Anzeige

Anzeige

Kammerflimmern (Herzflimmern)

Veröffentlicht von: Dr. rer. nat. Geraldine Nagel (27. November 2013)

© Jupiterimages/iStockphoto

Unter Kammerflimmern (auch: Herzflimmern, Herzkammerflimmern) versteht man eine schwere Herzrhythmusstörung, bei der akute Lebensgefahr besteht. Kammerflimmern stellt eine Notfallsituation dar, bei der sofort der Notruf (112) verständigt und Erste-Hilfe-Maßnahmen angewendet werden müssen.

Normalerweise schlägt das Herz etwa 70-mal pro Minute und sorgt dafür, dass das Blut gleichmäßig durch den Körper und seine Organe strömt. Ist der Blutfluss jedoch nur für ein paar Sekunden unterbrochen, kann das zu Bewusstlosigkeit und einem Herz-Kreislauf-Stillstand führen.

Beim Kammerflimmern beginnen die Muskelfasern des Herzens als Folge einer gestörten Erregungsleitung unkontrolliert zu zittern. Im EKG (Elektrokardiogramm) erkennt man dann keinen richtigen Herzschlag mehr, sondern sogenannte Flimmerwellen, mit etwa 350 bis 500 Schlägen pro Minute. Die EKG-Kurve gleicht unregelmäßigen, unterschiedlich hohen Zacken.

Erst Kammerflattern, dann Kammerflimmern
Dem Kammerflimmern geht im Regelfall ein Kammerflattern voraus, bei dem das Herz rast – mit etwa 250 bis 400 Schlägen pro Minute. Das Kammerflattern zeichnet sich im EKG durch sehr enge, gleichmäßige Haarnadel-Ausschläge aus.

Obwohl das Herz beim Kammerflimmern mit einer hohen Frequenz zuckt, ziehen sich die Herzkammern nicht mehr zusammen. Das heißt, das Herz pumpt kein Blut mehr durch den Körper, das Gehirn wird nicht mehr mit Blut und dadurch auch nicht mit Sauerstoff versorgt. Das Herzflimmern stellt damit eine Form des Herz-Kreislauf-Stillstandes dar, auch wenn das Herz in diesem Moment scheinbar aktiv ist.

Betroffene mit Herzflimmern sind innerhalb von 10 bis 15 Sekunden bewusstlos und ohne Puls. Kommen jetzt keine Wiederbelebungsmaßnahmen zum Einsatz, führt das Kammerflimmern nach 10 bis 15 Minuten zum Tod. Bereits nach wenigen Minuten ohne Reanimationsversuche können bleibende Hirnschäden auftreten.

Mit einer möglichst rasch beginnenden Herzdruckmassage und Beatmung und einem schnellen Eintreffen des Rettungsteams können jedoch etwa 25 Prozent der Betroffenen trotz Herzflimmern gerettet werden. Zögern Sie deshalb nicht, Erste Hilfe zu leisten!

Wenn der Notarzt eintrifft, übernimmt er die Wiederbelebung und versetzt dem Betroffenen mit einem Defibrillator Elektroschocks. Im Idealfall lässt sich so das Kammerflimmern stoppen und der normale Rhythmus des Herzschlags wiederherstellen. Unterstützend können Medikamente zum Einsatz kommen. Sobald es dem Rettungsteam gelingt, Herz und Kreislauf erfolgreich zu stabilisieren, transportiert man den Patienten ins Krankenhaus. Hier erfolgt eine intensivmedizinische Betreuung.

Man sieht einen Defibrillator. © Jupiterimages/Digital Vision

Ehe ein Defibrillator bei Kammerflimmern zum Einsatz kommt, überprüft der Rettungshelfer mit einem EKG den Herzschlag des Betroffenen.

Einige Minuten vor dem durch das Kammerflimmern verursachten Herz-Kreislauf-Zusammenbruch verspüren manche Betroffene bestimmte Symptome, wie etwa:

Unter bestimmten Bedingungen kann das Risiko für Kammerflimmern erhöht sein beziehungsweise sinkt die sogenannte Flimmerschwelle, so zum Beispiel durch:



Anzeige