Aphasie: Definition

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (21. April 2016)

Der Begriff Aphasie bezeichnet per Definition eine nach abgeschlossener Sprachentwicklung erworbene Sprachstörung oder Beeinträchtigung der Sprachbildung beziehungsweise des Sprachverständnisses, die durch eine Gehirnschädigung bedingt ist.

Der teilweise oder völlige Sprachverlust beeinträchtigt zwar die Kommunikationsfähigkeit, eine Aphasie ist aber kein Anzeichen für eine psychische oder geistige Behinderung.

Häufigkeit

Eine Aphasie tritt am häufigsten im Erwachsenenalter als Folge eines Schlaganfalls auf: Insgesamt kommt es in Deutschland jedes Jahr bei etwa 25.000 Erwachsenen zu einer schlaganfallbedingten Schädigung der Sprachregion des Gehirns, die länger andauernde Sprachstörungen verursacht.

Kinder und Jugendliche bis zum 15. Lebensjahr sind mit etwa 3.000 neuen Fällen von Aphasie pro Jahr vergleichsweise selten betroffen – in dieser Altersgruppe sind überwiegend unfallbedingte Schädel-Hirn-Traumata für den Verlust von Sprachfunktionen verantwortlich.

Insgesamt leben in Deutschland rund 100.000 Aphasiker.

Historisches

Die Grundlagen unseres Wissens über Aphasie stammen aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts: Damals begann man im Rahmen der Erforschung von Gehirnerkrankungen damit, einen Zusammenhang zwischen motorischen und sensorischen Funktionen (bzw. deren Störungen) und bestimmten Regionen des Gehirns herzustellen. Im Mittelpunkt dieser Entwicklung stand der französische Arzt Paul Broca (1824 bis 1880), dem es 1861 erstmals gelang, bei einem Menschen mit motorischer Sprachstörung das motorische Sprachzentrum bei Rechtshändern der linken Hälfte des Großhirns zuzuordnen, das man heute auch als Broca-Sprachzentrum bezeichnet. Die Arbeiten Brocas über die örtliche Zuordnung (Lokalisation) von Gehirnfunktionen waren bahnbrechend für die weitere Entwicklung der Hirnanatomie und -physiologie.

Vor allem im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts gab es intensive Bemühungen, den Aufbau jeder einzelnen Hirnregion zu erforschen und Landkarten vom gesamten Gehirn anzulegen. 1909 unterschied Korbinian Brodmann bereits 52 verschiedene Felder, die er als Area 1 bis Area 52 bezeichnete. Die Bezifferung nach Brodmann findet vielfach auch heute noch Anwendung.

Mit der Erforschung der Hirnregionen verband sich die Hoffnung, durch die Kenntnisse im Feinbau des Gehirns Aufschluss über dessen Funktionen zu gewinnen. Spätere Forschungen zeigten jedoch, dass es teilweise nicht gelungen war, Hirnregionen und Funktionen exakt zuzuordnen. Dies kann unter anderem daran liegen, dass die Untersuchungen meist nur an wenigen Menschen stattfanden.

Neuere vergleichende Untersuchungen zeigen, dass sich der Feinbau des Gehirns von Mensch zu Mensch stark unterscheidet. Dennoch ist es möglich, Beziehungen zwischen Störungen bestimmter motorischer oder sensorischer Funktionen und Schädigungen örtlich begrenzter Bereiche im Gehirn herzustellen. Auch die wichtigsten Formen von Aphasie kann man mehr oder weniger eindeutig auf Schädigungen bestimmter Hirnregionen zurückführen:

  • So entsteht beispielsweise die Broca-Aphasie hauptsächlich dadurch, dass das sogenannte Broca-Sprachzentrum geschädigt ist, das im Stirnlappen des Gehirns in der Area 44 nach Brodmann liegt,
  • während bei der Wernicke-Aphasie im Wesentlichen das sogenannte Wernicke-Sprachzentrum im oberen Schläfenlappen des Gehirns geschädigt ist.

Wie steht es um Ihre Gesundheit?



Apotheken-Notdienst