Kinderentwicklung – Die Lebensmonate 19 bis 24: Geistige Entwicklung, Emotionen und Lernen

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (04. November 2010)

Im zweiten Lebensjahr ist die Bindung zu den Eltern, insbesondere zur Mutter, noch sehr ausgeprägt. Vor allem in der Nacht treten häufig Verlustängste auf. Achten Sie daher besonders in dieser Zeit darauf , ein Gefühl der Geborgenheit zu vermitteln. Sie sollten nicht befürchten, Ihr Kind zu verwöhnen, wenn Sie es beim Einschlafen begleiten oder gar ins Familienbett holen. Diese Phasen treten auf und gehen wieder vorüber, ohne dass Ihr Kind dies dauerhaft einfordern wird.

Spielen

Ihr Kind entwickelt jetzt zunehmendes Interesse an anderen, gleichaltrigen Kindern und versucht, Verhaltensweisen beim Spielen nachzuahmen. Zudem erfreuen sich erste soziale Spiele großer Beliebtheit. So hat Ihr Kind möglicherweise großen Spaß daran, einen Ball zu Ihnen zurückzurollen. Gegen Ende des zweiten Lebensjahrs werden Gegenstände nach bestimmten Merkmalen sortiert – eine gute Übung, um das logische Denken zu schulen. Bausteine werden zunächst übereinander (mit etwa 18 Monaten), dann nebeneinander (gegen Ende des zweiten Lebensjahrs) und später auch kombiniert angeordnet.

Das Kind erkennt sich

Mit eineinhalb Jahren etwa beginnen Kinder, sich selbst als eigenständige Person wahrzunehmen. Zuvor hatten sie zwar durchaus schon ihren eigenen Kopf, doch dass sie ein eigenständiges Wesen sind, war ihnen bislang nicht wirklich klar.

Ob es schon soweit ist, können Sie vor dem Spiegel herausfinden. Haben Sie den Eindruck, dass Ihr Kind sich in seinem Spiegelbild selbst erkennt? Oder glaubt es noch, dass es sich dabei um ein anderes Kind handelt? Schon Säuglinge schauen gern in den Spiegel und erfreuen sich am Spiegelbild von Mama oder Papa. Doch dauert es bis zur „Ankunft des Selbst“, wie Entwicklungspsychologen diesen Moment im Laufe des zweiten Lebensjahrs nennen, bis es sich selbst sozusagen von außen wahrnehmen kann.

„Ich“ und „meins“ werden bald die wichtigsten Worte sein, und Ihr Kind wird Stolz, Wut, Freude und Trauer zunehmend mit sich selbst in Verbindung bringen können. Das Erkennen, unverwechselbar und für sein Tun in gewisser Weise auch verantwortlich zu sein (ob es nun Lob oder Tadel erhält), ist ein schwieriger und in Stufen sich entwickelnder Prozess, der in den nächsten Jahren noch andauern wird.

Naturwissenschaftler haben den sogenannten Rouge-Test entwickelt, mit dessen Hilfe ermittelt werden kann, ob sich ein Kind bereits als eigenständige Person wahrnimmt. Dabei wird zunächst das Verhalten des Kindes vor dem Spiegel beobachtet. Anschließend wird beim Spiel, vom Kind unbemerkt, ein kleiner roter Farbtupfer auf Stirn oder Wange aufgetragen. Zurück vor dem Spiegel wird dann erneut die Reaktion abgewartet. Merkt das Kind nicht, dass sich die rote Farbe auf seinem Gesicht befindet – und nicht nur auf der Spiegelfläche – ist die Selbstwahrnehmung noch nicht ausgeprägt. Wenn das Kind sich selbst jedoch schon als eigenständige Person wahrnimmt, wird es wissen, dass es sich bei der Person im Spiegel um es selbst handelt – und den roten Tupfer nicht aus dem Spiegel, sondern aus dem Gesicht wischen wollen.


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