Sprachentwicklung: Sprachentwicklungsstörungen (SES)

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (15. September 2015)

Es gibt unterschiedliche Formen von Sprachentwicklungsstörungen (SES) beziehungsweise Spracherwerbsstörungen. Sie unterscheiden sich darin, ob das Kind

  • gar nicht spricht (Alalie),
  • zeitlich verzögert zu sprechen beginnt (Sprachentwicklungsverzögerung) oder
  • fehlerhaft (im Verhältnis zu Gleichaltrigen) spricht.

Außerdem unterscheidet man primäre und sekundäre Sprachentwicklungsstörungen.

Primäre Sprachentwicklungsstörungen

Bei primären Sprachentwicklungsstörungen ist nur der Spracherwerb beeinträchtigt, die weitere Entwicklung des Kindes verläuft normal. Sie werden auch als spezifische Spracherwerbsstörung (SSES) bezeichnet. Eine SSES kann erst ab etwa drei Jahren diagnostiziert werden. Bis zum dritten Geburtstag sollten Kinder auf einem etwa gleichen Stand sein, was die sprachliche Entwicklung betrifft. Wie sie dorthin gelangen, ist aber individuell sehr unterschiedlich. So gibt es beispielsweise die sogenannten Late Talker. Late Talker haben im Alter von 24 Monaten, also mit zwei Jahren, nur einen aktiven Wortschatz von etwa 50 Wörtern. Die meisten Late Talker holen diesen Rückstand im Laufe des dritten Lebensjahres auf, sodass sie um den dritten Geburtstag herum auf dem gleichen Stand sind wie ihre Altersgenossen. Sie werden dann als Late Bloomer bezeichnet.

Late Talker, die den Rückstand nicht aufholen, müssen um den dritten Geburtstag verschiedene Sprachtests durchlaufen, anhand derer dann eventuell eine spezifische Spracherwerbsstörung ermittelt werden kann. Im weiteren Verlauf sollte eine SSES logopädisch behandelt werden.

Sekundäre Sprachentwicklungsstörungen

Sekundäre Spracherwerbsstörungen gehen mit weiteren Störungen einher und entstehen häufig aus diesen. Ursachen für sekundäre Sprachentwicklungsstörungen können beispielsweise sein:

Wie äußert sich eine SES?

Spracherwerbsstörungen können sich auf unterschiedliche Art äußern:

  • Das Kind spricht Wörter falsch aus (Dyslalie).
  • Es wendet die Grammatik falsch an (Dysgrammatismus).
  • Der Wortschatz ist gering.
  • Das Kind hat Verständnisprobleme.
All diese Punkte gelten im Vergleich zu Gleichaltrigen. Denn auf dem Weg zur korrekten Sprache spricht jedes Kind lange Zeit Wörter falsch aus, wendet Grammatik nicht oder falsch an, muss den Wortschatz von null aufbauen und versteht nicht immer alles, was man ihm sagt.

Wie kann man eine SES erkennen?

Sprachentwicklungsstörungen sind in den ersten Lebensjahren schwer zu diagnostizieren, da jedes Kind sein eigenes Tempo auf dem Weg zur korrekten Sprache hat. Oft ist es erst ab etwa drei Jahren möglich, eine SES sicher zu erkennen.

Der Kinderarzt wird die Sprachentwicklung Ihres Kindes jedoch bei den regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen im Blick behalten. Bei Bedarf wird er weitere Untersuchungen veranlassen. Im Rahmen der Diagnose einer SES füllen die Eltern Fragebögen zur Entwicklung des Kindes aus. Außerdem erfolgt eine logopädische Einschätzung des Kindes und der Kinderarzt wird ein Entwicklungsprofil erstellen. Anhand der gesammelten Daten kann ermittelt werden, ob das Kind eine Sprachentwicklungsstörung hat und wie das weitere Vorgehen aussehen kann.


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