Schutzimpfung kontrovers diskutiert: Behauptung 1

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (23. April 2014)

Viele Impfgegner sprechen sich gegen Impfungen aus, da sie meinen:
"Impfungen verhindern keine Erkrankungen. Für den Rückgang von Erkrankungen sind andere Einflüsse verantwortlich."

Auf den ersten Blick scheint diese Behauptung der Impfgegner nicht falsch zu sein, da die Infektionskrankheiten und vor allem die Anzahl schwerer Komplikationen tatsächlich auch ohne Impfung zurückgegangen ist. Das liegt aber an den verbesserten sozioökonomischen Verhältnissen (z.B. bessere Hygiene). Aber entscheidend vermindern oder gar ausrotten kann man Infektionskrankheiten so nicht.

In den USA schwankte die Zahl der Masernerkrankungen zwischen 1920 und 1963 ganz erheblich zwischen 100.000 und 900.000 pro Jahr. Nach Einführung der Masernimpfung sank die Zahl innerhalb von zwei Jahren unter 50.000 und stieg nie mehr über diesen Wert. Im Jahr 1999, also fast 40 Jahre später, traten in den USA nur noch genau 100 Fälle von Masern auf. Dabei handelte es sich ausnahmslos um eingeschleppte Fälle; in den USA selber sind die Masern bereits ausgerottet.

Dass eine solche Entwicklung innerhalb von zwei Jahren nicht durch die Schutzimpfung, sondern durch eine gesellschaftliche Veränderung verursacht worden sein könnte, ist kaum vorstellbar. Auch bei anderen Krankheiten verringerte sich die Zahl der Fälle, sobald entsprechende Impfstoffe zur Verfügung standen.

Ein Vergleich verschiedener europäischer Industriestaaten mit ähnlichen sozialen Standards zeigt, dass in Ländern, in denen sich fast die gesamte Bevölkerung impfen ließ (Finnland und Schweden), die Masern verschwunden sind – in den anderen Ländern (Deutschland, Frankreich und Italien) jedoch nicht.

Ein ähnliches Beispiel für Impferfolge zeigt die durch das Bakterium Haemophilus influenzae ausgelöste Gehirnhautentzündung (Meningitis). Seit der (im Jahr 1990 eingeführte) entsprechende Impfstoff verfügbar ist, sank die Anzahl Fälle in den Vereinigten Staaten von 20.000 pro Jahr auf etwa 1.400 im Jahr 1993 – ein Rückgang innerhalb von drei Jahren, der sich nicht auf tief greifende Änderungen im American way of life zurückführen lässt.