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HIV und AIDS: Symptome, Ursachen und Therapie

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (28. Juli 2017)

© Jupiterimages/Wavebreak Media

Wer HIV-positiv ist, muss nicht zwangsläufig auch an AIDS erkrankt sein. Jedoch kann eine HIV-Infektion nach mehrjährigem Verlauf in AIDS übergehen. Dank immer neuer Medikamente hat sich die Lebensqualität von Menschen mit HIV/AIDS in den letzten Jahren deutlich verbessert. Die Krankheit ist dadurch behandelbar, wenn auch nicht heilbar geworden.

Eine HIV-Infektion stellt in Ländern mit guter gesundheitlicher Versorgung keine akute Lebensbedrohung dar. Bei entsprechender Therapie können Infizierte über Jahre hinweg ein weitgehend normales Leben führen. Eine HIV-Infektion kann jedoch zu AIDS führen – und AIDS bleibt weiterhin eine lebensbedrohliche Krankheit.

Was ist HIV und was ist der Unterschied zu AIDS?

HIV ist die Abkürzung für Humanes Immundefizienz-Virus (auch: HI-Virus). HIV ist nicht dasselbe wie AIDS – wer sich mit HIV-infiziert hat, hat nicht automatisch AIDS. Allerdings kann eine HIV-Infektion nach mehrjährigem Verlauf in die Immunschwäche AIDS übergehen. Die Abkürzung AIDS kommt aus dem Englischen und bedeutet Acquired Immuno Deficiency Syndrome (erworbenes Immunschwäche-Syndrom).

Eine HIV-Infektion kann nach mehreren Jahren zu AIDS führen.

Was bedeutet HIV-positiv?

Hat sich eine Person mit dem HI-Virus infiziert, ist sie HIV-positiv. "HIV-Positiv" bedeutet, dass sich Antikörper im Blut nachweisen lassen, die der Körper als Antwort auf die HI-Viren gebildet hat. "Positiv" besagt in diesem Zusammenhang also nicht, dass es sich um etwas "Gutes" handelt.

Zahlen und Fakten zu HIV und AIDS

  • Weltweit waren im Jahr 2016 Schätzungen zufolge 36,7 Millionen HIV-positiv – darunter 2,1 Millionen Kinder. Viele Menschen tragen das Virus in sich, ohne es zu wissen.
  • Im Jahr 2016 haben weltweit 1,8 Millionen Menschen die Diagnose HIV-positiv erhalten.
  • Im Jahr 2016 verstarben etwa 1 Millionen Menschen an den Folgen von AIDS. Die meisten dieser Todesfälle ereigneten sich auf dem afrikanischen Kontinent südlich des Saharagürtels. Im Vergleich zu 2005 sind die Todesfallraten jedoch, wie in vielen anderen Regionen auch, dort gesunken. Ansteigende Zahlen gibt es aber dennoch: In Osteuropa, Zentralasien, dem Mittleren Osten und Nordafrika hat sich die Zahl der AIDS-Opfer zum Beispiel im selben Zeitraum erhöht.
  • In den reicheren Industrienationen infizieren sich häufig Personen mit dem HI-Virus, die zu einer Risikogruppe zählen: In Deutschland sind Männer, die Sex mit Männern haben, die Bevölkerungsgruppe, in der es zu den meisten Neuinfektionen kommt. Im Jahr 2015 waren es 2.200 Fälle. Übertragungen durch heterosexuellen Geschlechtsverkehr stehen mit 750 Fällen in Deutschland an zweiter Stelle.

AIDS und HIV im Video: Wie unterscheiden sich HIV-Infektion und AIDS?

HIV und AIDS in Deutschland

Ende 2015 lebten in Deutschland schätzungsweise etwa 84.700 Menschen, die HIV-positiv sind: rund 69.500 Männer und 15.200 Frauen. Schätzungen zufolge wissen circa 12.600 von ihnen noch nichts von ihrer Erkrankung oder haben noch keine Diagnose erhalten.

Im Vergleich zu den Vorjahren ist die Gesamtzahl der HIV-Infizierten in Deutschland gestiegen: Durch die verbesserten Therapiemöglichkeiten nimmt die Anzahl der HIV-infizierten Menschen jährlich zu, da weniger Menschen an AIDS sterben, aber gleichzeitig neue Infektionsfälle hinzukommen.

In den letzten Jahren ist die Zahl der Neudiagnosen in Deutschland relativ konstant. Schätzungen zufolge haben im Jahr 2015 rund 3.200 Menschen die Diagnose HIV erhalten. Im Jahr 2014 waren es ebenfalls 3.200, 2013 waren es etwa 3.800 Personen.

AIDS und HIV-Infektion: Mögliche Symptome

Eine HIV-Infektion läuft in mehreren Stadien ab. Erst Jahre nach der Ansteckung führt HIV zu AIDS. Welche Symptome bei HIV und AIDS auftreten, hängt davon ab, in welcher Erkrankungsphase sich der Betroffene befindet. Je nachdem, wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist, teilen Mediziner eine HIV-Infektion in die Kategorien A, B oder C ein. Erst, wenn Kategorie C erreicht ist, spricht man von AIDS:

  • Kategorie A: akute HIV-Erkrankung, anschließende symptomfreie Phase
  • Kategorie B: Symptome der chronischen HIV-Infektion
  • Kategorie C: AIDS

Die Symptome von HIV bzw. AIDS sind davon abhängig, welches Stadium der HIV-Infektion erreicht ist.

Wichtig zu wissen: Die Kategorien geben zwar Auskunft darüber, wie fortgeschritten die Infektion ist – nicht aber, wie gut das Immunsystem des Betroffenen noch funktioniert. Daher geben Ärzte bei der Beurteilung des Verlaufs durch eine Ziffer zusätzlich an, wie viele Immunzellen (T-Helferzellen) im Blut des Patienten vorhanden sind:

  • Die Ziffer 1 bedeutet, dass noch ausreichend T-Helferzellen vorhanden sind (mehr als 500 pro Mikroliter Blut).
  • Die Ziffer 2 bedeutet, dass noch eine mittlerer Anzahl T-Helferzellen vorhanden ist (zwischen 200 und 500 T-Helferzellen pro Mikroliter Blut).
  • Die Ziffer 3 bedeutet, dass nur noch wenige T-Helferzellen vorhanden sind (weniger als 200 pro Mikroliter Blut).

Auf diese Weise können Mediziner das Stadium der Erkrankung genau bestimmen – von Kategorie A1 bis hin zu Kategorie C3.

Inkubationszeit: Es vergehen oft viele Jahre

Die Zeit von der Ansteckung mit HIV bis zum Ausbruch von AIDS (Inkubationszeit), kann unterschiedlich lang sein. Sie beträgt zwischen einigen Monaten und mehr als 15 Jahren. Mehrere Faktoren wie Medikamente, Lebensstil, psychische Verfassung und Begleiterkrankungen beeinflussen die Dauer dieser Phase.

Stadium/Kategorie A: Akute HIV-Erkrankung und Latenzphase

Etwa ein bis sechs Wochen nach der Ansteckung zeigen einige – jedoch nicht alle – Betroffene Anzeichen einer sogenannten akuten HIV-Erkrankung.

Die Symptome einer akuten HIV-Erkrankung ähneln oft einer Erkältung (grippaler Infekt). Mögliche Anzeichen sind zum Beispiel

Die Symptome sind mitunter nur schwach ausgeprägt und klingen nach einiger Zeit wieder ab, sodass die Betroffenen keinen Anlass sehen, den Arzt aufzusuchen. Andere Infizierte haben gar keine Anzeichen für eine HIV-Infektion.

Das Bild zeigt einen Mann mit Kopfschmerzen und einem Fieberthermometer im Mund. © Jupiterimages/BananaStock

Einige Zeit nach der Ansteckung können Symptome auftreten, die an einen grippalen Infekt erinnern.

Nach der Phase der akuten Infektion können Monate oder auch Jahre vergehen, bis erneut Symptome auftreten. Diese weitgehend beschwerdefreie Phase bezeichnen Ärzte als Latenzphase. Im Durchschnitt hält sie rund zehn Jahre an.

Bei etwa 4 von 10 HIV-Infizierten kann sich während der Latenzphase das sogenannte Lymphadenopathie-Syndrom (LAS) bilden. Dabei schwellen die Lymphknoten in verschiedenen Körperregionen über mindestens drei Monate hinweg an, ohne dass weitere Symptome auftreten.

Stadium/Kategorie B: Symptome der chronischen HIV-Infektion

Im weiteren Verlauf einer HIV-Infektion können ganz unterschiedliche Beschwerden auftreten, die jedoch noch nicht als AIDS bezeichnet werden. Mögliche Symptome sind zum Beispiel:

Immer wieder können auch Phasen auftreten, in denen der Patient keine oder nur wenige Beschwerden hat.

Stadium/Kategorie C: AIDS

Mit Fortschreiten der Infektion entsteht im Laufe der Zeit der schwere Immundefekt AIDS (früher auch "Vollbild AIDS" genannt). Das Immunsystem kann sich immer weniger gegen Krankheitserreger wehren. Dies führt zu verschiedenen Beschwerden wie

  • dem Wasting-Syndrom,
  • der HIV-assoziierte Enzephalopathie
  • und sog. opportunistische Infektionen.


Wasting-Syndrom: Fieber, Gewichtsverlust, Durchfall

Das sogenannte Wasting-Syndrom äußert sich durch Anzeichen wie

  • starken Gewichtsverlust (über 10 % des Körpergewichts),
  • Fieber und Abgeschlagenheit sowie
  • lang andauernde Durchfälle.


HIV-assoziierte Enzephalopathie: Schädigung des Gehirns

Greift das HI-Virus direkt das Nervengewebe an, sprechen Ärzte von einer HIV-assoziierten Enzephalopathie, HIVE). Dabei können Funktionsstörungen des Gehirns auftreten – bis hin zur Demenz.

Opportunistische Infektionen: Keime greifen das Immunsystem an

Durch die HIV-Infektion ist der menschliche Körper zunehmend geschwächt. Diese Gelegenheit (lat. opportunitas) nutzen Krankheitserreger aus: Viren, Bakterien, Parasiten & Co. haben jetzt leichtes Spiel. Erkrankungen, die daraus entstehen, bezeichnen Ärzte als opportunistische Infektionen. Dazu zählen zum Beispiel:

Zudem können Pilze die Speiseröhre, die Luftröhre, die Bronchien oder die Lunge befallen. Auch treten häufiger Herpes-Infektionen in Lunge, Speiseröhre oder Magen auf.

Besonders typisch für AIDS sind Erkrankungen und Infektionen, die in der Bevölkerung normalerweise nur selten vorkommen. Hierzu zählen zum Beispiel:

AIDS und HIV-Infektion: HIV-Übertragung

Nur Personen, die sich mit dem Humanen Immundefizienz-Virus (HIV) angesteckt haben, können im Laufe der Zeit AIDS entwickeln.

Mediziner unterscheiden zwei Arten von HIV:

  • HIV-1, das weltweit vorkommt, und
  • HIV-2, das hauptsächlich in West-Afrika zu finden ist.
Das Bild zeigt die schematische Darstellung des Aidsvirus.

Schematische Darstellung des HI-Virus

Die Erbsubstanz des HI-Virus ist von einer Eiweißhülle umgeben. Die Beschaffenheit dieser Hülle ermöglicht dem Virus, sich an menschliche Immunzellen wie die T-Helferzellen, auch T-Zellen genannt, anzuheften. Die befallenen T-Zellen werden letztlich durch das Virus zerstört. Die Folge: Das Immunsystem wird langfristig geschwächt. Erreger können sich leichter ausbrechen und zu verschiedenen Erkrankungen führen.

Das HI-Virus: Ein sogenanntes Retrovirus

Das HI-Virus besteht aus der Erbsubstanz RNA (Ribonukleinsäure) – im Gegensatz zu vielen anderen Viren oder auch menschlichen Zellen, die ihre genetische Information in Form von DNA (Desoxyribonukleinsäure) speichern. Wissenschaftler bezeichnen HIV daher als RNA-Virus und zählen es zur Gruppe der Retroviren.

HIV-Übertragung

Das HI-Virus wird vor allem durch Blut und Sperma übertragen. Besonders gefährdet sind daher Menschen, die ungeschützten Geschlechtsverkehr haben – oder Drogenabhängige, die benutzte Spritzen tauschen (sog. Needle-Sharing).

Mehr als 90 Prozent der HIV-Infektionen sind auf sexuellen Kontakt zurückzuführen. Die meisten der Betroffenen sind Männer, die Sex mit Männern haben; an zweiter Stelle folgt die Gruppe der Heterosexuellen, gefolgt von Drogenabhängigen, die sich Spritzen setzen.

Eine HIV-Übertragung durch sexuellen Kontakt entsteht durch

  • ungeschützten eindringenden oder aufnehmenden Anal- oder Vaginalverkehr (hohes Infektionsrisiko) oder,
  • wenn Samenflüssigkeit in den Mund gelangt (geringes Risiko).

Es ist auch möglich, dass eine HIV-positive Mutter ihr Kind bei der Geburt infiziert. Das Risiko, dass das Virus auf das Baby übertragen wird, ist ohne vorbeugende Maßnahmen hoch – es beträgt etwa 20 Prozent. Dank entsprechender Vorsorgemöglichkeiten kann das Risiko allerdings deutlich gesenkt werden. Weniger als 1 von 100 aller HIV-Übertragungen entstehen in Deutschland im Rahmen einer Geburt.

Auch bei einer Organtransplantation besteht theoretisch die Möglichkeit, sich anzustecken, wenn der Spender HIV-positiv ist. In Deutschland ist jedoch das Risiko, sich über eine Bluttransfusion mit HIV anzustecken, dank strenger Kontrollmaßnahmen mittlerweile nahezu ausgeschlossen.

Wie hoch ist das Ansteckungsrisiko?

Wie wahrscheinlich ist es, sich mit HIV anzustecken? Das Risiko hängt von verschiedenen Faktoren ab. Den größten Einfluss hat die Anzahl der übertragenen Erreger: Je mehr Erreger in den Körper gelangen, desto wahrscheinlicher ist es, sich mit HIV anzustecken. Außerdem spielen bestimmte Eigenschaften des Erregers (die sog. Virulenz, also die Fähigkeit, eine Erkrankung auszulösen) und der persönliche Gesundheitszustand eine Rolle.

Es ist sehr schwer, exakt anzugeben, wie groß das individuelle Risiko ist, sich mit HIV zu infizieren. Es gibt Beispiele, bei denen ein einziger Risikokontakt zu einer Infektion führt, ebenso kann es sein, dass jahrelanger ungeschützter Sexualkontakt mit einer HIV-infizierten Person folgenlos bleibt.

Nicht zuletzt spielt es auch eine Rolle, in welcher Form man mit dem Erreger in Kontakt kommt. Die höchsten Viruskonzentrationen befinden sich in der Regel in

  • Blut,
  • Samenflüssigkeit,
  • Scheidenflüssigkeit (Vaginalsekret)
  • und auf der Oberfläche der Schleimhäute (etwa auf der Darmschleimhaut).

In anderen Körperflüssigkeiten ist das HI-Virus in deutlich geringeren Konzentrationen zu finden – zum Beispiel im Speichel. Eine HIV-Übertragung durch Küssen ist nur in der Theorie denkbar. Weltweit wurde bisher kein solcher Fall beobachtet.

HIV wird nicht durch Tröpfcheninfektion, also Anhusten oder Anniesen, übertragen. Auch durch Hautkontakt wie Streicheln oder Händeschütteln ist keine HIV-Übertragung möglich.

AIDS und HIV-Infektion: Diagnose

Je früher HIV beziehungsweise AIDS erkannt und behandelt werden, desto besser. Bei einem konkreten Verdacht sollte man daher unbedingt einen HIV-Test machen. Diesen Test bieten die regionalen Gesundheitsämter kostenfrei und anonym an.

Ist das Testergebnis negativ, bedeutet das, dass keine Antikörper gegen das HI-Virus gefunden wurden – eine HIV-Infektion ist mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen. Ein positiver Test kann in seltenen Fällen auch bei Personen vorliegen, die gar nicht mit HIV infiziert sind. Deshalb wird bei einem positiven Testergebnis zur Sicherheit immer ein zweiter, noch genauerer Test gemacht.

Der HIV-Test ist kein AIDS-Test

Umgangssprachlich ist fälschlicherweise oft vom "AIDS-Test" die Rede, wenn eigentlich der HIV-Test gemeint ist. Der HIV-Test weist lediglich nach, ob sich eine Person mit dem HI-Virus angesteckt hat. Das heißt aber nicht, dass der Betroffene bereits an AIDS erkrankt ist.

Man sieht einen HIV-Test. © Jupiterimages/iStockphoto

Ein HIV-Test weist nach, ob sich eine Person mit dem HI-Virus infiziert hat.

Steht die Diagnose HIV fest, sollte man sich direkt in fachgerechte ärztliche Betreuung begeben. Mittlerweile gibt es in jeder deutschen Großstadt sogenannte HIV-Schwerpunktpraxen, die sich fast ausschließlich auf die Behandlung von HIV und AIDS spezialisiert haben.

Mithilfe verschiedener Bluttests kann der Arzt nicht nur Antikörper gegen das Virus oder auch Bestandteile des Virus selbst nachweisen. Es ist auch möglich, die Anzahl der Viren im Blut bestimmen. Dieser Wert heißt auch Viruslast. Die Viruslast ist neben der Zahl der T-Helferzellen ein wichtiger Wert, der dem Arzt erlaubt, den Verlauf einer HIV-Infektion oder von AIDS zu beurteilen.

AIDS und HIV-Infektion: Therapie

HIV beziehungsweise AIDS sind bislang nicht heilbar. Ziel der Therapie ist es, den Übergang in eine AIDS-Erkrankung so lange wie möglich hinauszuzögern und Beschwerden, die mit der Erkrankung in Zusammenhang stehen, zu lindern. Ist AIDS bereits ausgebrochen, ist es darüber hinaus wichtig, auch mögliche Folgeerkrankungen zu behandeln – zum Beispiel eine Lungenentzündung oder eine Darminfektion.

Mehr als Medikamente

Eine gesunde Lebensführung trägt dazu bei, dass das Immunsystem nicht zusätzlich geschwächt wird. Viele HIV-Infizierte profitieren außerdem von einer psychosozialen Betreuung und dem Austausch mit anderen Betroffenen.

Therapie mit Medikamenten

Gewisse Einzelschritte der Virusvermehrung bei der HIV-Infektion sind bereits gut erforscht. So konnten Forscher verschiedene Medikamente entwickeln, die ganz bestimmte Abläufe des Zellbefalls hemmen.

Mediziner setzen bei der HIV-Therapie auf eine Kombination verschiedener Medikamente. Die Behandlung bezeichnen Ärzte auch als antiretrovirale Therapie beziehungsweise hochaktive antiretrovirale Therapie. Der Betroffene muss die Medikamente ein Leben lang regelmäßig einnehmen.

Im Wesentlichen kommen Wirkstoffe aus folgenden Medikamentengruppen zum Einsatz:

  • Entry-Inhibitoren mit Wirkstoffen wie Enfuvirtid oder Maravirox hemmen das Eindringen des HI-Virus in die menschlichen Zellen. Sie verhindern, dass die Viren an die Immunzellen andocken und/oder, dass die Virushülle mit der Zellmembran verschmilzt (sog. Fusion).
  • Reverse-Transkriptase-Hemmer blockieren ein spezielles Virusenzym, das die Erbinformation des Virus (RNA) in DNA "übersetzen" kann: die Reverse Transkriptase. Man unterscheidet in dieser Medikamentengruppe
    •  Nukleosid- bzw. Nukleotid-Analoga (NRTI bzw. NtRTI) wie Lamivudin, Tenofovir, Emtricitabin, Abacavir oder Zidovudin von den
    •  nicht-nukleosidischen Reverse-Transkriptase-Hemmern (NNRTI) wie Efavirenz, Rilpivirin und Nevirapin.
    • Integrase-Hemmer (Integrase-Inhitoren) blockieren ein bestimmtes Virusenzym, die Integrase. Integrase baut die "übersetzte" HIV-DNA in die Erbinformation der Immunzellen ein. Integrase-Hemmer wie die Wirkstoffe Raltegravir, Dolutegravir oder Elvitegravir versuchen, die Integrase an ihrer Arbeit zu hindern.
    • Protease-Hemmer stören ein weiteres HIV-Enzym, die HIV-Protease. Ist eine Zelle mit dem HI-Virus infiziert, bildet sie Bausteine aus Eiweiß (Proteine), aus denen neue HI-Viren zusammengesetzt werden können. Die HIV-Protease spielt beim Zusammenbau dieser Proteine eine wichtige Rolle. Protease-Hemmer sorgen dafür, dass weniger funktionsfähige Viren in den befallenen Zellen entstehen. Beispiele für Protease-Hemmer sind die Wirkstoffe Atazanavir, Darunavir, Lopinavir und Fosamprenavir.

    Die Kombinationstherapie besteht mindestens aus drei verschiedenen Medikamenten; in der Regel wählt der Arzt bei Erstbehandlung (sog. First-Line-Therapie)

    • zwei Nukleosid- oder Nukleotid-Reverse-Transkriptase-Hemmer und
    • einen nicht-nukleosidischen Reverse-Transkriptase-Hemmer (alternativ: Protease- oder Integrasehemmer).

    Lässt die Wirkung dieser Behandlung im Verlauf der Erkrankung nach, kann der behandelnde Arzt die medikamentöse Therapie umstellen.

    Resistenzentwicklung des HI-Virus

    Das HI-Virus mutiert im Laufe der Zeit – das heißt die Erbinformation des Virus und die Oberflächenbeschaffenheit seiner Hülle verändern sich.

    Schon kleine Veränderungen des HI-Virus können dazu führen, dass Medikamente nicht mehr oder nicht mehr ausreichend wirken – das Virus ist dann resistent gegen ein oder mehrere Medikamente geworden.

    Daher ist es für die behandelnden Ärzte eine besondere Herausforderung, eine wirksame HIV-Therapie anzubieten. Aus diesem Grund versucht man durch die Kombination verschiedener Substanzen ein Mindestmaß an Wirkung zu erzielen.

    Ein gutes Vertrauensverhältnis zwischen Patient und Arzt fördert die Mitarbeit des Patienten: Wenn der Patient beispielsweise Nebenwirkungen befürchtet, so sollte er dies mit dem Arzt offen besprechen können und nicht selbstständig die Tablettenzahl reduzieren oder das Präparat ganz absetzen. Der Arzt kann durch Aufklärung die Ängste nehmen oder in Absprache mit dem Betroffenen auf ein anderes Medikament ausweichen.

    Je nach Medikament kann die Einnahme mit verschiedenen Nebenwirkungen verbunden sein. Bei starken Nebenwirkungen wird der Arzt möglicherweise andere Medikamenten-Kombinationen vorschlagen.

    AIDS und HIV-Infektion: Verlauf

    Der Verlauf einer HIV-Infektion kann sehr unterschiedlich sein. Tage bis Monate nach der Ansteckung mit dem HI-Virus entsteht bei einem Teil der Infizierten die akute HIV-Erkrankung. Die Symptome ähneln teilweise denen eines grippalen Infekts, also einer normalen Erkältung. Es folgt ein krankheitsfreier Abschnitt von mehreren Jahren bis Jahrzehnten. Bricht dann irgendwann AIDS aus, können ganz unterschiedliche Beschwerden und Erkrankungen die Folge sein – der genaue Verlauf ist nicht absehbar.

    Die Prognose einer HIV-Infektion/von AIDS hat sich in den letzten Jahren dank der Entwicklung neuer Medikamente erheblich verbessert. Sind die Patienten ansonsten gesund, können sie durch eine rechtzeitige Behandlung eine annähernd normale Lebenserwartung erreichen.

    Zu ungünstigen Prognosefaktoren zählen eine erhöhte Viruslast (Anzahl von HI-Viren im Blut) sowie eine niedrige Anzahl von T-Helferzellen im Blut. Auch wenn HIV/AIDS bis heute nicht heilbar ist, versterben im Vergleich zu früher deutlich weniger Infizierte an den Folgen einer HIV-Infektion. Dies gilt besonders für Betroffene in Industrieländern, da dort moderne Medikamente verfügbar sind. In vielen armen Ländern ist die Versorgung von HIV-Infizierten und AIDS-Kranken deutlich schlechter.

    AIDS und HIV-Infektion: Vorbeugen

    Obwohl HIV und AIDS bereits seit Jahrzehnten bekannt sind, wissen viele Menschen weiterhin nicht genug über die Erkrankung. Vor allem wissen sie oft nicht, auf welchem Weg man sich infizieren kann – und wann keine Ansteckungsgefahr besteht.

    So kann man sich anstecken – und so nicht

    HIV wird im Wesentlichen über BlutSperma und Scheidensekret übertragen. Daher ist das Ansteckungsrisiko im alltäglichen Umgang mit AIDS-Erkrankten oder HIV-Infizierten sehr gering:

    • Jeder soziale Kontakt in Beruf und Privatleben mit Händereichen, Umarmen und Ähnlichem ist völlig unbedenklich.
    • Auch das gemeinsame Benutzen von Besteck, Geschirr, Gläsern, Toiletten oder Handtüchern ist unbedenklich.
    • Es gibt keinerlei Hinweise auf ein erhöhtes Infektionsrisiko für Menschen, die mit einer infizierten Person im selben Haushalt leben. Dabei sollte man natürlich gewisse Vorsichtsmaßnahmen einhalten und zum Beispiel einen Rasierer nicht gemeinsam benutzen, da über kleinere Verletzungen ein geringes Infektionsrisiko besteht.

    Ein Ansteckungsrisiko hingegen stellen sexuelle Kontakte dar – egal, ob es sich um hetero- oder homosexuelle Kontakte handelt. Doch dieses Risiko können Sie deutlich minimieren!

    Safer Sex – Kondome schützen

    Studien zeigen: Immer mehr Menschen verwenden regelmäßig Kondome. Die Grundregeln für Safer Sex sind ganz einfach: Blut, Sperma oder Scheidenflüssigkeit dürfen nicht auf verletzte, offene Hautstellen oder auf die Schleimhäute des Sexualpartners gelangen. Beim Anal- oder Vaginalverkehr sollten Sie deshalb Kondome verwenden. Ohne Kondom ist das Infektionsrisiko erhöht, da beim Geschlechtsverkehr auch immer kleine Verletzungen entstehen können.

    Beim Oralverkehr ist wichtig, dass weder Sperma noch Vaginalsekret auf die Mundschleimhaut, Zunge oder Lippen gelangen. Wenn Sie diese Vorsichtsmaßnahmen beachten, ist der Geschlechtsverkehr unbedenklich. Küssen ist ungefährlich.

    Ein Paar umarmt sich, die Frau greift in seine Hosentasche und zieht ein Kondom heraus. © Jupiterimages/Hemera

    Kondome schützen vor einer HIV-Infektion durch Geschlechtsverkehr!

    Umgang mit HIV-infizierten Kindern

    Kleine Kinder toben gern herum und raufen auch mal miteinander. Dabei kommt es vor, dass sie sich kratzen, schlagen oder beißen. Trotzdem ist ein HIV-infiziertes Kind für andere Kinder keine Gefahr. Weltweit hat es durch raufende Kinder keinen dokumentierten Fall einer HIV-Übertragung gegeben. Eltern sind zwar nicht verpflichtet, die Erzieher im Kindergarten über die HIV-Infektion des Kindes zu informieren, zum Schutz des HIV-infizierten Kindes kann es aber sinnvoll sein. So kann man etwa bei einem Masernfall im Kindergarten das Kind eher zu Hause lassen.

    Schwangerschaft und HIV/AIDS

    Eine HIV-positive Mutter kann das Virus während der Schwangerschaft, während der Geburt oder in der Stillzeit auf ihr Kind übertragen. Mithilfe verschiedener Maßnahmen kann man dieses Risiko aber deutlich reduzieren. Hierzu zählen unter anderem:

    • eine medikamentöse Therapie (sog. Transmissionsprophylaxe) während der Schwangerschaft und eine medikamentöse Behandlung beim Neugeborenen
    • ein Kaiserschnitt; nach dem Kaiserschnitt erhält das Neugeborene vorübergehend Medikamente gegen HIV
    • der Verzicht auf Stillen

    Paare mit Kinderwunsch, bei denen ein Partner mit HIV infiziert beziehungsweise an AIDS erkrankt ist, können sich in Deutschland an spezielle Zentren wenden. Dort ist die künstliche Befruchtung eines Kindes möglich, ohne dass HIV übertragen wird.

    Impfung

    Während die Therapie von HIV und AIDS in den letzten Jahren wesentlich verbessert wurde, fehlt es nach wie vor an einem wirksamen Impfstoff.

    Eine Schwierigkeit bei der Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs ist die extreme Wandlungsfähigkeit von HIV. Aufgrund der zahlreichen Mutationen des Virus gibt es inzwischen Dutzende von Untertypen, für die man jeweils eigene Impfstoffe braucht.

    Postexpositionsprophylaxe (PEP)

    In manchen Fällen können antiretrovirale Medikamente frühzeitig verhindern, dass sich HIV im Körper ausbreitet. Diese sogenannte Postexpositionsprophylaxe, kurz PEP, ist nur dann sinnvoll, wenn das Risiko tatsächlich sehr hoch ist, dass sich eine Person mit dem Virus angesteckt hat. Die PEP muss frühzeitig nach der Ansteckungssituation erfolgen, am besten innerhalb von zwei Stunden, spätestens nach 48 Stunden.

    Auf einen Blick: Beugen Sie vor

    Wenn Sie einige Verhaltensmaßnahmen beachten, können Sie das Risiko für eine HIV-Ansteckung – und somit auch für AIDS – gering halten:

    • Safer Sex: Vermeiden Sie Praktiken, bei denen BlutSperma, oder Scheidenflüssigkeit auf Schleimhäute oder verletzte/erkrankte Haut gelangen kann. Verwenden Sie deshalb beim Geschlechtsverkehr Kondome. Achten Sie darauf, dass bei Oralverkehr kein Sperma und keine Scheidenflüssigkeit in den Mund gelangt.
    • Vermeiden Sie Geschlechtsverkehr mit häufig wechselnden Partnern – eine Beziehung bietet nur dann einen zuverlässigen Schutz vor HIV und AIDS, wenn sich die Partner Vertrauen entgegen bringen und mögliche Seitensprünge offen besprechen können.
    • Wenn Sie sich Entwicklungsländern aufhalten: Versuchen Sie eine medizinische Versorgung zu umgehen, die mit Blut oder dem Einsatz von Spritzen zusammenhängt, wenn diese nicht dringend notwendig ist.
    • Drogenabhängige sollten Einmalspritzen verwenden. Diese werden in jeder größeren Stadt kostenlos ausgegeben.
    • Vermeiden Sie es, Rasierklingen oder andere Gegenstände, die mit frischen Körperflüssigkeiten in Kontakt kommen, mit mehreren Personen zu teilen.

    AIDS und HIV-Infektion: Weitere Informationen

    ICD-10-Diagnoseschlüssel:

    Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "AIDS und HIV-Infektion":


    Onmeda-Lesetipps:

    Arzneimittelinformationen zu AIDS
    AIDS-Quiz
    HIV-Pep (Postexpositionsprophylaxe)
    HIV-Test

    Linktipps:

    Die BZgA-Telefonberatung zu HIV und AIDS
    Mo - Do: 10 - 22 Uhr ; Fr - So: 10 - 18 Uhr. Telefon: 01805 555 444 (14 Cent pro Min. aus dem Festnetz, Mobilfunk max. 42 Cent pro Minute)

    www.bzga.de
    Liste aller AIDS-Beratungsstellen in Deutschland

    www.gib-aids-keine-chance.de
    Infos der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) rund um AIDS und Prävention

    www.aidshilfe.de
    Die Deutsche AIDS-Hilfe (DAH) wurde 1983 in Berlin gegründet und ist seit 1985 der bundesweite Dachverband der örtlichen AIDS-Hilfen.

    www.aids-stiftung.de
    Die Deutsche AIDS-Stiftung in Bonn ist im Herbst 1996 durch den Zusammenschluss der Nationalen AIDS-Stiftung (NAS) und der Deutschen AIDS-Stiftung 'Positiv leben' (DASPl) entstanden.

    www.lovelife.ch
    Eine Präventationskampagne des schweizerischen Bundesamts für Gesundheit (BAG)

    www.positivhandeln.de
    Diese Internetseite wendet sich an Menschen mit HIV / AIDS und ist Bestandteil der ersten landesweiten Selbsthilfekampagne für HIV-Positive. Die Idee für die Kampagne stammt von HIV-positiven Männern und Frauen aus NRW und wird durch sie getragen.

    Buchtipps:

    Endlich mal was Positives – Offensiv & optimistisch: Mein Umgang mit HIV

    http://i.onmeda.de/buch_gerschwitz_positives.gifMatthias Gerschwitz

    96 Seiten Books on Demand 2009

    Es gibt viele Bücher zu HIV und AIDS, aber nur wenige, die einen direkten Einblick in das Leben mit dem Virus geben. In "Endlich mal was Positives" beschreibt Matthias Gerschwitz, der 1994 das positive HIV-Testergebnis erhielt, seinen Umgang mit der Infektion ohne Larmoyanz oder Betroffenheit, sondern optimistisch, informativ und manchmal auch etwas provokativ. Das Buch wendet sich nicht nur an von der Krankheit Betroffene und ihr Umfeld, sondern insbesondere an alle diejenigen, die bislang keine Notwendigkeit sahen, sich mit der Infektion zu befassen oder befassen zu müssen oder die immer noch glauben, sie wären sicher vor HIV. Eine trügerische Einstellung, denn es kann jeden treffen, egal, ob Mann oder Frau, ob homo-, bi- oder heterosexuell. Das Virus ist nicht wählerisch. "Endlich mal was Positives" ist teils Tagebuch, teils Statement. Der Erfahrungsbericht zeigt, dass man mit HIV das Lachen nicht verlernen muss und auch mit einer unheilbaren Krankheit zukunftsorientiert leben kann. Und das ist doch endlich mal was Positives.

    Quellen:

    Online-Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): www.gib-aids-keine-chance.de (Abrufdatum: 27.7.2017)

    Pressemitteilung des Deutschen Ärzteblatts: HIV: WHO warnt vor Zunahme von Resistenzen (26.7.2017)

    UNAIDS: Fact sheet 2017 (Stand: Juli 2017)

    Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2017

    HIV/AIDS. Fact sheet der Weltgesundheitsorganisation (WHO): www.who.int (Stand: Juli 2017)

    Leitlinien der Deutschen AIDS-Gesellschaft (DAIG): HIV-Therapie in der Schwangerschaft und bei HIV-exponierten Neugeborenen. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 055/002 (Stand: 31.3.2017)

    Epidemiologisches Bulletin 45/2016: Schätzung der Zahl der HIV-Neuinfektionen und der Gesamtzahl von Menschen mit HIV in Deutschland. Robert Koch-Institut (14.11.2016)

    Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): AIDS im öffentlichen Bewusstsein der Bundesrepublik Deutschland 2016. Kurzbericht. Online-Publikation: www.bzga.de (Stand: Mai 2016)

    HIV/AIDS. RKI-Ratgeber für Ärzte. Online-Informationen des Robert Koch-Instituts (Stand: 8.3.2016)

    Baenkler, H.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2015

    Leitlinien der Deutschen AIDS-Gesellschaft (DAIG): Antiretrovirale Therapie der HIV-Infektion. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 055/001 (Stand: 13.5.2014)

    Aktualisiert am: 28. Juli 2017

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