Kinderentwicklung – das dritte Lebensjahr: Geistige Entwicklung, Emotionen und Lernen

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (08. November 2010)

Ihr Kind hat im 3. Lebensjahr schon eine gute Selbstwahrnehmung. Es ist sich zunehmend seiner selbst bewusst – und weiß bereits sehr genau, was es will. Zwischen dem zweiten und dritten Geburtstag verwendet es zunehmend „mein“ und „dein“ und den eigenen Vornamen, bis schließlich auch die Ich-Form angewendet wird.

Raum und Zeit

Das räumliche Denkvermögen nimmt ebenfalls zu. Ihr Kind kann jetzt abschätzen, was es bedeutet, wenn Sie sich im benachbarten Raum der Wohnung aufhalten. Es weiß, dass Sie dann nicht unerreichbar weit entfernt von ihm sind. Zudem beginnt es, Bausteine nicht mehr nur über- beziehungsweise nebeneinander anzuordnen, sondern beide Bauweisen zu kombinieren, sodass räumliche Gebilde wie zum Beispiel kleine Häuser entstehen. Sein Zeitgefühl hingegen ist noch nicht ausgeprägt. Mit Sätzen wie „Ich bin in fünf Minuten wieder da“ kann Ihr Kind auch in dieser Entwicklungsphase nichts anfangen.

Beziehungen

Nicht nur die Selbstwahrnehmung, auch die Fremdwahrnehmung prägt sich immer besser aus. Ihr Kind ist zunehmend in der Lage, Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen, muss aber immer eine Bezugsperson wie Mutter oder Vater um sich herum haben. So hängt es in dieser Zeit gern an Ihrem „Rockzipfel“ und weicht nicht von Ihrer Seite. Oftmals ist auch die Bindung an einen bestimmten Gegenstand, dem so genannten Übergangsobjekt, zu beobachten. So erfreut sich zum Beispiel das Kuscheltuch oder ein Kuscheltier jetzt großer Beliebtheit.

Auch wenn Kinder in diesem Alter noch nicht miteinander spielen, sind sie gern in Gesellschaft Gleichaltriger. Sie imitieren die Verhaltensweisen der anderen und spielen zum Beispiel in der Sandkiste nebeneinander – zunächst jeder für sich allein.

Wenn das Kind nicht (richtig) spricht

Kinder lernen das Sprechen unterschiedlich schnell. Trotzdem gibt es Fertigkeiten, die alle in einem bestimmten Alter erreichen – sofern keine Erkrankung oder Störung vorliegt. Weichen Kinder in ihrer Sprachentwicklung deutlich von ihren Altersgenossen ab, liegt häufig eine Hörstörung vor.

Spätestens nach ihrem 2. Geburtstag bauen Kinder ihren aktiven und passiven Wortschatz gewöhnlich kontinuierlich aus – auch wenn sie die meisten Wörter keineswegs korrekt aussprechen. Aus Einwortsätzen werden Zweiwortsätze, außerdem verstehen die Kinder immer besser, was man zu ihnen sagt.

Zum 2. Geburtstag sollte ein Kind in der Lage sein, mindestens 50 Wörter zu sprechen und Sätze aus zwei bis drei Wörtern zu bilden. Bis zum 3. Geburtstag sollten Kinder auf dem Stand sein, Sätze von bis zu sechs Wörtern grammatikalisch korrekt auszusprechen.

Hören Kinder nicht ausreichend gut, können sie oft Dinge nicht benennen, die sie eigentlich bereits kennen. Dabei sind sie meist sehr findig, die fehlenden Höreindrücke auszugleichen, indem sie sich an der Mimik und Gestik ihres Gegenübers orientieren. Auch aus diesem Grund werden die Probleme betroffener Kinder oft erst spät erkannt.

Nicht selten sind Hörschäden angeboren, in den meisten Fällen jedoch Begleitsymptome oder Folge langwieriger und wiederholter Mittelohrentzündungen oder Kinderkrankheiten wie Masern, Mumps, Röteln oder Scharlach. Bleibt das Hörproblem bestehen, obwohl die Akuterkrankung ausgeheilt ist, können kindgerechte Hörgeräte eingesetzt werden. Oft ist auch eine professionelle Sprachförderung sehr hilfreich, sodass die Kinder ihr Sprachvermögen bald rasch ausbauen.


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