Achalasie: Therapie

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (27. April 2016)

Eine Achalasie macht grundsätzlich immer eine Therapie nötig, sobald sie sich bemerkbar macht. Die Behandlung zielt darauf ab, die Symptome der Funktionsstörung der Speiseröhre zu lindern. Hierzu stehen verschiedene Behandlungsmethoden zur Verfügung, die aber alle ein und denselben Zweck erfüllen sollen:

  • den Druck im unteren Speiseröhrenschließmuskel (Ösophagussphinkter) – dem Ventil zwischen Magen und Speiseröhre – verringern,
  • damit Nahrung schnell und vollständig von der Speiseröhre in den Magen gelangen kann.

Die Ursache der Achalasie lässt sich allerdings nicht beseitigen: Es ist nicht möglich, die gestörte Nervenversorgung der Speiseröhrenmuskulatur zu beheben. Das bedeutet also, dass die Erkrankung nicht heilbar ist.

Medikamente

In den Anfangsstadien einer Achalasie sind zur Therapie Medikamente geeignet, die den Druck im unteren Speiseröhrenmuskel senken und so die Beschwerden ausreichend lindern. Geeignet sind Mittel, die auch gegen Bluthochdruck und die koronare Herzkrankheit zum Einsatz kommen: Kalziumantagonisten und Nitrate. Die Medikamente sind etwa eine halbe Stunde vor dem Essen einzunehmen.

Langfristig lässt die Wirkung der Medikamente jedoch nach – dann sind zur Therapie der Achalasie andere Methoden in Betracht zu ziehen. Wenn die Medikamente Nebenwirkungen (wie Blutdrucksenkung, Schwindel, Kopfschmerzen) hervorrufen, kann es auch früher notwendig sein, sie abzusetzen.

Ballondilatation

Bei der Achalasie kann die Therapie auch in einer Ballondilatation (Dilatation = Erweiterung) bestehen: Hierbei führt der Arzt einen Ballon in die Speiseröhre bis in den Magen ein. Der Ballon weitet den verengten unteren Speiseröhrenmuskel mechanisch auf.

Die Ballondilatation gilt als die wirksamste nicht-operative Methode, um eine Achalasie zu behandeln: Nach einmaliger Anwendung bessern sich die Schluckstörungen in den meisten Fällen über Monate, bei der Hälfte der Betroffenen sogar über Jahre. Dann ist es eventuell erforderlich, die Dilatation zu wiederholen. Besonders im Kindes- und Jugendalter hält die Wirkung der Behandlung jedoch oft nur begrenzte Zeit an.

Die Abbildung zeigt eine Ballondilatation.

Die Ballondilatation

Die Achalasie durch Ballondilatation zu behandeln hat den Vorteil, dass der Eingriff während einer Spiegelung von Speiseröhre und Magen erfolgt und keine Operation notwendig ist. Allerdings kann es bei der Behandlung zu Komplikationen kommen: So ist es möglich, dass die Speiseröhre bei der Aufweitung einreißt (3%). In seltenen Fällen (2–5%) können Keime in den Brustraum gelangen und eine Entzündung des Mittelfells (Mediastinitis) verursachen. Hiergegen helfen Antibiotika.

Endoskopische Injektion von Botulinum-Toxin

Bei der Achalasie bietet sich auch eine endoskopische Injektion von Botulinum-Toxin zur Therapie an: Botulinum-Toxin ist ein von einem bestimmten Bakterium (dem Erreger Clostridium botulinum) gebildetes Gift. Diese hochgiftige Substanz löst beim Menschen den Botulismus aus – eine gefährliche Lebensmittelvergiftung. Spritzt man dieses Gift jedoch verdünnt in den unteren Speiseröhrenmuskel (den Ösophagussphinkter: das Ventil zwischen Magen und Speiseröhre), blockiert es die Nerven dort, sodass sich der Verschlussdruck vermindert.

Die Spritze setzt der Arzt während einer Spiegelung von Speiseröhre und Magen. In neun von zehn Fällen bessert das Botulinum-Toxin die Beschwerden der Achalasie eine Zeit lang. Allerdings treten die Beschwerden oft innerhalb eines Jahres nach der Behandlung erneut auf.

Insgesamt ist die endoskopische Injektion von Botulinum-Toxin bei einer Achalasie risikoärmer als die Ballondilatation und besonders für ältere Menschen mit schlechtem Gesundheitszustand geeignet, aber statistisch gesehen weniger erfolgreich.

Operation

Wenn sich die Achalasie durch die nicht-operativen Maßnahmen nicht bessert, kann eine Operation notwendig sein. Dabei spaltet der Operateur die Muskulatur der unteren Speiseröhre von außen auf (sog. Myotomie). Der Eingriff kann entweder über einen klassischen Bauchschnitt (transabdominal) oder über eine Bauchspiegelung (laparoskopisch, minimal-invasive Chirurgie) erfolgen.

Alle bei Achalasie eingesetzten Therapie-Verfahren, die den Verschlussdruck im unteren Speiseröhrenmuskel erfolgreich senken, können dazu führen, dass aggressiver Magensaft leichter in die Speiseröhre zurückfließt und eine Refluxkrankheit entsteht. Bei der Operation lässt sich dieses Problem sofort durch eine ergänzende sogenannte Fundoplicatio beheben: Dabei legt der Operateur eine Muskelmanschette ringförmig um den oberen Magen, die einen Rückfluss (Reflux) dauerhaft verhindern soll. Ein weiterer Vorteil der Operation im Vergleich zu endoskopischen Verfahren besteht in ihrer bis zu 10 Jahre anhaltenden Langzeitwirkung.


Wie steht es um Ihre Gesundheit?



Apotheken-Notdienst