Amputations­schmerzen: Phantomschmerz

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (07. Januar 2015)

Bei Amputationsschmerzen im nicht mehr vorhandenen Körperteil (sog. Phantomschmerz) besteht die Therapie vor allem darin, die Schmerzen zu bekämpfen, denn: Anders als beim Stumpfschmerz ist es beim Phantomschmerz nicht möglich, die Schmerzursache zu beseitigen. Wie die Behandlung im Einzelnen aussieht, richtet sich nach Stärke und Dauer der Schmerzen.

Dabei ist es in jedem Fall wichtig, den Phantomschmerz schnell und konsequent zu behandeln, denn: Amputationsschmerzen im Phantomglied, die länger als ein halbes Jahr andauern, kann man nur noch schwer beeinflussen.

Die wirksamste Behandlung solcher Amputationsschmerzen besteht daher in vorbeugenden Maßnahmen – das bedeutet vor allem: eine konsequente Schmerztherapie vor und nach der Amputation, um dem Schmerzgedächtnis entgegenzuwirken. Nach der Operation stehen die unterschiedlichsten Maßnahmen gegen den Phantomschmerz zur Verfügung:

Medikamente

Beim Phantomschmerz kommen zur Therapie verschiedene Medikamente infrage. So bieten sich gegen schwere Schmerz-Attacken im Phantomglied Opiate an, zum Beispiel Morphine und verwandte Medikamente. Bei ständigen oder häufigen Phantomschmerzen ist auch eine dauerhafte Behandlung mit unterschiedlichen Medikamenten möglich (nach einem für jeden Einzelfall neu festgelegten Schema). Häufig ist auch eine Kombination aus mehreren Medikamenten und physikalischen Maßnahmen sinnvoll.

Die gegen den Phantomschmerz eingesetzten Medikamente müssen in jedem Fall ärztlich verordnet sein, gegebenenfalls in Zusammenarbeit mit einer Schmerzambulanz.

Im Einzelnen können beim Phantomschmerz zur Therapie folgende Medikamente zum EInsatz kommen:

Neuraltherapie

Gegen Amputationsschmerzen im Phantomglied kann auch ein Mittel zur örtlichen Betäubung (sog. Lokalanästhetikum) helfen: Um den Phantomschmerz zu mindern, spritzt der Arzt Ihnen dieses Mittel um eine bestimmte Region herum und unterdrückt so die Erregungsübertragung. Daher bezeichnet man diese Form der Behandlung auch als Neuraltherapie (neural = die Nerven betreffend). Speziell gegen den Phantomschmerz sind als Therapie folgende Verfahren geeignet:

  • Triggerpunktinfiltration: Bei dieser Form der Neuraltherapie behandelt man Schmerzpunkte in der Muskulatur
  • Nervenblockaden: Hierbei umspritzt der Arzt größere Nerven, die das schmerzhafte Gebiet versorgen (z.B. bei Sympathikusblockaden)

Physikalische Maßnahmen

Beim Phantomschmerz bieten sich zur Therapie zudem verschiedene physikalische Maßnahmen an. So können gegen Amputationsschmerzen im Phantomglied folgende Maßnahmen zum Einsatz kommen:

  • Prothesenanpassung
  • Massagen, Bäder, Krankengymnastik
  • TENS (transkutane elektrische Neurostimulation): Dabei hemmt man die Schmerzleitung durch Reizung (Stimulation) der Nerven mit elektrischem Strom.

Spiegeltherapie

Des Weiteren kann beim Phantomschmerz eine Therapie mit Spiegeln große Wirkungen zeigen: Ziel dieser Spiegeltherapie ist es, die Amputationsschmerzen im Phantomglied zu lindern.

Die Spiegeltherapie funktioniert ganz einfach: Man spiegelt Ihren noch vorhandenen Körperteil (z.B. Arm oder Bein) so, dass Sie den Eindruck gewinnen, die Spiegelung sei der amputierte Körperteil. Dieser optische Eindruck weckt im Gehirn eine Erinnerung an den amputierten Körperteil. Die mögliche Folge: Das Gehirn ersetzt nun die aufgrund der Amputation fehlenden Eingangssignale aus den Nerven des amputierten Körperteils nicht mehr durch einen Phantomschmerz.

Die Erfolgschancen der Spiegeltherapie beim Phantomschmerz sind umso höher, je früher die Behandlung nach der Amputation beginnt.

Ergänzende Verfahren

Bei Amputationsschmerzen im Phantomglied sind zur Therapie auch ergänzende Verfahren geeignet: Sehr gute Erfolge gegen den Phantomschmerz zeigen Akupunktur, Hypnose und Biofeedback. Häufig gelingt es durch diese Verfahren, den Bedarf an Medikamenten deutlich zu senken. Die Wirksamkeit einer solchen ergänzenden Phantomschmerz-Therapie ist allerdings in jedem Einzelfall auszutesten.


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