Gibt es Menschen, die Ihr Herz tatsächlich am rechten Fleck tragen?

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion

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"Gibt es Menschen, die ihr Herz tatsächlich am rechten Fleck tragen?"

In der Umgangssprache nutzt man den Ausdruck "Das Herz am rechten Fleck tragen" zum Beispiel für die Beschreibung eines guten Freunds, dem man vertraut und auf dessen Wort man sich verlassen kann. Aus medizinischer Sicht betrachtet ist das eigentlich Unsinn. Denn bekanntlich sitzt das Herz mittig beziehungsweise leicht nach links verlagert in der Brust und schlägt auf der linken Seite besonders kräftig. Oder gibt es doch Menschen, die ihr Herz rechts tragen?

Der Blick in die Fachliteratur verrät: Es gibt tatsächlich Menschen, die mit dem Herz auf der rechten Seite zur Welt kommen. Auch alle anderen Organe sind bei diesen Menschen spiegelbildlich angeordnet. Mediziner bezeichnen dieses seltene medizinische Phänomen als Situs inversus viscerum. Unbestätigten Schätzungen zu Folge sind davon in Deutschland rund 5000 Menschen betroffen. An für sich ist die spiegelbildliche Anordnung kein Problem. Alle Organe können einwandfrei funktionieren. Sie befinden sich ja lediglich auf der jeweils anderen Körperseite.

Dennoch leiden Menschen mit gespiegelten Organen überdurchschnittlich häufig an Infektionen der Atemwege. Mediziner gingen der Ursache für die Infektionsanfälligkeit auf den Grund und fanden sie in feinen Härchen, so genannten Zilien, die die Innenseite der Lunge auskleiden. Normalerweise sind sie beweglich und transportieren aktiv Fremdkörper und Schleim aus der Lunge heraus. Bei Menschen mit seitenverkehrten Organen sind sie nahezu unbeweglich. Die Folge dieses sogenannten Kartagener-Syndroms: Fremdstoffe werden nicht ausreichend aus der Lunge heraus transportiert. Infektionen häufen sich.

Thomas Kresser (ehem. Chefredakteur)

Thomas Kresser (ehem. Chefredakteur)