Polio-Impfung (Impfung gegen Kinderlähmung)

Veröffentlicht von: Wiebke Raue (02. November 2017)

© iStock

Polio (Poliomyelitis, Kinderlähmung) gilt in Deutschland als ausgerottet. Damit das so bleibt, sollte die Polio-Impfung für jeden selbstverständlich sein.

Poliomyelitis – was ist das?

Die Poliomyelitis, kurz Polio, ist auch als Kinderlähmung bekannt. Die Infektionskrankheit wird durch Viren verursacht und ist hoch ansteckend. Meist verläuft die Kinderlähmung nahezu symptomlos. Dringen die Erreger jedoch in das zentrale Nervensystem ein, können teils lebensbedrohliche Lähmungen auftreten. Die Polio-Impfung bietet zuverlässigen Schutz vor der Erkrankung.

Warum ist eine Polio-Impfung wichtig?

Weltweit konnte die Zahl der Polio-Fälle stark zurückgedrängt werden. In Deutschland wurden zuletzt im Jahr 1992 zwei Fälle gemeldet, bei denen sich Reisende in Ägypten und Indien angesteckt hatten.

Kinderlähmung stellt hierzulande zwar aktuell keine Gefahr dar. Solange aber irgendwo auf der Welt noch Fälle auftreten, ist die Polio-Impfung auch in Europa wichtig – denn es kann vorkommen, dass sich Menschen z.B. auf Reisen infizieren und das Virus in ihr Heimatland bringen.

Polio-Impfung: Wer sollte sich impfen lassen?

Grundsätzlich sollte jeder gegen Kinderlähmung geimpft werden, im Idealfall bereits als Säugling. Die Polio-Impfung zählt daher zu den Standardimpfungen, die von der Ständigen Impfkommission (STIKO) des Robert Koch-Instituts empfohlen werden.

Personen, die als Kind nicht oder nicht vollständig geimpft wurden oder deren Impfstatus unbekannt ist, sollten die Polio-Impfung nachholen.

Auffrischung und Empfehlungen für bestimmte Personengruppen

Wer als Baby gegen Polio geimpft wurde, sollte die Impfung im Alter von 9 bis 17 Jahren auffrischen lassen. Personen, die im Erwachsenenalter zum ersten Mal gegen Polio geimpft wurden, sollten den Impfschutz nach zehn Jahren einmalig auffrischen lassen.

Bestimmten Personengruppen wird ebenfalls eine Auffrischung empfohlen, wenn die letzte Polio-Impfung länger als zehn Jahre zurückliegt. Dazu zählen etwa

  • Reisende, die sich in Gebieten aufhalten werden, in denen das Ansteckungsrisiko erhöht ist, insbesondere Pakistan oder Afghanistan
  • Aussiedler/Flüchtlinge/Asylbewerber in Gemeinschaftsunterkünften, die aus Regionen mit hohem Infektionsrisiko eingereist sind
  • Personen, die beruflich einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt sind, so zum Beispiel medizinisches Personal

Polio-Impfung: Wie wird geimpft?

In Deutschland stehen verschiedene Impfstoffe zur Verfügung, die der Arzt in mehreren Einzeldosen als Spritze verabreicht. Die Polio-Impfung für Säuglinge wird häufig mit anderen Impfstoffen kombiniert (sog. Kombinationsimpfstoff). Der Kombinationsimpfstoff wird auf vier Einzeldosen verteilt: Die erste Dosis erhalten Säuglinge im Alter von zwei Monaten, die letzte Dosis zu Beginn des zweiten Lebensjahrs. Wird kein Kombinationsimpfstoff verwendet, erhält das Baby je nach Präparat zwei bis drei Einzeldosen.

Keine Schluckimpfung mehr

Die Polio-Impfung steht seit 1998 in Deutschland nicht mehr als Schluckimpfung zur Verfügung. Der Grund: Im alten Impfstoff waren Lebendviren in abgeschwächter Form enthalten, welche von den geimpften Personen mit dem Stuhl ausgeschieden wurden. In sehr seltenen Fällen (weniger als 1 Fall pro 1 Million Impfungen) haben sich empfindliche Personen mit den ausgeschiedenen Erregern infiziert und eine sogenannte Impfpoliomyelitis entwickelt. Um dieses Risiko zu vermeiden, impfen Ärzte heute mit sogenannten inaktivierten Polio-Vakzinen (IPV). Die enthaltenen Viren sind inaktiv, sodass sich auch geschwächte Personen nicht mehr anstecken können.

Polio-Impfung: Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Der bei Säuglingen oft verwendete Polio-Kombinationsimpfstoff wird in der Regel gut vertragen. Häufig entstehen Rötungen oder schmerzhafte Schwellungen an der Einstichstelle. Auch allergische Reaktionen sind möglich.

Da das Immunsystem auf den Impfstoff reagiert, kann es vorübergehend zu verschiedenen Beschwerden kommen. Dazu zählen etwa

Diese Impfreaktionen bilden sich normalerweise nach ein bis drei Tagen zurück.

Selten treten als Nebenwirkungen einer Polio-Impfung bei kleinen Kindern Fieberkrämpfe auf. Ebenfalls selten kann es bei Kindern zu einer kurzzeitigen Muskelerschlaffung kommen ("hypoton-hyporesponsive Episode"), die sich wieder ohne bleibende Schäden zurückbildet.

Polio-Impfung: Weitere Informationen

Onmeda-Lesetipps:

Quellen:

Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut. Epidemiologisches Bulletin Nr. 34/2017. Online-Informationen des Robert Koch-Instituts: www.rki.de (Stand: 24. August 2017)

Schutzimpfung gegen Poliomyelitis: Häufig gestellte Fragen und Antworten. Online-Informationen des Robert Koch-Instituts: www.rki.de (Stand: 16. August 2017)

Pressemitteilung des Deutschen Ärzteblatts: Polio fast vollständig ausgerottet (28. Oktober 2016)

RKI-Ratgeber für Ärzte: Poliomyelitis. Online-Informationen des Robert Koch-Instituts: www.rki.de (Stand: 20.11.2015)

Stand: 2. November 2017