Affektive Störungen: Erblich bedingte Faktoren

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (15. April 2015)

Erbliche Faktoren können affektive Störungen begünstigen. Ein Hinweis hierfür ist die Tatsache, dass unter Verwandten ersten Grades affektive Störungen gehäuft auftreten: Wenn beispielsweise ein Elternteil oder Geschwister eine affektive Störung haben, besteht eine Wahrscheinlichkeit von 10 bis 15 Prozent, dass eine Person dieselbe Störung entwickelt. Sind beide Elternteile von einer affektiven Störung betroffen, beträgt das Erkrankungsrisiko des Kindes 30 bis 40 Prozent. Liegt eine affektive Störung bei einem eineiigen Zwilling vor, so ist der andere Zwilling mit einer 70-prozentigen Wahrscheinlichkeit ebenfalls betroffen.

Biologische Faktoren

Bei Menschen mit affektiven Störungen kann man Veränderungen bestimmter chemischer Botenstoffe im Gehirn (sog. Neurotransmitter) feststellen, die an der Weiterleitung von Nervenreizen beteiligt sind:

  • Bei einer Depression liegen die Botenstoffe Noradrenalin und Serotonin in zu geringen Mengen vor. Medikamente, welche die Konzentration dieser Botenstoffe im Gehirn erhöhen, helfen gegen Depressionen.
  • Bei einer Manie hingegen liegen die Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin in erhöhter Konzentration vor.

Inzwischen geht man davon aus, dass affektive Störungen auf ein gestörtes Gleichgewicht zwischen den Botenstoffen zurückgehen. Außerdem sind bei depressiven Personen oftmals die Rezeptoren im Gehirn verändert, auf die die Botenstoffe einwirken.

Bei manchen Betroffenen mit affektiven Störungen weist die Aktivität verschiedener Hirngebiete Besonderheiten auf: Während bei depressiven Personen die Hirnstrukturen, die mit der Entwicklung von Zielen im Zusammenhang stehen, weniger aktiv sind, sind Gebiete, die an der Entstehung negativer Gefühle beteiligt sind, übermäßig erregt.

Außerdem scheint auch ein gestörter Hormonhaushalt affektive Störungen zu begünstigen. So liegt beispielsweise bei manchen Menschen, die depressiv sind, ein Überschuss des Hormons Kortisol vor. Möglicherweise steht dies in Verbindung mit dem gestörten Botenstoffhaushalt im Gehirn: Eine hohe Kortisolkonzentration kann zum Beispiel die Dichte der Serotoninrezeptoren verringern. Eine depressive Störung kann auch durch einen plötzlichen Abfall der Hormone Östrogen und Progesteron nach einer Geburt verursacht werden (sog. Wochenbettdepression).


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