Schutzimpfung kontrovers diskutiert: Behauptung 2 und 3

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (23. April 2014)

Viele Impfkritiker bezweifeln grundsätzlich, dass Impfungen sinnvoll sind, und behaupten:
"Bei einer Epidemie erkranken nachweislich mehr Geimpfte als Ungeimpfte."

Diese Behauptung der Impfgegner ist paradoxerweise sogar richtig, führt aber dennoch in die Irre. Ohne etwas Mathematik geht es hierbei nicht. Ein Beispiel:

Angenommen, in einem Dorf leben 1.000 Einwohner, von denen 20 Menschen nicht geimpft sind. Ein Besucher schleppt die Erreger der Masern ein, woraufhin die 20 Ungeimpften erkranken. Die Schutzimpfung gegen Masern hat eine Erfolgsquote von etwa 95 Prozent. Dies bedeutet: 5 Prozent der 980 Bewohner, die geimpft sind – das entspricht 49 Geimpften – sind nicht gegen Masern immun und erkranken trotz Impfung ebenfalls. Somit gäbe es in dem Dorf 49 Erkrankte unter den Geimpften gegenüber 20 Erkrankten ohne eine Impfung.

Wäre aber kein einziger von den 1.000 Einwohnern geimpft worden, wären unter Umständen 1.000 (!) Menschen erkrankt.

Behauptung 3

Eine andere weit verbreitete Impfkritik lautet:
"Das Durchleben einer Infektion ist natürlicher und sorgt beim Kind oft für einen Entwicklungsschub."

Das in dieser Behauptung verwendete Wort "natürlich" setzen die Impfkritiker hier mit "gut" gleich. Aber: Im Mittelalter betrug die durchschnittliche Lebenserwartung 35 Jahre – das war damals natürlich. Und zu Goethes Zeiten starb die Hälfte aller Kinder – auch das war natürlich. Die sogenannten Kinderkrankheiten sind sicherlich natürlich – harmlos sind sie aber auf keinen Fall: Die Rate von Gehirnentzündungen (Enzephalitiden) beträgt bei Masern etwa 1:1.000 bis 1:2.000 – bei geimpften Menschen hingegen nur 1:1.000.000.

Ohne Schutzimpfung gegen Masern würde die Zahl dieser schweren Masern-Komplikation also innerhalb weniger Jahre um ein Mehrhundertfaches steigen. Bei zwei bis drei von zehn Betroffenen hinterlässt die Gehirnentzündung ernste körperliche oder geistige Schäden. In ein bis zwei von zehn Fällen endet sie tödlich.

Impfgegner profitieren von der Unübersichtlichkeit großer Zahlen: Um auch nur einen einzigen Komplikationsfall mit Gehirnentzündung mitzuerleben, ist es statistisch gesehen erforderlich, 2.000 ungeimpfte Kinder zu kennen – wer hat einen so großen Bekanntenkreis? Lassen also 2.000 Elternpaare ihr Kind nicht gegen Masern impfen, so stellen nachfolgend 1.999 von ihnen keine Komplikationen fest. Bei 10.000.000 ungeimpften Kindern kommt es aber bereits zu 5.000 Komplikationsfällen. Bei der gleichen Anzahl geimpfter Kinder (10.000.000) ergeben sich hingegen nur 10 Komplikationsfälle.