auf der Schleimhaut im Genitalbereich zu finden.

Die Größe der Aphthen kann variieren – von der Größe eines Stecknadelkopfs bis hin zu Aphthen, die einen Durchmesser bis zu drei Zentimetern aufweisen.

Aphthen können an verschiedenen Stellen im Mund auftreten, so etwa auf der Zunge. Die Schleimhaut der Genitalien kann ebenfalls betroffen sein. © iStock

Aphthen können an verschiedenen Stellen im Mund auftreten, so etwa auf der Zunge. Die Schleimhaut der Genitalien kann ebenfalls betroffen sein.

Wiederkehrende Aphthen

Immer wiederkehrende, sogenannte habituelle Aphthen (auch: chronisch rezidivierende Aphthen) zeichnen sich dadurch aus, dass sie über Jahre bis Jahrzehnte hinweg in Intervallen von Wochen bis Monaten erneut auftreten. Oft befinden sich dabei mehrere schmerzhafte Aphthen gleichzeitig im Mund. Meist sind sie nicht größer als ein Stecknadelkopf, sie können aber auch deutlich größer sein.

Mediziner unterscheiden drei Haupttypen der habituellen Aphthen:

  • Minor-Typ: Etwa 8 von 10 aller Personen mit habituellen Aphthen leiden unter dem Minor-Typ. Er zeichnet sich durch wenige, flache Schleimhautdefekte im Mund oder im Genitalbereich aus. Die Aphthen sind in der Regel im Durchmesser kleiner als 3-5 mm und heilen ohne Narben nach etwa 5-7 Tagen wieder ab.
  • Major-Typ: Beim seltenen Major-Typ entstehen tiefere Schleimhautdefekte und die Aphthen sind größer als beim Minor-Typ – sie können einen Durchmesser von bis zu 3 cm aufweisen. Die Betroffenen fühlen sich häufig krank, leiden unter geschwollenen Lymphknoten oder haben Fieber. Aphthen vom Major-Typ hinterlassen häufig Narben und benötigen eine längere Heilungszeit.
  • Herpetiformer Typ: Dieser Typ (herpetiform = herpesartig) ist sehr selten. Betroffene leiden unter sehr vielen kleinen (Durchmesser unter 3 mm), schmerzhaften Aphthen (bis zu 100 Stück), die über den gesamten Mund verteilt sind.

Aphthen: Diagnose

Um herauszufinden, ob es sich tatsächlich um Aphthen handelt, inspiziert der Arzt zunächst den Mundraum oder, wenn die Beschwerden dort auftreten, den Genitalbereich. In der Regel erkennt der Arzt Aphthen an ihrem typischen Aussehen, sodass die körperliche Untersuchung für die Diagnose oft ausreicht.

Nur in Einzelfällen sind weitere Untersuchungen nötig. Wenn Aphthen immer wiederkehren oder besonders groß sind, wird der Arzt prüfen, ob eine bestimmte Erkrankung die Ursache ist. So ist es beispielsweise möglich, dass Aphthen im Rahmen von Krankheiten wie etwa Morbus Behçet auftreten. Im Zusammenhang mit Keuchhusten können Aphthen durch mechanische Reizung entstehen, wenn kleine Kinder mit herausgestreckter Zunge husten.

Zudem kann es nötig sein, andere Krankheiten, die dem Erscheinungsbild von Aphthen sehr ähnlich sind, auszuschließen, so zum Beispiel Herpes simplex, die Hand-Mund-Fuß-Krankheit oder Maul- und Klauenseuche.

Wenn Sie häufig unter immer wiederkehrenden Aphthen leiden oder eine Aphthe länger als sechs Wochen bestehen bleibt, sollten Sie Ihren Arzt aufsuchen.

Aphthen: Behandlung

Meist bedürfen Aphthen keiner speziellen Behandlung und heilen von allein wieder ab. Bei der Therapie geht es lediglich darum, die Symptome zu lindern und die Heilung zu beschleunigen. Treten die Aphthen im Rahmen einer anderen Erkrankung auf (z.B. Morbus Behçet oder Morbus Crohn), muss diese behandelt werden.

Einzeln vorkommende, sogenannte solitäre Aphthen bilden sich meist rasch und ohne Narbenbildung zurück, eine Behandlung ist in der Regel nicht notwendig. Um Schmerzen zu lindern, kann es hilfreich sein, die betroffenen Stellen mit einer betäubenden Lösung (Lokalanästhetikum) zu betupfen, so zum Beispiel mit den Wirkstoffen Benzocain oder Lidocain.

Wenn Sie unter Aphthen im Mund leiden, sollten Sie am besten auf Nahrungsmittel verzichten, die die Schmerzen verstärken könnten. Hierzu zählen beispielsweise

  • Gewürze,
  • Zitrusfrüchte,
  • Obstsäfte oder
  • alkoholische Getränke.

Speisen wie Zwieback oder Brötchen können die angegriffene Schleimhaut irritieren, sodass Sie diese nur vorsichtig verzehren, solange sich Aphthen in Ihrem Mund befinden. Besteht der Verdacht, dass ein bestimmtes Nahrungsmittel der Auslöser gewesen sein könnte, sollten Sie dieses meiden.

Eine Frau macht eine Mundspülung. © Jupiterimages/PhotoDisc

Mundspülungen können die Schmerzen lindern und die Heilung beschleunigen.

Beim Zähneputzen ist es wichtig, besonders vorsichtig vorzugehen. Achten Sie auf eine gründliche Mundhygiene, damit sich keine Bakterien im gereizten Mundraum ausbreiten können. Hilfreich können desinfizierende Mundspülungen mit Wirkstoffen wie Chlorhexidin, Hexetidin oder Ethacridinlactat sein.

Behandlung wiederkehrender Aphthen

Auch immer wieder auftretende, sogenannte habituelle oder chronisch rezidivierende Aphthen können nur symptomatisch behandelt werden, da die eigentliche Ursache unbekannt ist. Die Behandlung verkürzt zwar die Heilungszeit, hat jedoch keine Auswirkungen auf den Zeitraum, in dem die Aphthen wiederkehren. Je nach Ausprägung der Aphthen können Arzneimittel helfen, die direkt im Mundraum wirken (sog. lokale Therapie) oder Medikamente, die im ganzen Körper wirken (sog. systemische Therapie):

  • lokale Therapie: Mundspülungen, Salben, Lutschtabletten oder Gele sollen die Beschwerden im Mundraum lindern. Dabei kommen desinfizierende, schmerzstillende und / oder entzündungshemmende Wirkstoffe wie Diclofenac, Chlorhexidin, Lidocain, Benzocacin oder Tetracyclin zum Einsatz. Wenn diese Behandlung nicht ausreicht, können kortikoidhaltige Gels, Pasten oder Spülungen mit Wirkstoffen wie Prednisolon oder Triamcinolon verwendet werden.
  • systemische Therapie: In schweren Fällen werden die Aphthen nicht nur lokal behandelt. Zusätzlich muss der Betroffene Medikamente einnehmen (sog. systemische Therapie), so etwa mit den Wirkstoffen Dapson oder Colchicin oder mit Glukokortikoiden (z.B. Prednisolon).
Aphthen im Mundraum: Ziel der Therapie ist es, die Symptome zu lindern. © iStock

Ziel der Therapie von Aphthen ist es, die Symptome zu lindern.

Aphthen: Verlauf

Die meisten Aphthen heilen im Verlauf von einigen Tagen bis zwei Wochen ab.

Der Verlauf immer wiederkehrender Aphthen hängt unter anderem davon ab, um welchen Typ es sich handelt. Wenige kleine Aphthen (Minor-Typ) heilen in der Regel ohne Narbenbildung wieder ab, während größere, tiefere Aphthen (Major-Typ) eine längere Heilungszeit von bis zu sechs Wochen benötigen und Narben zurücklassen können. Habituelle Aphthen können lebenslang in Schüben immer wieder auftreten.

Beim sogenannten herpetiformen Typ, bei dem sehr viele kleine Aphthen auftreten, entstehen die Schäden über Jahre bis Jahrzehnte hinweg immer wieder erneut; nur selten ist der Betroffene völlig beschwerdefrei. Komplikationen kommen bei Aphthen nur selten vor. In schweren Fällen können bakterielle Infektionen entstehen, die mit Entzündungen einhergehen.

Aphthen vorbeugen

Aphthen können Sie nur begrenzt vorbeugen, denn die Ursachen für die schmerzhaften Schleimhautschäden im Mund beziehungsweise Genitalbereich sind weitgehend unbekannt.

Je stärker Ihr Immunsystem, desto besser ist Ihr Körper auch vor Entzündungen gewappnet. Achten Sie darauf, sich gesund zu ernähren, ausreichend zu schlafen, sich regelmäßig zu entspannen und sich viel zu bewegen – so können Sie das Risiko für Aphthen möglicherweise etwas verringern.

Besteht der Verdacht, dass bestimmte Nahrungsmittel der Auslöser für Aphthen gewesen sein könnten – zum Beispiel Nüsse oder Tomaten –, sollten Sie diese in Zukunft möglichst meiden.

Treten Aphthen öfter auf, bestehen sie länger als sechs Wochen oder sind diese besonders groß, sollten Sie sicherheitshalber einen Arzt aufsuchen, um eine andere Erkrankung auszuschließen.

Aphthen: Weitere Informationen

Onmeda-Lesetipps:

Forum: Haut & Körperpflege

Forum: Zahnmedizin

Quellen:

Aphthen. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 13.6.2017)

Altmeyer, P.: Die Online-Enzyklopädie der Dermatologie, Venerologie, Allergologie und Umweltmedizin (Abrufdatum: 27.1.2017)

Patienteninformation der Deutschen Haut- und Allergiehilfe: Aphthen. Online-Publikation, www.dha-allergien.de (Abrufdatum: 27.1.2017)

Moll, I.: Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2016

Altenburg, A. et al.: Behandlung chronisch-rezidivierender oraler Aphthen. Deutsches Ärzteblatt, Jg. 111, Heft 40, S. 665-73 (2014)

Sterry, W.: Kurzlehrbuch Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2011

Arnold, W., Ganzer, U.: Checkliste Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2011

Pressemitteilung der Deutschen Berufsverbands der Hals-Nasen-Ohrenärzte e.V.: Aphthen: Schmerzhafte Stellen im Mund können Anzeichen für Vitamin-Mangel und Nahrungsmittel-Unverträglichkeit sein (11.06.2010)

Sterry, W., Burgdorf, W., Paus, R.: Checkliste Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2010

Bork, K., Burkdorf, W., Hoede, N.: Mundschleimhaut- und Lippenkrankheiten. Schattauer, Stuttgart 2008

Chronisch rezidivierende Aphthen. Wissenschaftliche Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde. Deutsche Zahnärztliche Zeitschrift Nr. 60, Vol. 6 (Juni 2005)

Stand: 15. August 2017

Anzeige

Wie steht es um Ihre Gesundheit?



Apotheken-Notdienst

Anzeige