Grundlagen der Schutzimpfung: Körperliche Reaktionen

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (26. August 2010)

Mithilfe einer Schutzimpfung werden körperliche Reaktionen ausgelöst, sodass die natürlichen Abwehrprozesse gegen bestimmte Erreger unterstützt werden. Das Immunsystem hat die Aufgabe, den menschlichen Organismus vor Krankheitserregern zu schützen. Dringen Erreger in den Körper ein, reagiert das Immunsystem entsprechend. Zum einen wird eine Immunreaktion aktiviert: Der Erreger wird durch Abwehrstoffe (sog. Antikörper) bekämpft und wenn möglich unschädlich gemacht. Zum anderen bildet das Immunsystem sogenannte Gedächtniszellen, die sich die Merkmale eines Erregers merken und den gleichen Erreger bei erneutem Eindringen direkt bekämpfen können (sog. immunologisches Gedächtnis).

Aktivierung einer Immunreaktion

Der in den Körper eingedrungene Erreger wird von den Immunzellen als fremd erkannt und durch das Zusammenspiel von unspezifischer und spezifischer Immunantwort bekämpft.

Sobald ein Erreger registriert wird, wird zunächst die sogenannte unspezifische Immunantwort aktiviert. Die unspezifische Immunantwort richtet sich nicht gegen einen speziellen Erreger, sondern ist eine allgemeine körperliche Reaktion auf körperfremde Stoffe und schädliche Mikroorganismen. Der Erreger wird durch bestimmte Zellen der unspezifischen Immunantwort, wie Makrophagen und Granulozyten, aufgenommen und anschließend in Teilstücken den Immunzellen der spezifischen Immunantwort, den T-Zellen, präsentiert.

Nach diesem Schritt folgt die spezifische Immunantwort. Im Gegensatz zur unspezifischen richtet sich die spezifische Immunantwort nicht gegen alle, sondern gegen ganz bestimmte Erreger. Die durch die unspezifische Immunantwort aktivierten T-Zellen regen weitere Zellen der spezifischen Immunantwort, die B-Zellen, zur Produktion von Antikörpern an. Diese Antikörper erkennen spezifisch den eingedrungenen Krankheitserreger, blockieren und markieren ihn, sodass er bekämpft und beseitigt werden kann.

Im Normalfall kann das Immunsystem über Aktivierung der unspezifischen und spezifischen Immunantwort den Krankheitserreger erfolgreich bekämpfen. Jedoch gibt es Erreger, die das Immunsystem umgehen können oder für welche es zu lange dauert, eine spezifische Immunantwort zu entwickeln. Das Immunsystem schafft es dann nicht, den Erreger unter Kontrolle zu bringen und zu bekämpfen. Im Extremfall kann ein solcher Krankheitserreger zum Tod des Patienten führen.

Immunologisches Gedächtnis

Neben der Aktivierung von Antikörpern entwickelt der Körper während einer Immunreaktion gegen einen Erreger ein sogenanntes immunologisches Gedächtnis. Hierbei entwickelt sich ein Teil der aktivierten T- und B-Zellen zu Gedächtniszellen, die bei erneutem Auftreten desselben Krankheitserregers diesen sofort erkennen und schnell reagieren können. Spezifische Antikörper werden dadurch rascher und verstärkt produziert.

Beim ersten Kontakt mit einem Erreger dauert es vier bis sieben Tage, bis die spezifische Antikörperproduktion und somit die effektive Bekämpfung des Erregers aktiviert wird. Kommt es erneut zum Kontakt mit demselben Erreger, bilden sich unmittelbar und verstärkt spezifische Antikörper. Diese rasche und verstärkte Antikörperproduktion wird durch Gedächtniszellen ermöglicht, die sich beim ersten Kontakt mit dem Antigen gebildet haben. Diese Gedächtniszellen "erinnern" sich an das Antigen und können daher sofort Antikörper bilden und den Erreger unschädlich machen.