Werden Medikamente falsch gelagert, beeinträchtigt das ihre Haltbarkeit: Durch den Kontakt mit Luft oder Feuchtigkeit sowie Hitze oder Kälte kann sich die Wirksamkeit des Arzneistoffes verringern. In einigen Fällen entwickeln sich sogar schädliche Stoffe. Pharmazeut Dr. Jörg Breitkreutz, Professor für Pharmazeutische Technologie an der Universität Düsseldorf, erklärt, wo Vorsicht geboten ist und in welchem Fall sie ein Arzneimittel entsorgen sollten.
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Flüssige Mischung
Wärme oberhalb der normalen Raumtemperatur ist ungünstig, denn sie beschleunigt chemische Reaktionen. Wirkstoffe können sich dann schneller abbauen. Feste Stoffe in Tabletten können schmelzen. Verfestigen sie sich wieder, wird die Tablette härter und gibt ihre Wirkstoffe schlechter ab. Sie sieht dann fleckig oder verfärbt aus. Zäpfchen können schmelzen oder Stoffe auskristallisieren. Auch wenn sie sich wieder verfestigen, kann es sein, dass die Wirksamkeit gelitten hat. Bei Salben kann sich die Mischung verflüssigen oder sich in öl- und wasserhaltige Bestandteile trennen, der Wirkstoff setzt sich dann in der Tube ab und gelangt nicht mehr auf die Haut.
Bild: Kopfschmerztabletten. Foto: pa/Photoshot
Mangelnde Kühlung: Ampullen sollten im Kühlschrank bei 2 bis 6 Grad Celsius gelagert werden, sonst können sich die darin enthaltenen Wirkstoffe zersetzen. Das gilt insbesondere für Arzneimittel, die gespritzt werden und körpereigene Proteine enthalten (Insulin, Heparin, Hormone, Rheuma-Medikamente). Mit Leitungswasser zu Hause angemischte Antibiotikasäfte für Kinder gehören in den Kühlschrank. Mit dem Wasser können Keime in die Lösung gelangen, die sich bei Raumtemperatur stark vermehren.
Essig-Geruch
Zuviel Kühlung: Es gibt Säfte, die nicht in den Kühlschrank gehören, weil in ihnen Wirkstoff-Partikel enthalten sind, die bei niedrigen Temperaturen auskristallisieren. Dann lässt sich das Mittel nicht mehr genau dosieren, mit einem Löffel nehmen Sie zuviel Wirkstoff, mit dem nächsten zuwenig ein. Daher sollten Sie immer die Anweisung auf der Packung beachten. Salben gehören nicht auf jeden Fall in den Kühlschrank. Haben sie nicht die richtige Temperatur, lassen sie sich nicht richtig verstreichen.
ASS-Tabletten reagieren empfindlich auf Feuchtigkeit. Der Wirkstoff spaltet sich dann in Essigsäure und Salicylsäure auf. Die Tablette riecht dann komisch, wie Wirkung ist reduziert, weil Salicylsäure schlechter vom Körper aufgenommen wird. Sorgfältig gelagert werden sollten Entwässerungstabletten, die den Wirkstoff HCT enthalten. Kommt dieser mit Feuchtigkeit in Kontakt, kann sich giftiges Formaldehyd bilden.
Schrumplige Kapseln
Luftsauerstoff kann Arzneimittel beschädigen. Vorsicht ist geboten bei codeinhaltigen Hustensäften. Wird die Flasche nicht richtig zugedreht, kann sich beim Oxidationsprozess giftiges Codein-N-Oxid bilden. Pflanzenextrakte zum Einnehmen werden oft in Alkohol gelöst. Verdunstet dieser, sind die Wirkstoffe nicht mehr richtig gelöst. Zäpfchen, deren Verpackungshülle defekt ist, können hart werden, sie sind dann schlechter einzunehmen, das ist allerdings ungefährlich. Salben können ranzig werden. Das riecht man. Es ist an sich nicht gefährlich, aber beim Oxidationsprozess bildet sich möglicherweise Peroxid, das die Haut reizt.
Bild: Gelkapseln. Foto: pa/Arco Images/Diez
Gelkapseln können verschrumpeln. Dabei kann es passieren, dass die Filmschicht, die die Wirkstoffe einschließt, nicht mehr richtig funktioniert. Der Inhaltsstoff wird dann beispielsweise - anders als gewünscht - schon im Magen freigegeben und wirkt nicht richtig.
Tropfen oder Säfte können mit der Zeit ausflocken oder sich Stoffe auf dem Boden ablagern. Dann ist der Wirkstoff nicht mehr gleichmäßig in der Lösung verteilt. Es gibt allerdings Säfte oder Tropfen, bei denen das Ausflocken nicht zu vermeiden ist. Das ist kein Problem, wenn sich durch einfaches Schütteln wieder eine gleichmäßige Lösung herstellen lässt. In diesem Fall ist das auf der Packung vermerkt.
Nährboden für Bakterien
Der in manchen Säften enthaltene Zucker bildet einen guten Nährboden für Bakterien oder Schimmelpilze, die erst im fortgeschrittenen Befalls-Stadium zu erkennen sind. Zuckerhaltige Säfte sollten daher nicht über das Verfallsdatum hinaus aufbewahrt werden.
Auch Verbandsmaterial hat eine begrenzte Haltbarkeit, Pflaster können ihre Klebefähigkeit verlieren, Mullbinden können unsteril werden, wenn die Verpackung nicht mehr dicht ist.





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