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Akne inversa: Weit mehr als gewöhnliche Akne

Veröffentlicht von: Wiebke Raue (11. Juli 2017)

© iStock

Ein Teenager mit roten Pickeln und Mitessern im Gesicht: Wenn von Akne die Rede ist, haben wohl viele genau dieses Bild vor Augen. Mit dieser "gewöhnlichen Akne" (Acne vulgaris) hat die Akne inversa nur wenig zu tun. Eine Akne inversa führt zu großflächigen, schmerzhaften, knotigen und eiternden Entzündungen auf der Haut, die Narben hinterlassen können – und das immer wieder aufs Neue. In vielen Fällen hilft dagegen nur eins: eine Operation.

Die Akne inversa (auch: Acne inversa) ist eine Sonderform der Akne, die sich ganz anders bemerkbar macht als die "normale Teenager-Akne" und einen deutlich schwerer verläuft. Für viele Betroffene ist die Akne inversa nicht nur mit einer hohen körperlichen Belastung verbunden – auch der psychische Leidensdruck kann enorm sein.

Was ist Akne inversa?

Akne inversa (Acne inversa) ist eine chronische Hauterkrankung, die zu entzündlichen, schmerzhaften Hautschäden führt. Die Entzündungen treten vor allem in Hautbereichen auf, in denen sich Hautfalten bilden beziehungsweise in denen Haut mit Haut in Berührung kommt, so zum Beispiel

  • in den Achselhöhlen,
  • in der Genitalregion,
  • unter der weiblichen Brust,
  • im Analbereich oder
  • in der Leistenregion.

Ein andere Name für Akne inversa ist Hidradenitis suppurativa.

Gut zu wissen: Akne inversa ist nicht ansteckend!

Woran erkennt man Akne inversa?

Symptome einer Akne inversa auf einen Blick:

  • schmerzhafte, harte, rote Knoten/Verdickungen
  • mit Eiter gefüllte Abszesse
  • im weiteren Verlauf: eitrige Gänge unter der Haut (Fisteln)
  • Betroffen sind Bereiche, bei denen Haut mit Haut in Kontakt kommt

Zu Beginn der Erkrankung bilden sich einzelne schmerzhafte, harte, entzündliche, hochrote Knoten und Verdickungen, die an sehr große Mitesser erinnern (sog. Riesenkomedonen). Mit der Zeit können aus diesen Knoten abgekapselte Eiteransammlungen (Abszesse) entstehen. Die Abszesse können miteinander verschmelzen. Auch können sie aufbrechen und dabei ein eitriges oder blutig-wässriges Sekret absondern. Darüber hinaus können sich eitrige Gänge unter der Haut bilden, sogenannte Fisteln. Heilen die entzündlichen Hautbereiche ab, hinterlassen sie narbige Veränderungen. Bei den meisten Patienten ist mehr als eine Hautregion betroffen.

Häufig bilden sich die schmerzhaften Knoten unter der Achsel. © iStock

Bei einer Acne inversa bilden sich die schmerzhaften Knoten häufig unterhalb der Achsel.

Schätzungen zufolge ist in der europäischen Bevölkerung eine von 100 Personen betroffen. Frauen leiden etwas häufiger darunter als Männer. Meist zeigt sich eine Akne inversa erstmals zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr. Nur selten tritt sie vor der Pubertät auf.

So entsteht Akne inversa

Akne inversa entsteht in den sogenannten Haarfollikeln. Haarfollikel sind die kleinen Hauteinstülpungen, in denen jedes einzelne Haar verankert ist. Direkt neben jedem Haarfollikel befindet sich eine Talgdrüse, die das jeweilige Haar mit Talg versorgt und so geschmeidig hält.

Bei einer Akne inversa kommt es zu einer übermäßigen Verhornung an den Haarfollikeln und Talgdrüsen (sog. Hyperkeratose) und im weiteren Verlauf auch an den Schweißdrüsen. Durch die zunehmende Hornbildung wird der Ausführungsgang der Talgdrüsen mit Hornzellen verstopft. Die Folge: Sie erweitern sich, entzünden sich und wandeln sich schließlich in Zysten um. Platzt eine solche Zyste, breitet sich die Entzündung in tiefere Gewebeschichten aus. Bakterien haben jetzt leichtes Spiel und können die Entzündung verstärken. Vor allem Bakterien der Art Staphylococcus aureus sind an diesem Prozess beteiligt, aber auch Keime, die sich natürlicherweise bei jedem Menschen auf der Haut befinden.

Von der Akne inversa sind Haarfollikel betroffen, die sogenannte Terminalhaare enthalten. Darunter versteht man die gut sichtbaren pigmentierten, kräftigen Haare – im Gegensatz zu den Wollhaaren, die kaum sichtbar und deutlich feiner und flaumartig sind. © iStock

Von der Akne inversa sind Haarfollikel betroffen, die sogenannte Terminalhaare enthalten. Darunter versteht man die gut sichtbaren pigmentierten, kräftigen Haare – im Gegensatz zu den Wollhaaren, die kaum sichtbar und deutlich feiner und flaumartig sind.

Die Ursachen sind unbekannt

Die genauen Ursachen der Akne inversa sind bislang ungeklärt. Wissenschaftler vermuten, dass mehrere Faktoren im Zusammenspiel die Erkrankung begünstigen. In manchen Familien kommt Akne inversa gehäuft vor, was dafür spricht, dass sie teils erblich bedingt ist. Diskutiert wird auch der Einfluss zu vieler männlicher Hormone.

Neben einer Veranlagung gibt es mehrere Faktoren, die das Risiko für eine Akne inversa erhöhen. Dazu zählen zum Beispiel

Im Rahmen bestimmter Erkrankungen scheint die Akne inversa häufiger aufzutreten. Dazu zählen unter anderem die chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, Sinus pilonidalis ("Steißbeinfistel") sowie rheumatische Erkrankungen.

Akne inversa oder nicht?

Viele andere Erkrankungen können mit ähnlichen Beschwerden einhergehen, so zum Beispiel Furunkel oder eine Analfistel. Daher muss der Arzt durch weiterführende Untersuchungen prüfen, ob es sich tatsächlich um Akne inversa handelt. Im Gespräch wird er zum Beispiel wissen wollen, ob In der Familie bereits Fälle von Akne inversa bekannt sind oder ob der Patient Raucher ist. Auch wird der Arzt bestimmen, ob der Patient Übergewicht hat. Gegebenenfalls wird er eine Gewebeprobe entnehmen und im Labor untersuchen lassen.

Um herauszufinden, ob und welche Bakterien an der Entzündung beteiligt sind, wird der Arzt gegebenenfalls einen Abstrich aus tiefen Gewebebereichen entnehmen. Mithilfe von Ultraschall oder einer Magnetresonanztomographie kann der Mediziner ermitteln, wie tief die Entzündung ausgedehnt ist.

Wenn sich sehr viele Fisteln gebildet haben, wird der Arzt vor einer geplanten Operation eine Kontrastmitteluntersuchung veranlassen oder ein spezielles Röntgenbild anfertigen. So kann er genau sehen, wo die Fistelgänge verlaufen.

Akne inversa: Behandlung

Bei einer Akne inversa reicht die Therapie mit Medikamenten meist nicht aus. Vor allem, wenn die Erkrankung bereits fortgeschritten ist, ist es in der Regel nötig, alle betroffenen Hautbereiche operativ zu entfernen. Dabei kann es jedoch immer wieder zu Rückfällen kommen.

Wie die Wunde nach der Operation verschlossen wird, richtet sich vor allem danach, wie groß der zu entnehmende Hautbereich ist, aber auch, welcher Körperteil betroffen ist. So ist es zum Beispiel möglich, gesunde Haut an einer anderen Stelle des Körpers zu entnehmen und in den geschädigten Bereich zu platzieren (sog. Spalthauttransplantat). Eine andere Variante ist die Nahlappenplastik: Dabei zieht der Arzt Haut aus dem umliegenden Körperbereich auf die Wunde und verschließt sie so. Bei der offenen Heilung ohne Plastik oder Transplantation entsteht während der Heilung eine Narbenplatte.

In leichteren Fällen ist es möglich, geschädigte Hautbereiche mithilfe eines Co2-Lasers abzutragen.

Auch wenn Medikamente eine OP oft nicht verhindern können: In manchen Fällen ist es sinnvoll, bestimmte Arzneimittel einzusetzen, um die Entzündung einzudämmen. Zum Einsatz kommen zum Beispiel:

  • Antibiotika zum Einnehmen, um die an der Entzündung beteiligten Bakterien zu bekämpfen (z.B. die Wirkstoffkombination Clindamycin und Rifampicin)
  • TNF-α-Blocker wie z.B. Infliximab oder Adalimumab, welche den entzündungsfördernden Botenstoff TNF-α blockieren
  • begleitend Antibiotika zum Auftragen auf die Haut, z.B. mit dem Wirkstoff Clindamycin
  • bei weiblichen Patienten: hormonelle Behandlung mit den Wirkstoffen Ethinylestradiol/Cyproteronacetat; denn zu viele männliche Hormone können eine Akne inversa begünstigen

Komplikationen kommen bei einer Akne inversa nur selten vor. Dazu zählen zum Beispiel eine Wundrose, eine Phlegmone oder ein Lymphödem. In seltenen Fällen kann sich ein geschädigter Bereich zu einem bösartigen Tumor entwickeln, etwa zu einem Plattenephitelkarzinom.

Akne inversa: Weitere Informationen

Onmeda-Lesetipps:

Quellen:

Online-Informationen der Klinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie Charité -Universitätsmedizin Berlin: www.acne-inversa-charite.de (Abrufdatum: 11.7.2017)

Acne inversa. Altmeyer, P.: Die Online-Enzyklopädie der Dermatologie, Venerologie, Allergologie und Umweltmedizin (Abrufdatum: 11.7.2017)

Acne inversa. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 16.5.2017)

hidradenitis suppurativa. Online-Informationen der Mayo-Clinic: www.mayoclinic.org (Stand: 10.12.2016). 

Moll, I.: Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2016

Leitlinie der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft: Therapie der Hidradenitis suppurativa / Acne inversa. AWMF-Leitlinienregister-Nr. 013/012 (Stand: 31.12.2012)

Stand: 11. Juli 2017

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