Aphasie: Wernicke-Aphasie

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (21. April 2016)

Die Wernicke-Aphasie ist durch eine Wortfindungsstörung und ein erheblich beeinträchtigtes Sprachverständnis gekennzeichnet: Die Betroffenen haben oft Schwierigkeiten, bereits einfache Wörter zu verstehen. Allerdings sind sie häufig in der Lage, sprachbegleitende Kommunikationsfaktoren (wie Unterschiede in der Tonhöhe zwischen Fragen und Antworten oder Mimik) zu erkennen, und können auf dieser Grundlage an Gesprächen teilnehmen.

Wegen der eingeschränkten Fähigkeit von Wernicke-Aphasikern, Sprache zu verstehen, bezeichnet man ihre Sprachstörung auch als sensorische Aphasie. Dennoch kann die Sprachbildung ebenfalls gestört sein. Typische Symptome der Wernicke-Aphasie sind:

  • Der Paragrammatismus (griech. para = neben, bei), der zu Regelabweichungen bei der Kombination von Satzteilen führt: Die gebildeten Sätze sind oft auffallend lang, wobei die Satzteile falsch verbunden sind oder einfach abbrechen. Auch Verdopplungen von Satzteilen und eingeschobene nichtssagende Äußerungen sind typisch.
  • Die Paraphasie, bei der zum einen die Lautstruktur von Wörtern verändert sein kann – weil die Betroffenen beispielsweise Laute umstellen, auslassen oder hinzufügen (z.B. "Tamm" statt "Stamm", "Vergebrecher" statt "Verbrecher"). Zum anderen verwechseln manche Betroffene Wortbedeutungen und verwenden dadurch falsche Wörter (z.B. "Gewicht" statt "Blei") beziehungsweise in der jeweiligen Sprache nicht existierende Wörter.

Die Wernicke-Aphasie ist hauptsächlich auf eine Schädigung im sogenannten Wernicke-Sprachzentrum zurückzuführen: Dieses liegt im oberen Schläfenlappen des Gehirns.

Amnestische Aphasie

Wenn Wortfindungsstörungen die wichtigsten Symptome einer Sprachstörung sind, handelt es sich um eine amnestische Aphasie. Eine Wortfindungsstörung führt zu größeren Sprechpausen oder Satzabbrüchen im ansonsten fast normalen Redefluss. Häufig entwickeln Menschen mit solchen Sprachstörungen Strategien, die fehlenden Wörter durch Umschreibungen (z.B. "das Ding") zu ersetzen. Die Probleme bei der Wortfindung treten beim Schreiben auf.

Die für eine amnestische Aphasie verantwortliche Schädigung des Gehirns findet sich vorwiegend im unteren Schläfenlappen am Übergang zum Scheitellappen. Allerdings ist diese Form der Sprachstörung nicht immer eindeutig einer bestimmten Hirnregion zuzuordnen.

Globale Aphasie

Die globale Aphasie verursacht von allen Sprachstörungen die schwersten Symptome. Ihre wichtigsten Anzeichen sind Sprachautomatismen: Die Aphasiker wiederholen häufig formstarre Äußerungen, die keinen kommunikativen Zweck verfolgen. Über diese Automatismen hinaus sind viele Betroffene kaum zu sprachlichen Äußerungen fähig.

Außerdem ist ein massiv gestörtes Sprachverstehen typisch für die die globale Aphasie. Dies betrifft meist alle Bestandteile des Sprachsystems (Wortschatz bzw. Lexik, Bedeutung von Wörtern bzw. Semantik, Satzbau bzw. Syntax und Lautbildung bzw. Phonologie) und auch alle Arten der sprachlichen Ausführung (Sprechen, Schreiben, Verstehen, Lesen).

Die globale Aphasie entsteht durch sehr ausgedehnte Schädigungen des Gehirns: Betroffen sind Teile des Stirn-, Schläfen- und Scheitellappens.

Sonderformen

Seltener tritt eine Aphasie in anderen Formen auf. Zu diesen Sonderformen gehören:

  • Leitungsaphasie: Hierbei funktionieren das Sprachverständnis und die Spontansprache meist verhältnismäßig gut. Das Nachsprechen von Wörtern oder Sätzen ist jedoch stark beeinträchtigt.
  • Transkortikal-sensorische Aphasie: Diese Sonderform entspricht weitgehend der Wernicke-Aphasie. Die Betroffenen neigen aber stark dazu, einzelne Laute, Silben, Wörter oder Sätze ständig zu wiederholen und Wörter oder Sätze anderer Personen nachzusprechen.
  • Transkortikal-motorische Aphasie: Die Symptome sind ähnlich wie bei der Broca-Aphasie, allerdings haben die Betroffenen ein gutes Sprachverständnis und können Gehörtes gut nachsprechen.

Für die vergleichsweise eher seltene kindliche Aphasie gilt: Alle Symptome, die Aphasiker im Erwachsenenalter zeigen, können auch bei Kindern auftreten. Die Sprachstörung kann sich bei Kindern und Jugendlichen jedoch von Fall zu Fall stark unterscheiden – die Auswirkungen reichen von einer leicht verzögerten Sprachentwicklung bis hin zum völligen Verlust sprachlicher Fähigkeiten, sodass der Spracherwerb erschwert ist und nie muttersprachliches Niveau erreicht. Teilweise treten sprachliche Beeinträchtigungen auch erst nach Jahren zutage (z.B. nach der Einschulung oder später, wenn die schulischen Anforderungen steigen).


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