Einmal Herpes, immer Herpes?

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion

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Aufgeplatzte Bläschen, rote, krustige Haut, die brennt und schmerzt: Lippenherpes gilt nicht gerade als angenehm und attraktiv. Hinzu tritt die Angst vor einer Infektion: Viele Erwachsene fürchten, sie könnten sich mit Herpes anstecken und selbst bald an den genannten Beschwerden leiden, etwa weil sie gemeinsam mit anderen ein Glas benutzen. Sorgen sie sich in solchen Situationen zu Recht?

In aller Regel nicht: Die meisten Menschen machen bereits als Kinder oder Jugendliche Bekanntschaft mit den Herpesviren (exakt: Herpes-simplex-Virus Typ 1); ein zweites Mal steckt man sich nicht an. Die Herpesviren zeigen eine andere Besonderheit: Sie nisten sich nach der ursprünglichen Infektion in bestimmten Teilen des Nervensystems ein, den sensorischen Ganglien. Dort bleiben sie lebenslang – der Körper kann die Eindringlinge nicht komplett vernichten. Die Viren werden auf zweierlei Wegen übertragen: einer Schmierinfektion, zum Beispiel über den Rand eines Glases, oder über direkten Hautkontakt, etwa beim Küssen.

Dass viele Erwachsene denken, sie könnten sich mit Lippenherpes (Herpes labialis) infizieren, ist in der Theorie also durchaus korrekt. In der Praxis stellt es sich für diese Altersgruppe aber anders dar: Die starke und frühe Verbreitung der Herpesviren senkt die Ansteckungsgefahr für Erwachsene massiv. Es ist schlicht unwahrscheinlich, dass man im bisherigen Leben noch nicht mit den Viren in Berührung gekommen ist. Um es in Zahlen auszudrücken: Neun von zehn Erwachsenen beherbergen Herpesviren in ihrem Körper – oftmals ohne es zu wissen, da der Großteil der Erstinfektionen ohne Symptome verläuft. Ob sie es wissen oder nicht: Für 90 Prozent erübrigen sich Angst und Ekel vor benutzten Gläsern, Gabeln und Geschirr.

Bleibt die Frage, warum auch bei Erwachsenen immer mal wieder Bläschen für Unwohlsein sorgen. Die Antwort: Die früher erworbenen, schlummernden Viren können lebenslang wieder aktiv werden und sich sehr unangenehm zurückmelden. Sie vermehren sich in den Ganglien, wandern von dort über Nerven zur Haut und schädigen die Zellen. Letztlich entstehen die typischen Bläschen – Ärzte sprechen von einem Rezidiv, einem Rückfall.

Doch bei wem kommt es zum erneuten Ausbruch der Krankheit? Jeder Mensch reagiert anders auf seine viralen "Untermieter": Beim einen flammt die Infektion häufig wieder auf, beim anderen selten oder nie. Als typische Auslöser eines Lippenherpes gelten UV-Licht, Sonnenbrand, Menstruation sowie mit Fieber einhergehende Infekte. Und auch die Psyche spielt mit: Manche Personen erleiden allein durch emotionale Regung oder den Gedanken an die Bläschen wieder ein Rezidiv. Die Bezeichnung "Schreckblase" trägt diesem Geschehen Rechnung.

Dr. med. Fabian Weiland (ehem. Chefredakteur)

(ehem. Chefredakteur)


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