Affektive Störungen: Diagnose

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (15. April 2015)

Aufgrund der verschiedenen Symptome und Formen ist es recht schwierig, affektive Störungen zu diagnostizieren. So können die Stimmungsstörungen der Betroffenen als

  • Manie (d.h. abnorm gehobene Stimmung),
  • als Depression (d.h. gedrückte Stimmung) oder
  • als bipolare Störung (manische und depressive Episoden im Wechsel) auftreten.

Die Stimmungsstörungen können milde bis stark ausgeprägt sein. Zudem unterscheiden sie sich darin, wie häufig sie vorkommen und wie lange sie jeweils anhalten. Dabei ist es wichtig, eine affektive Störung möglichst schnell zu erkennen: Umso früher können sich die Betroffenen (und – falls gewünscht – ihre Angehörigen) über die Störung und deren Behandlungsmöglichkeiten beraten lassen und Hilfe in Anspruch nehmen.

Vor allem für bipolare affektive Störungen (manisch-depressive Erkrankungen) gelingt die richtige Diagnose häufig erst spät: Wer manisch-depressiv ist, begibt sich meist während einer depressiven Phase in Behandlung, sodass die behandelnden Ärzte oft zunächst eine unipolare Depression diagnostizieren. Um die Diagnose "bipolare Störung" stellen zu können, muss der Arzt jedoch auch Hinweise auf frühere manische Symptome finden, zum Beispiel im Rahmen einer ausführlichen Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese). Erst wenn beide Symptome – also manisch und depressiv – nachgewiesen sind, steht die Diagnose fest. Da aber Personen mit einer bipolaren affektiven Störung die Anzeichen einer Manie oder Hypomanie selbst häufig nicht als krankhaft wahrnehmen, bleibt der charakteristische Wechsel der Stimmungslagen oft lange unentdeckt.

Daher sind ausführliche Gespräche über die bestehenden und früheren Symptome nötig, um affektive Störungen zu diagnostizieren. Als Hilfestellung für die Diagnose dienen häufig strukturierte Interviewleitfäden. Außerdem stehen verschiedene Fragebögen zur Verfügung, um die typischen Krankheitsanzeichen zu erfassen. Hierbei geht es sowohl um die Selbstbeurteilung der erkrankten Personen als auch um Angaben von Angehörigen. Entscheidend für die Diagnose von affektiven Störungen ist, welche Beschwerden wie stark ausgeprägt sind und wie lange sie bestehen: So gilt etwa eine manische Episode erst dann als diagnostiziert, wenn mindestens eine Woche lang wenigstens drei der folgenden Merkmale vorlagen und die affektive Störung so stark ausgeprägt ist, dass sie die berufliche und soziale Funktionsfähigkeit beeinträchtigt:

  • unangemessen gehobene Stimmung
  • Euphorie oder Gereiztheit
  • erhöhter Antrieb
  • Rededrang
  • vermindertes Schlafbedürfnis und Größenwahn

Außerdem ist es wichtig, affektive Störungen bei der Diagnose sorgfältig von anderen psychotischen Störungen abzugrenzen (sog. Differenzialdiagnose): So kann eine affektive Störung mit manischen oder gemischten Episoden zum Beispiel ähnliche Symptome auslösen wie eine Schizophrenie (z.B. Denkstörungen, Wahnvorstellungen und Halluzinationen).

Eine affektive Störung kann aber auch organische Ursachen haben, zum Beispiel:

Bei Verdacht auf organische Ursachen kann eine umfangreichere körperliche Diagnostik notwendig sein: Hierzu kommen zum Beispiel folgende Methoden zum Einsatz:

Auch Medikamente können Anzeichen für affektive Störungen hervorrufen, etwa

Bei der Diagnose erkundigt sich der Arzt daher sorgfältig nach den eingenommenen Medikamenten. Unter Umständen kann es notwendig sein, die entsprechenden Medikamente versuchsweise abzusetzen. Dies sollte jedoch stets nach ärztlicher Anweisung und unter medizinischer Beobachtung erfolgen.

Für manische Symptome können außerdem missbräuchlich konsumierte Substanzen verantwortlich sein, wie

Bei Verdacht auf Drogenkonsum sind eine ausführliche Befragung sowie ein Drogentest ratsam.


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