Angina pectoris und koronare Herzkrankheit (KHK)

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (14. August 2017)

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Die koronare Herzkrankheit (KHK) zählt in Deutschland mit zu den wichtigsten Volkskrankheiten und ist eine der häufigsten Todesursachen. Als typisches Symptom einer koronaren Herzkrankheit gilt die anfallsweise auftretende Angina pectoris.

Was sind Angina pectoris und KHK?
Als koronare Herzkrankheit (KHK) bezeichnet man eine Durchblutungsstörung des Herzmuskels, die als Folge verengter Herzkranzgefäße (Koronararterien) entsteht.

Wird der Herzmuskel durch solch eine Verengung nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt, verspürt der Betroffene in der Regel plötzlich Schmerzen in der Brust. Oft gehen diese mit einem Druckgefühl in der Brust und großer Angst einher. Ärzte bezeichnen diese Art von Symptom als "Angina pectoris", was übersetzt so viel wie "Brustenge" oder "Herzenge" bedeutet.

Zu den möglichen Folgen einer koronaren Herzerkrankung gehören

Angina pectoris und koronare Herzkrankheit (KHK): Typische Symptome

Die koronare Herzkrankheit (KHK) verursacht schmerzhafte Symptome, die unter dem Begriff Angina pectoris zusammengefasst werden.

Angina-pectoris-Anfall

Die für eine KHK typischen Symptome bezeichnet man auch als Angina-pectoris-Anfall. Diese können bei allen Aktivitäten auftreten, die den Puls beschleunigen oder den Blutdruck steigern und somit das Herz belasten. Häufige Auslöser einer Angina pectoris  sind:

  • körperliche Belastung
  • Kälte
  • zu ausgiebige Mahlzeiten
  • psychische Belastung und Aufregung

Die meisten KHK-Betroffenen beschreiben eine Angina pectoris als anfallsweise auftretende Symptome wie:

Die Schmerzen können dabei ausstrahlen, zum Beispiel in

  • den rechten oder linken Arm bis in die Fingerspitzen,
  • die Schultern,
  • den Hals,
  • die Zähne
  • und seltener auch in die Magengegend.

Es handelt sich um einen meist intensiven, eher kurzen Schmerz. Meist hält er zwischen 5 und 15 Minuten an. Für gewöhnlich verschwindet er wieder, wenn die körperliche Belastung endet. Bei fortgeschrittener koronarer Herzkrankheit können die Beschwerden auch in Ruhe auftreten.

Während eines Angina-pectoris-Anfalls beginnen Betroffene außerdem zu schwitzen und sind blass. Häufig fällt auch das Atmen schwer und die Leistungsfähigkeit ist stark eingeschränkt. Einige Betroffene berichten zudem über starke Angstgefühle.

Angina pectoris – Einteilung und Symptome

Mediziner unterscheiden verschiedene Formen der Angina pectoris, die in puncto Verlauf und Symptome etwas voneinander abweichen.

Stabile Angina pectoris

Eine stabile Angina pectoris tritt nur bei körperlicher Belastung auf. Die dabei entstehenden Symptome sind über Monate und Jahre hinweg immer gleich, ohne sich deutlich zu verstärken. Beim Ausruhen verschwinden die Schmerzen in der Brust meist innerhalb weniger Minuten. Nitro-Präparate können die Angina-pectoris-Symptome ebenfalls rasch beenden.

Prinzmetal-Angina (Variant-Angina)

Bei dieser seltenen Form der Angina pectoris verengen sich die Herzkranzgefäße krampfartig (sog. Koronarspasmus). Die Prinzmetal-Angina tritt nicht unbedingt im Zusammenhang mit Belastungen auf, sondern kann auch während der Nacht und in Ruhe zu plötzlichen Beschwerden führen. Die Brustschmerzen halten dabei meist länger an als bei den anderen Formen der Angina pectoris.

Instabile Angina pectoris

Als instabil bezeichnet man jede Angina pectoris, die neu auftritt oder in Situationen Symptome verursacht, bei denen bislang keine Schmerzen entstanden sind. Auch Angina-pectoris-Beschwerden, die in ihrer Dauer und Häufigkeit rasch zunehmen, heißen "instabil".

Bei dieser Form der KHK ist die Gefahr eines Herzinfarkts sehr hoch. Daher sollte im Falle einer Angina pectoris sofort der Rettungsdienst (112) gerufen und der Betroffene so rasch wie möglich in ein Krankenhaus gebracht werden. Die instabile Angina pectoris stellt eine Form des sogenannten akuten Koronarsyndroms dar.

Angina decubitus

Die Angina decubitus ist eine seltene Form der instabilen Angina pectoris. Hierbei treten bei den Betroffenen vor allem nachts im Liegen  Schmerzen in der Brust auf. Da im Liegen mehr Blut zum Herz zurückfließt, kann das ein vorgeschädigtes Organ belasten.

Stumme Angina pectoris

Eine stumme Angina pectoris zeigt kaum Symptome. Nur ein plötzlicher Leistungsabfall oder ein leichtes Druckgefühl im Brustkorb können auf einen Angina-pectoris-Anfall hinweisen.

Aufgrund der fehlenden Beschwerden besteht die Möglichkeit, dass die Erkrankung lange Zeit unbemerkt bleibt und somit nicht behandelt wird. Auch ein Herzinfarkt bereitet dann möglicherweise kaum Beschwerden und kann leicht übersehen werden. Besonders häufig tritt die stumme Angina pectoris bei Diabetikern und älteren Menschen auf. Bei Vorsorgeuntersuchungen kann der Arzt sie rechtzeitig entdecken und behandeln.

Angina pectoris bei Frauen

Bei Frauen äußert sich die Angina pectoris häufig anders. Der typische Brustschmerz tritt seltener oder gar nicht auf. Symptome wie Magenschmerzen, Übelkeit, Atemnot und Müdigkeit treten in den Vordergrund. Das macht es dem Arzt schwerer, eine Angina pectoris bei Frauen zuverlässig zu erkennen.

Mikrovaskuläre Angina pectoris (kardiales Syndrom X)

Bei der sogenannten mikrovaskulären Angina pectoris lassen sich keine Verengungen der Herzkranzgefäße nachweisen. Dennoch kommt es vor allem bei Belastung zu den typischen Beschwerden. Ursache sind Veränderungen in den kleinen Gefäßen des Herzmuskels. Besonders betroffen sind Frauen sowie Patienten mit Diabetes mellitus und Bluthochdruck.

Angina pectoris und koronare Herzkrankheit (KHK): Was sind die Ursachen?

Bei einer koronaren Herzkrankheit (KHK) liegen die Ursachen in den Blutgefäßen, die den Herzmuskel normalerweise mit sauerstoffreichem Blut versorgen. Diese Gefäße heißen Herzkranzgefäße oder auch Koronarien. Bei einer KHK sind sie meist durch Ablagerungen verengt. Das heißt, beim Betroffenen liegt eine sogenannte Arterienverkalkung (Arteriosklerose) vor. Mediziner sprechen in diesem Fall auch von einer Koronarsklerose.

Über Jahre hinweg bilden sich dabei in den Gefäßwänden wachsartige Fettablagerungen. Diese bestehen vor allem aus Cholesterin und verbinden sich mit Calcium zu einer zähen Masse. Auf diese Weise entstehen sogenannte Plaques. Durch die Plaques wird das Gefäß stark geschädigt und kann sich nicht mehr ausreichend dehnen. Bei körperlicher Anstrengung kann das unflexibel gewordene Gefäß den erhöhten Blutbedarf des Herzmuskels nicht mehr decken und es kommt zu den typischen Beschwerden.

Schreitet die KHK fort, verengen die Ablagerungen die Herzkranzgefäße zunehmend. Schon bei geringen Belastungen kann es dann zu Angina-pectoris-Beschwerden kommen, im Extremfall auch in Ruhe. Bei einem völligen Verschluss des Gefäßes werden Teile des Herzmuskels nicht mehr mit Sauerstoff versorgt – ein Herzinfarkt ist die Folge.

Risikofaktoren für koronare Herzkrankheit

Es gibt eine Reihe von Risikofaktoren, die über längere Zeit die Entwicklung einer Arteriosklerose begünstigen. Da diese Faktoren auch die Entstehung einer koronaren Herzkrankheit begünstigen, spielen sie bei der Frage nach den genauen Ursachen eine wichtige Rolle. Liegen bei einem Menschen gleich mehrere Risikofaktoren vor, erhöht dies die Wahrscheinlichkeit an einer KHK zu erkranken deutlich.

Hauptrisikofaktoren für eine KHK sind:

Zu den weiteren Risikofaktoren, welche die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten einer KHK erhöhen, zählen:

Anatomie des Herzens

Die linke und rechte Herzkranzarterie (sog. Koronararterien oder Koronarien) versorgen das Herz mit Blut. Die linke Herzkranzarterie (Arteria coronaria sinistra) versorgt den vorderen Bereich des Herzens, die rechte (Arteria coronaria dextra) den hinteren Teil. Wenige Zentimeter nach ihrem Abgang aus der Hauptschlagader (Aorta) verzweigt sich die linke Herzkranzarterie in zwei Äste:

  • den sogenannten Ramus circumflexus sowie
  • den Ramus interventricularis anterior (RIVA).

Der Ramus circumflexus versorgt insbesondere die linke Herzkammer, der RIVA die Herzscheidewand und in geringerem Maße die linke Herzkammer.

Koronare Herzkrankheit (KHK), Angina pectoris: Aufbau eines Herzes

Anatomie des Herzens: Bei einer KHK sind die Herzkranzgefäße (Koronararterien) nicht mehr so gut dehnbar.

Um zu beurteilen, wie ausgeprägt die koronare Herzkrankheit ist, betrachtet man die rechte Herzkranzarterie, den Ramus interventricularis anterior und den Ramus circumflexus der linken Herzkranzarterie jeweils als einzelnes Gefäß. Abhängig davon, in welchen und wie vielen der drei Gefäße die Verengungen liegen und wie groß diese sind, unterteilen Mediziner die koronare Herzkrankheit in eine Ein-, Zwei- oder Dreigefäßerkrankung.

Wie alle Schlagadern (Arterien) bilden die Herzkranzarterien Abzweigungen und Verästelungen bis hin zu den kleinsten Blutgefäßen (Kapillaren). Diese durchziehen den Herzmuskel und versorgen ihn mit Nährstoffen und Sauerstoff. Venen transportieren Kohlendioxid und andere Stoffwechselprodukte ab. Gesunde Herzkranzgefäße können sich bei Bedarf dehnen, um den Blutfluss zu erhöhen. Etwa, wenn das Herz gerade stärker arbeiten muss und mehr Sauerstoff braucht. Liegt eine koronare Herzkrankheit vor, sind die Herzkranzgefäße oft kaum noch dehnbar.

Häufigkeit

In Deutschland zählt die koronare Herzkrankheit zu den häufigsten Erkrankungen. Die KHK ist dort auch eine der führenden Todesursachen.

Statistisch gesehen entwickeln gut zehn Prozent aller Deutschen zwischen 40 und 79 Jahren eine koronare Herzkrankheit. Die Erkrankungswahrscheinlichkeit steigt dabei mit dem Alter.

Angina pectoris und koronare Herzkrankheit (KHK): So stellt der Arzt die Diagnose

Dass es sich um eine koronare Herzkrankheit (KHK) handeln könnte, vermutet der Arzt in der Regel bereits durch die typischen Symptome. Eine KHK äußert sich meist in Form von einer sogenannten Angina pectoris. Darunter versteht man anfallsweise auftretende Beschwerden wie Schmerzen in der Brust und ein dumpfes Druckgefühl oder Brennen hinter dem Brustbein.

Erste Schritte bei der Diagnose sind häufig:

  • eine ausführliche Befragung durch einen Arzt und Beurteilung des persönlichen Risikos für eine koronare Herzkrankheit
  • eine körperliche Untersuchung inklusive einer Blutuntersuchung
  • die Messung des Blutdrucks
  • das Schreiben eines Elektrokardiogramms (EKG), das die elektrischen Ströme des Herzens darstellt

Daneben gibt es spezielle Herzuntersuchungen, die bei Verdacht auf eine koronare Herzkrankheit hilfreich sein können.

Spezielle Herzuntersuchungen bei koronarer Herzkrankheit (KHK)

Belastungs-EKG (Ergometrie)

Das Belastungs-EKG ist eine Sonderform des Elektrokardiogramms. Hierbei werden die Herzströme gemessen, während der zu Untersuchende auf einem Fahrrad-Ergometer fährt. Falls eine KHK vorliegt, entwickelt sich im Herzmuskel bei Anstrengung ein Sauerstoffmangel, der im EKG sichtbar wird.

Langzeit-EKG

Bei einem Langzeit-EKG zeichnet  ein kleiner Kasten die Herzströme über einen Zeitraum von 24 Stunden auf. Er lässt sich bequem am Gürtel oder an einem Band um den Hals tragen. So kann der Arzt beurteilen, wie das Herz unter natürlichen Alltagsbedingungen (z.B. Arbeit, Freizeit, Nachtruhe) auf Belastung reagiert. Insbesondere für die Diagnose nächtlicher Angina-pectoris-Beschwerden ist diese Untersuchung wichtig.

Illustration: Mögliche EKG-Veränderungen bei der koronaren Herzkrankheit

Mögliche EKG-Veränderungen bei koronarer Herzkrankheit

Angiographie der Herzkranzgefäße

Eine Angiographie ist eine Röntgenuntersuchung der Gefäße, in diesem Fall der Herzkranzgefäße. Man führt sie im Rahmen einer Herzkatheteruntersuchung durch. Hierbei schiebt der Arzt entweder von der Leiste oder von der Hand aus einen Katheter über eine Arterie bis ins Herz vor. Dort wird dann ein Röntgenkontrastmittel eingespritzt. Auf den Röntgenaufnahmen kann der Arzt so die Herzkranzgefäße im Verlauf zu sehen und nimmt dabei insbesondere Verengungen in Augenschein.

Die Angiographie zählt bei einer koronaren Herzkrankheit und einem akuten Koronarsyndrom mit zu den wichtigsten Untersuchungen. Das akute Koronarsyndrom umfasst sowohl die instabile Angina pectoris als auch verschiedene Formen des Herzinfarkts. Mittels Herzkatheteruntersuchung kann der Arzt einen Herzinfarkt ausschließen. Zudem ist die Angiographie für die Planung einer Bypass-Operation unverzichtbar. Zu den seltenen möglichen Nebenwirkungen der Herzkatheteruntersuchung zählen HerzinfarktHerzrhythmusstörungen, Kammerflimmern, Schlaganfall und Blutungen.

Statt mit einem Röntgengerät, kann die Angiographie auch mit einem Magnetresonanztomographen (MRT) erfolgen (sog. MR-Angiographie). Diese Technik ermöglicht noch schärfere Bilder. Sie hat jedoch einen Nachteil: Da der Arzt keinen Katheter verwendet, kann er die Engstelle nicht wie bei der Herzkatheteruntersuchung direkt behandeln.

Belastungs-Echokardiographie (Herzultraschall unter Belastung)

Bei der Belastungs-Echokardiographie (auch Stress-Echokardiographie genannt) fährt der Betroffene halb liegend auf einem speziellen Fahrrad-Ergometer, um eine körperliche Belastung zu erzeugen. Alternativ kann das Herz während der Untersuchung mit Medikamenten belastet werden. Dazu spritzt der Arzt Substanzen in die Vene, die wie Stresshormone wirken. Beispielsweise erhöht der Wirkstoff Dobutamin die Leistung des Herzens und die Herzfrequenz steigt. Diejenigen Teile des Herzens, die schlecht durchblutet werden, bewegen sich auffällig und weisen so im Ultraschallbild auf eine koronare Herzkrankheit hin.

Eine ähnliche Diagnose-Methode ist das Belastungs-MRT, wobei statt des Ultraschalls die Magnetresonanztomographie (MRT) zum Einsatz kommt.

Myokardperfusions-Szintigraphie

Die Myokardperfusions-Szintigraphie oder Myokardszintigraphie ist ein Untersuchungsverfahren, das die Durchblutung des Herzens darstellt. Hierfür spritzt der Arzt einen leicht radioaktiven Stoff (Thallium oder Technetium) in die Gefäße. Auf Spezial-Fotoaufnahmen kann der Arzt dann die Verteilung der Substanz im Herzen beurteilen. In gut durchbluteten Gebieten des Herzmuskels sammelt sich mehr radioaktives Thallium oder Technetium. Schlecht durchblutete Areale erscheinen blass. Insbesondere die Feindurchblutung (Mikroperfusion) des Herzens kann mit dieser Form der Szintigraphie genau untersucht werden.

Positronen-Emissions-Tomographie (PET)

Die Positronen-Emissions-Tomographie (PET) ist ein spezielles Verfahren, das Stoffwechselvorgänge im Gewebe sichtbar macht. So kann der Untersucher bei einer koronaren Herzkrankheit einschätzen, welche Gebiete des Herzmuskels noch aktiv sind und welche aufgrund von Sauerstoffmangel bereits Schäden erlitten haben. Dies ermöglicht es vorauszusagen, welche Teile des Herzmuskels ihre Funktion durch die Behandlung (z.B. eine Bypass-Operation) wieder aufnehmen werden. Die Methode ist aufgrund der hohen Kosten häufig nur an großen Kliniken verfügbar und findet nur in speziellen Fällen (z.B. Hochrisikopatienten mit stärker geschädigtem Herz) Anwendung.

Mehrschicht-Spiral-Computertomographie (MSCT)

Eine besonders schnelle und moderne Computertomographie-Technik ist die die sogenannte MSCT (Mehrschicht-Spiral-CT). Sie erzeugt ein dreidimensionales Bild vom Herzen und macht Verkalkungen (Arteriosklerose) in den Herzkranzgefäßen sichtbar.

Angina pectoris und koronare Herzkrankheit (KHK): Therapie

Liegt eine koronare Herzkrankheit (KHK) vor und treten Angina-pectoris-Beschwerden auf, erfordert dies eine konsequente Therapie. Man unterscheidet dabei:

  • die Behandlung eines akuten Angina-pectoris-Anfalls
  • und die Intervalltherapie.

Die KHK-Therapie hat zum Ziel, weitere Anfälle zu verhindern und die Verkalkung der Herzkranzgefäße aufzuhalten.

Behandlung des akuten Angina-pectoris-Anfalls

Ein akuter Angina-pectoris-Anfall kann mit sogenannten Nitraten (Nitroglyzerin, Nitro) rasch beendet werden. Den Wirkstoff (z.B. Glyceroltrinitrat) gibt es als Zerbeißkapsel oder als Spray zum unter die Zunge sprühen. Nitrate werden sehr schnell über die Mundschleimhaut aufgenommen und entfalten innerhalb von ein bis zwei Minuten ihre gefäßerweiternde Wirkung. Ein Hinunterschlucken des Medikaments ist deshalb nicht notwendig und auch nicht sinnvoll. Denn nach der Aufnahme über Magen und Darm würde es von der Leber abgebaut, noch bevor es die Blutbahn und darüber das Herz erreicht.

Um einen Anfall in einer Situation zu vermeiden, bei der es erfahrungsgemäß zu Angina-pectoris-Beschwerden kommt, kann Glyceroltrinitrat auch kurz zuvor vorbeugend genommen werden.

Achtung: Bei instabiler Angina pectoris muss umgehend der Notarzt gerufen (112) und der Betroffene im Krankenhaus behandelt werden.

Warnzeichen, die auf eine instabile Angina pectoris (oder einen Herzinfarkt) hinweisen, sind:

  • neu bzw. erstmals aufgetretene Angina-pectoris-Beschwerden (wie Schmerzen in der Brust und Atemnot bei Belastung)
  • Beschwerden werden schlimmer oder treten häufiger auf
  • Beschwerden sind anders als sonst (z.B. an anderer Stelle, stärker, länger etc.)
  • Beschwerden treten bei geringerer Belastung auf als gewohnt
  • Beschwerden verschwinden nicht durch Ausruhen
  • Beschwerden verschwinden nicht durch Notfallmedikamente (Nitrate als Zerbeißkapsel oder Spray)

Intervalltherapie der koronaren Herzkrankheit (KHK)

Die Intervalltherapie der koronaren Herzkrankheit zielt darauf ab, das Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern. Nur so lassen sich weitere und unter Umständen schwerere Angina-pectoris-Anfälle vermeiden. Weitere Ziele sind eine erhöhte Belastbarkeit sowie eine verbesserte Lebensqualität des Betroffenen.

Basis der KHK-Intervalltherapie ist es, Risikofaktoren für eine Arteriosklerose und damit die Ursachen einer koronaren Herzkrankheit auszuschalten. Dazu gehören:

  • Rauchverzicht
  • Behandlung eines Bluthochdrucks (Hypertonie)
  • Behandlung einer Fettstoffwechselstörung (Hypercholesterinämie)
  • Behandlung eines Diabetes mellitus oder seinen Vorstufen
  • Gewichtsabnahme bei Übergewicht bzw. Halten des Normalgewichts
  • viel körperliche Bewegung (3 bis 7 Tage pro Woche je 15 bis 60 Minuten leichtes Ausdauertraining)
  • Ernährungsumstellung auf eine vitaminreiche, fettarme und ballaststoffreiche Kost mit angemessener Energiezufuhr.

Falls der Rauchverzicht und das Abnehmen aus eigener Kraft nicht gelingen, lohnt es sich, für diese Probleme ärztliche oder psychotherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Mit professioneller Unterstützung gelingt es deutlich mehr Menschen, langfristig ihre Nikotinsucht zu überwinden, und ihre Ernährung umzustellen.

Medikamentöse Therapie

Bei der Behandlung der koronaren Herzkrankheit kommen verschiedene Medikamente zum Einsatz. Sie sollen den Sauerstoffverbrauch senken und die Herzarbeit optimieren. Auf diese Weise treten Angina-pectoris-Anfälle seltener auf beziehungsweise fallen weniger schwer aus. Die Medikamente werden dabei einzeln oder in Kombination verwendet.

Thrombozytenaggregationshemmer (Plättchen-Hemmer)

Thrombozytenaggregationshemmer wie Acetylsalicylsäure (ASS) hemmen die Blutplättchen (Thrombozyten), die für die Blutgerinnung eine wichtige Rolle spielen. Dadurch verringert sich die Gefahr für eine Thrombose und in der Folge das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall. Wer ASS nicht verträgt, kann eventuell auch den Wirkstoff Clopidogrel zu diesem Zweck einnehmen.

Nitrate

Nitrate erweitern die Blutgefäße und senken den Sauerstoffverbrauch des Herzens. Zum einen gibt es Nitrate, die als Akut-Medikamente bei einem Angina-pectoris-Anfall helfen (Nitroglyzerin bzw. Glyceroltrinitrat als Kapsel oder Spray). Zum anderen können länger wirksame Präparate einem Anfall vorbeugen. Der Wirkstoff Molsidomin beispielsweise zählt zu den gefäßerweiternden Mittel auf Nitroglyzerin-Basis. Molsidomin wirkt im Gegensatz zu Glyceroltrinitrat nicht sofort, sondern erst nach etwa einer halben Stunde. Es eignet sich daher vor allem zur Vorbeugung und Dauerbehandlung.

Achtung: Nitrate dürfen bei KHK nicht gemeinsam mit Potenzmitteln und anderen Phosphodiesterase-5-Hemmern eingenommen werden. Dabei kann es zu einem lebensbedrohlichen Blutdruckabfall kommen, der einen Sauerstoffmangel im Herzmuskel bewirken kann.

Betablocker

Betablocker (Beta-Rezeptoren-Blocker) senken die Herzfrequenz und den Blutdruck bei Belastung. Dadurch verbraucht das Herz weniger Sauerstoff und die Beschwerden nehmen ab. Betablocker sind bei der stabilen Angina pectoris ein Standardpräparat. Alternativ zu Betablockern können auch ACE-Hemmer den Blutdruck senken. Betablocker lindern die Angina-pectoris-Beschwerden und erhöhen die Belastbarkeit.

Calciumkanalblocker

Calciumkanalblocker (sog. Calciumantagonisten) verordnen Ärzte eher selten zur Behandlung einer KHK. Sie sind das bevorzugte Mittel bei Prinzmetal-Angina und bei speziellen Arten von Herzrhythmusstörungen. Sie finden außerdem Anwendung, wenn Betablocker nicht einsetzbar sind oder allein nicht ausreichend wirken.

Cholesterinsenkende Medikamente (Statine)

Statine hemmen ein Enzym, das der menschliche Körper benötigt, um Cholesterin herzustellen. Auf diese Weise sinkt der Cholesterinspiegel in den Zellen und führt dazu, dass das schädliche LDL-Cholesterin (Low-Density-Lipoprotein) aus dem Blutkreislauf entfernt wird. Als Folge sinkt das Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Ivabradin

Der Herzfrequenzsenker Ivabradin zählt zur Gruppe der If-Kanalblocker. Er verlangsamt den Puls, ohne dabei die Kraft des Herzmuskels zu verringern, und unterstützt so die Herzarbeit. Zum Einsatz kommt er bei einer stabilen KHK, wenn Betablocker alleine die Beschwerden nicht ausreichend kontrollieren oder wenn der Betroffene Betablocker nicht verträgt. Voraussetzung ist eine zu hohe Ruhe-Herzfrequenz von mehr als 60 Schlägen pro Minute.

Ranolazin

Ranolazin kann bei Patienten mit stabiler Angina pectoris als Ergänzung zur Therapie zum Einsatz kommen. Voraussetzung dafür ist, dass Wirkstoffe der ersten Wahl wie Betablocker oder Calciumkanalblocker alleine nicht ausreichen oder der Betroffene sie nicht verträgt. Ranolazin verbessert die Durchblutung in kleinen Gefäßen und entspannt den Herzmuskel.  So steht diesem wieder mehr Sauerstoff zur Verfügung.

Nicorandil

Der Wirkstoff Nicorandil erweitert die Gefäße, senkt den Blutdruck und mildert so die Angina-pectoris-Beschwerden. Der Arzt verschreibt es als Reservemittel, wenn der Patient Betablocker nicht verträgt oder eine alleinige Therapie mit Betablockern nicht ausreicht.

Achtung: Nicorandil darf nicht gemeinsam mit Potenzmitteln und anderen Phosphodiesterase-5-Hemmern eingenommen werden. Andersfalls kann es zu einem lebensbedrohlichen Blutdruckabfall kommen, der einen Sauerstoffmangel im Herzmuskel verursachen kann.

Wiederherstellung der Gewebedurchblutung (Revaskularisation)

Eine Reihe von Therapieverfahren zielt darauf ab, Verschlüsse beziehungsweise Einengungen der Herzkranzgefäße bei einer koronaren Herzkrankheit (KHK) direkt zu beseitigen. Ziel dieser Verfahren ist es, die Durchblutung des Gewebes ganz wiederherzustellen oder diese zu verbessern.

Ballondilatation (PTCA) während einer Herzkatheteruntersuchung

Bei einer Angiographie der Herzkranzgefäße führt der Arzt über die Leisten- oder Armschlagader einen Katheter ein und schiebt ihn bis in die Herzkranzgefäße vor. An der Spitze des Katheters befindet sich ein aufblasbarer Ballon. Der Arzt spritzt Kontrastmittel in das Gefäß ein und kontrolliert unter Röntgentechnik, an welcher Stelle das Herzkranzgefäß verengt oder verschlossen ist. Mit dem Ballon weitet er im Anschluss die Engstelle. Fachsprachlich wird dies als perkutane transluminare coronare Angioplastie oder kurz PTCA bezeichnet

Damit das Herzkranzgefäß nach der Erweiterung offen bleibt, setzt er oft gleichzeitig ein röhrenförmiges Metallgitter (Stent) als Gefäßstütze ein. Manche Stents geben fortlaufend Medikamente in das Gefäß ab, die verhindern sollen, dass ein Blutgerinnsel (Thrombus) entsteht. Einige dieser beschichteten Stents sind resorbierbar. Sie lösen sich nach ein paar Monaten von selbst auf. Mit der Ballondilatation kann der Arzt bei mehr als 90 von 100 Behandelten das Gefäß wieder durchgängig machen. Allerdings kommt es bei bis zu 40 von 100 (mit Stent-Einlage weniger als 30 von 100) Patienten zu einem erneuten Verschluss, meist innerhalb des folgenden halben Jahres. Die Behandlung muss in diesem Fall wiederholt werden.

In besonderen Fällen kann anstelle des Ballons auch ein rotierendes Mikro-Messer an der Katheterspitze (sog. Rotationsangioplastie, Rotablation), Ultraschall (Ultraschallangioplastie), ein kleines Schälmesser (Atherektomie), ein Laser (Laser-PCTA bei verkalkten Engstellen) oder ein Sauger (Aspirationsthrombektomie) die Engstelle beseitigen. Welche Methode im Einzelfall die beste ist, hängt davon ab, wo die Engstelle liegt und aus welchem Gewebe die Wandverdickung besteht.

Video: Atherektomie – die verschiedenen Verfahren kurz erklärt

Bypass-Operation

Je nachdem, wie viele Gefäße die koronare Herzkrankheit betrifft, kann eine Bypass-Operation nötig sein (engl. bypass = Umleitung). Mit ihrer Hilfe lassen sich die verengten Blutgefäße umgehen. Ein Bypass kann auch infrage kommen, wenn die sogenannte Ballondilatation nicht zu einer dauerhaften Verbesserung der koronaren Herzkrankheit führt oder technisch nicht möglich ist. Dabei sind zwei Varianten möglich:

  • Venenbypass: mittels einer aus dem Bein entnommenen Vene (aortokoronarer Venenbypass)
  • Arterienbypass: mittels einer Brustarterie (Arteria-mammaria-interna-Bypass)

Die Operation erfolgt als klassische Bypass-Operation (am offenen Herzen unter Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine) oder minimalinvasiv mit der sogenannten Schlüssellochchirurgie. Bei der minimalinvasiven Methode versucht der Chirurg, die operative Öffnung des Körpers möglichst klein zu halten. So verletzt er weniger Gewebe, mindert das Infektionsrisiko und hinterlässt kleinere Narben. Ein Beispiel hierfür ist die sogenannte MIDCAB-Technik (minimalinvasiver direkter Coronararterien Bypass). Hierbei öffnet der Chirurg den Brustkorb mit einem kleinen Schnitt seitlich zwischen den Rippen.

Video: Bypass-Operation am schlagenden Herzen

Auf lange Sicht ist die Bypass-Operation bei der koronaren Herzkrankheit effektiver als die Katheter-Methoden. So sind nach 10 Jahren nur etwa 10 bis 50 von 100 Bypässen (je nach Art des Bypasses) wieder verschlossen. Demgegenüber stehen jedoch die Risiken, die eine große Operation mit sich bringt. Nach der Bypass-Operation sind rund 80 von 100 Betroffenen beschwerdefrei.

Angina pectoris und koronare Herzkrankheit (KHK): Verlauf

Je früher bei einer koronaren Herzkrankheit (KHK) die Diagnose erfolgt und eine passende Behandlung beginnt, desto günstiger wirkt sich das auf den Verlauf aus.

Prognose

Die kombinierte Therapie aus Medikamenten und die operative Beseitigung der Engstelle in den Koronargefäßen können die koronare Herzkrankheit (KHK) stoppen und die Prognose verbessern. Den Betroffenen werden dadurch viele Jahre beschwerdefreies Leben ermöglicht.

Hauptsächlich kommt es jedoch darauf an, die Ursache der KHK, also die Arterienverkalkung (Arteriosklerose), aufzuhalten. Hierzu kann jeder selbst aktiv beitragen:

  • Rauchen Sie nicht.
  • Bewegen Sie sich viel.
  • Vermeiden Sie Stress.
  • Reduzieren Sie Übergewicht bzw. halten Sie Ihr Normalgewicht.
  • Nehmen Sie regelmäßig Ihre Medikamente ein.
  • Nehmen Sie regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Arzt wahr.
  • Ernähren Sie sich kalorienbewusst, fettarm und vitamin- sowie ballaststoffreich.

Je schwerer und häufiger die Angina-pectoris-Anfälle sind, desto höher ist das Risiko eines Herzinfarkts. Wenn sich aufgrund der Herzmuskelschädigung eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz) entwickelt, ist dies für den weiteren Verlauf der Erkrankung nachteilig.

Wer eine koronare Herzerkrankung nicht behandeln lässt, riskiert sein Leben. Die Prognose hängt unter anderem davon ab, wie viele Gefäße von Engstellen betroffen sind und wo genau diese liegen. Ohne Behandlung versterben pro Jahr bei einer sogenannten Ein-Gefäßerkrankung 3 bis 4 von 100 Erkrankten. Bei einer Zwei-Gefäßerkrankung sind es 6 bis 8 von 100 Betroffenen und bei einer Drei-Gefäßerkrankung 10 bis 13 von 100 Betroffenen.

Nachsorge

Die koronare Herzkrankheit erfordert eine intensive Nachsorge. Bei einer KHK sind regelmäßige ärztliche Kontrolluntersuchungen notwendig, um die Risikofaktoren der Arteriosklerose dauerhaft auszuschalten. Das gilt insbesondere für Blutdruck, Blutzucker und Blutfettwerte. Im Rahmen der regelmäßigen Untersuchung kann der Arzt gegebenenfalls die Dosierung der entsprechenden Medikamente anpassen und auch die Dosierung der Medikamente gegen die KHK überprüfen.

Koronare Herzkrankheit und Sport

Bei koronarer Herzkrankheit ist Sport eine wichtige unterstützende Maßnahme. Körperliche Bewegung bessert sämtliche Risikofaktoren für Arteriosklerose (Arterienverkalkung) und hält das Fortschreiten der Erkrankung somit auf. Zugleich steigt die körperliche Leistungsfähigkeit. Sich regelmäßig zu bewegen ist daher empfehlenswert. Wichtig ist jedoch, darauf zu achten, dass die Belastung stimmt und man sich nicht überfordert. Mit einem Belastungs-EKG kann der Arzt Ihre persönliche Leistungsgrenze genau ermitteln.

Gut geeignet bei KHK sind beispielsweise Ausdauersportarten wie

Am besten besprechen Sie mit Ihrem Arzt, welche Sportart für Sie ratsam ist. Sie sollten regelmäßig mit niedriger bis mittlerer Anstrengung trainieren, wobei die Faustregel gilt: Öfter ist besser als länger. Also lieber dreimal pro Woche für eine halbe Stunde trainieren als einmal anderthalb Stunden. Wichtig ist, sich nicht zu viel vorzunehmen. Zu Angina-pectoris-Beschwerden sollte es beim Sport auf keinen Fall kommen. Wer es etwas ruhiger angehen möchte oder muss: Schon ausgedehnte Spaziergänge drei- bis viermal in der Woche sind ein guter Anfang, gesünder zu leben.

Weniger geignet sind Sportarten, bei denen eine kurze, aber starke Belastung auftritt. Daher sind bei koronarer Herzkrankheit folgende Sportarten eher nicht zu empfehlen:

  • Tennis,
  • Mountainbike-Fahren,
  • Squash oder
  • Hanteltraining mit großen Gewichten.

Herzsportgruppen

In sogenannten Herzsportgruppen können Herzpatienten gemeinsam unter ärztlicher Aufsicht trainieren. Dort können Sie mit großer Sicherheit das für Sie optimale Herz-Kreislauf-Training absolvieren. Neben dem Sport hilft auch der Austausch mit anderen Betroffenen dabei, mit der Erkrankung besser umzugehen. Ihr behandelnder Arzt kann Ihnen Termine und Treffpunkte solcher Herzsporgruppen nennen.

Sex bei koronarer Herzkrankheit

Auch Sex ist bei koronarer Herzkrankheit keinesfalls verboten. Zu einer Überforderung, sprich Angina-pectoris-Beschwerden, sollte es jedoch auch hierbei nicht kommen.

Vorsicht ist jedoch geboten bei gleichzeitiger Einnahm

Denn die blutdrucksenkende Wirkung der Nitrate kann durch PDE-5-Hemmer lebensgefährlich gesteigert werden. Falls für befriedigenden Sex jedoch beide Medikamente notwendig sind, lässt sich mit dem Arzt in der Regel eine Therapiealternative für eines der beiden Mittel finden. Vielleicht verursacht auch ein anderes Medikament, etwa eines gegen Bluthochdruck, die Potenzprobleme und lässt sich durch ein anderes ersetzen.

Ernährung bei koronarer Herzkrankheit (KHK)

Eine gesunde Ernährung verringert das Risiko der Arteriosklerose und kann das Fortschreiten einer koronaren Herzkrankheit aufhalten. Als besonders günstig hat sich die sogenannte mediterrane Kost beziehungsweise "Mittelmeerkost" herausgestellt. Sie kann das Risiko für Herz- und Gefäßkrankheiten senken sowie auch das Risiko, erneut einen Herzinfarkt zu erleiden.

Olivenöl statt Butter

Die wichtigsten Merkmale der mediterranen Kost sind

  • der weitgehende Verzicht auf tierische Fette und ihr Ersatz durch Pflanzenöle,
  • häufiger Verzehr von Fisch anstelle von Fleisch
  • sowie viel Obst, Salat und Gemüse.

Pflanzliche Öle (besonders Olivenöl) enthalten viele ungesättigte Fettsäuren, die Fettstoffwechselstörungen vermeiden helfen. Wer Olivenöl nicht mag, kann als Quelle für ungesättigte Fettsäuren geschmacksneutrale Pflanzenöle wie Sonnenblumen-, Raps-, Soja- Distel-, Weizenkeim- oder Maiskeimöl verwenden.

Rapsöl und Seefisch enthalten besonders viele Omega-3-Fettsäuren, die in wissenschaftlichen Studien schon mehrfach ihre Schutzwirkung vor Herzinfarkt und anderen Arteriosklerosefolgen bewiesen haben.

Salz einsparen

Salz sollten Sie nur sparsam verwenden, da es den Blutdruck bei manchen Menschen erhöht. Der Spaß am Essen sollte dabei jedoch nicht zu kurz kommen. Zum Verfeinern von Speisen können Sie stattdessen frische Kräuter verwenden.

Mageres Fleisch bevorzugen

Bevorzugen Sie mageres Fleisch und tischen Sie öfters Geflügel und Fisch (frischer Seefisch) auf.

Auf das Körpergewicht achten

Ein erhöhtes Körpergewicht kann sich bei koronarer Herzkrankheit ungünstig auswirken. Bei Übergewicht ist deshalb ratsam, abzunehmen. Am besten stellen Sie dazu Ihre Ernährung dauerhaft um und bewegen sich häufiger und regelmäßiger. So bauen Sie die Pfunde langsam ab und halten langfristig Ihr Wunschgewicht.

Einen zu raschen Gewichtsverlust sollten Sie vermeiden, denn dieser belastet das Herz zusätzlich. Von Crash-Diäten ist deshalb abzuraten. Die radikale Umstellung des Stoffwechsels sorgt nach dem Ende einer solchen Diät dafür, dass das Gewicht schnell wieder steigt. So kann es zu einem Jo-Jo-Effekt kommen.

Eine empfehlenswerte Ernährung hat folgende Merkmale:

  • Sie kommt ohne teure Spezialprodukte aus.
  • Sie ist abwechslungsreich, ausgewogen und hat einen hohen Anteil an Obst und Gemüse.
  • Sie kann dauerhaft eingehalten werden.
  • Sie schmeckt.

Reisen mit koronarer Herzerkrankung

Auch Reisen ist für Menschen mit koronarer Herzkrankheit (KHK) normalerweise kein Problem. Der Abbau von Stress sowie die erhöhte körperliche und geistige Aktivität in der ungewohnten Umgebung im Urlaub wirken sich positiv auf die Herzgesundheit aus.

Eigene Grenzen kennen

Allerdings müssen KHK-Patienten den Anforderungen der Reise auch gewachsen sein. Die Angina-pectoris-Beschwerden sollten auf jeden Fall stabil sein und sich nicht verschlimmern. Auch die körperliche Leistungsfähigkeit sollte unter normalen Alltagsbedingungen nicht wesentlich eingeschränkt sein. Eine kleine Stadtbesichtigung mit Pausen sollte zum Beispiel möglich sein. Wenn bei stärkerer körperlicher Belastung Schmerzen auftreten, zum Beispiel beim Wandern in den Bergen, sollten Sie auf solche Urlaubsaktivitäten vorsichtshalber verzichten.

Krankenakte einpacken

Für einen sicheren Urlaub sollten Betroffene mit KHK ihre medizinischen Unterlagen mitführen. So können die Ärzte am Urlaubsort, falls nötig, schnell die richtigen Entscheidungen treffen. Dazu gehört eine Liste der verordneten Medikamente. Diese unterscheiden sich im Ausland jedoch möglicherweise von den in Deutschland üblichen. Notieren Sie deshalb am besten nicht nur die Handelsnamen der Präparate, sondern auch ihre Wirkstoffe. Ebenfalls mit ins Gepäck gehören:

  • die Ergebnisse der Herzuntersuchungen (Echokardiographiebefund, Katheterbericht)
  • sowie eventuell vorhandene Ausweise für einen Herzschrittmacher
  • oder Nachweise für die Therapie mit gerinnungshemmenden Mitteln.

Medikamente nicht vergessen

Die KHK-Medikamente sollten Sie auch im Urlaub regelmäßig nehmen. Das plötzliche Weglassen kann die Beschwerden verschlechtern, was gerade dort besonders ungelegen kommt. Vor der Abreise sollten Sie die Medikamente abgezählt in ausreichender Menge einpacken. Auch an die Notfallmedikamente (Nitro-Spray oder -Kapseln) sollten Sie denken, selbst wenn sie schon lange nicht mehr nötig gewesen sind. Im Urlaub können unvorhergesehene Situationen aufkommen, etwa ein längerer Fußmarsch vom Auto zur nächsten Tankstelle.

Insbesondere bei der Reise in Länder mit weniger gut ausgestattetem Gesundheitssystem kann sich der Abschluss einer Reise-Rückholversicherung lohnen.

Grippeimpfung

Menschen mit koronarer Herzkrankheit profitieren von einer jährlichen Grippeimpfung. Dank der Impfung erkranken sie nicht nur seltener an Grippe, sondern müssen auch seltener mit lebensbedrohlichen Herzkomplikationen wie einem Herzinfarkt rechnen.

Angina pectoris und koronare Herzkrankheit (KHK): Vorbeugen

Bisher gibt es keine Maßnahmen, mit der sie einer koronaren Herzkrankheit (KHK) direkt vorbeugen können. Indirekt können Sie jedoch einiges tun. Durch eine gesunde Lebensführung können sie das Erkrankungsrisiko für eine koronare Herzkrankheit senken und so auch Komplikationen wie einem Herzinfarkt vorbeugen. Verzichten Sie dazu vor allem auf das Rauchen. Übergewicht und übermäßigen Stress sollten Sie ebenfalls vermeiden.

Indem Sie Risikofaktoren ausschalten, können Sie verhindern, dass eine Arteriosklerose (Arterienverkalkung) weiter fortschreitet. Davon profitiert nicht nur Ihr Herz: Arteriosklerose ist häufig auch die Ursache von Schlaganfällen, Durchblutungsstörungen der Beine, Sehstörungen und Nierenschäden.

Daneben ist es wichtig, sich ausgewogen zu ernähren und sich viel zu bewegen.

Nehmen Sie regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen wahr, wie zum Beispiel den Gesundheits-Check-up, der ab dem 35. Lebensjahr alle zwei Jahre beim Hausarzt möglich ist. So erkennt Ihr Arzt weitere wichtige Risikofaktoren der koronaren Herzkrankheit rechtzeitig, wie etwa:

Diese Gesundheitsprobleme verursachen lange Zeit keine oder wenig Beschwerden und werden daher ohne ärztliche Untersuchung oft jahre- und jahrzehntelang nicht bemerkt. Mit einer einfachen Blutdruckmessung und einer Blutuntersuchung kann der Arzt sie jedoch feststellen.

Angina pectoris und koronare Herzkrankheit (KHK): Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Koronare Herzkrankheit (KHK), Angina pectoris":

Onmeda-Lesetipps:

Arzneimittelinformationen zu Angina pectoris Herzkatheter: Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Herzkatheteruntersuchung Herzinfarkt bei der Frau: Oft anders

Quellen:

Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2017

Roffi, M, et al.: ESC Guidelines for the management of acute coronary syndromes in patients presenting without persistent ST-segment elevation. European Heart Journal, Online-Publikation (August 2015)

Nationale Versorgungs-Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften: Chronische KHK. AWMF-Leitlinien-Register Nr. nvl/004 (Stand: Februar 2016)

Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013

Windecker, S., et al.: ESC Guidelines on myocardial revascularization. European Heart Journal, Vol. 35, pp. 2541-2619 (2014)

Kindermann, W., et al.: Sportkardiologie. Steinkopff, Darmstadt 2007

Roskamm, H., et al.: Herzkrankheiten. Springer, Heidelberg 2004

Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e.V. (DKG): Diagnose und Behandlung der chronischen koronaren Herzerkrankung. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 019/001 (Stand: März 2003)

Aktualisiert am: 14. August 2017

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