Sie befinden sich hier:

Startseite > Gesund-Magazin > Psychologie > Warum Stress den Körper schädigt

Hormone

Warum Stress den Körper schädigt

| Von Manfred Pantförder

Anhaltender Stress stört die Hormonausschüttung. Mit bösen Folgen. Besonders Stress in der frühen Kindheit türmt sich zu einer Last, die spätere schwere Krankheiten verursachen kann

Schrei es raus: Menschen gehen mit Stress unterschiedlich um. Foto: pa/Newscom

Tipps

Abwehr von Stress

Zur Vermeidung von körperlichen oder seelischen Schäden, die durch Stress verursahct werden können, nannte Professor Bruce McEwen Regeln, die eigentlich leicht zu befolgen sind:

Ernährung: ausgewogen, fettarm, vitaminreich

Bewegung: regelmäßig, möglichst täglich

Schlaf: ausreichend, ohne Unterbrechungen

Pausen: konsequent Arbeit einteilen und entspannen

Spätere Krankheiten können schon in jungen Jahren programmiert werden. Die Last infolge von Stress türmt sich im Laufe der Jahre auf. Eine schwere Kindheit macht krank. Für manche ist dies eine Binsenweisheit, für andere nur eine Behauptung.

Lesen Sie auch

Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Störungen in der frühen Eltern-Kind-Beziehung Spuren im Organismus hinterlassen, die spätere Schäden programmieren, körperliche oder psychische, die dann erst im Erwachsenenalter auftreten können. Stress als tickende Zeitbombe.

Stress verändert die Hormonachse HHN

Der Zusammenhang wird in Studien skizziert: Wächst ein Kind unter massivem Stress auf, wird diese früh prägende negative Lebenserfahrung auf der Hormonachse HHNA abgelegt, quasi auf einer wichtigen Festplatte des Lebens gespeichert. Das Kürzel steht für Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse, die immer dann aktiviert wird, wenn der Körper Stress ausgesetzt ist, wenn ein Mensch Orientierung sucht in Situationen, die als neu, mehrdeutig oder bedrohlich erlebt werden.

In dieser Lage befinden sich Säuglinge und Kleinkinder unentwegt, die Handlungs- und Bewältigungsmuster erst erlernen müssen. Wird dieser Prozess gestört, wenn etwa Eltern nicht präsent oder unberechenbar sind, wachsen Kinder unsicher auf, unter Stress, macht sich Angst breit.

Schädliche Veränderung der Sollwerte des Organismus

Der Körper reagiert, stark verkürzt, so: Unter Stress schütten die Nebennieren, zwei kleine Hormondrüsen, zunächst Adrenalin aus. Ist die Belastung stark oder die Gefahr sehr groß, bewirkt die Hirnanhangsdrüse (Hypophyse), dass über die Nebennieren das Hormon Cortisol ausgeschüttet wird. Über Rezeptoren meldet das Hormon im Hirn seine Konzentration im Blut und bremst mit dieser Rückmeldung letztlich selbst seine Ausschüttung.

Bei Stress wird zu viel Cortisol ausgeschüttet

Eine häufige Aktivierung der Hormon-Achse HHNA kann zu einem Zuviel an Cortisol führen. Dieses Dauer-Stress-Hormon kann im Hirn Nervenzellen schädigen. Anhaltender Stress wird bei Erwachsenen vor allem mit Herz- und Kreislauf-Erkrankungen, Fettleibigkeit, Erschöpfungs- und Angstzuständen sowie Depression in Zusammenhang gebracht.

Ein Zuwenig an Cortisol ist nicht weniger schädlich. Menschen mit dieser defensiven Reaktion auf Stress gelten als unsicher, ängstlich, latent ermattet, schmerz- und lärmempfindlich sowie leicht reizbar.

Körperliche Veränderungen bei chronischem Stress messbar

Wenn Stress-Reaktionen dauerhaft fehlreguliert sind, nimmt der Körper Schaden. Der US-Neurowissenschaftler Bruce McEwen fand bei chronischem Stress bereits früh messbare Veränderungen. Er stellte in Studien mit 70-Jährigen fest, dass sich bei Erwachsenen die Last im Laufe der Jahre auftürmt und krank macht. Der Professor der New Yorker Rockefeller-Universität nannte dies Allostase (griechisch für anders, fremd): Demnach verändern sich unter langer Belastung die Sollwerte des Organismus, die Regelung über Hormon-Ausschüttungen verstellt sich nachhaltig, quasi in eine Fremdsteuerung. Der Körper passt sich Stress nicht an, so dieses Erklärungsmuster. Ständiger Stress hat vielmehr seinen verborgenen Preis. Die Erhöhung des Blutdrucks ist dabei von besonderer Bedeutung.

Reaktion auf Stress ist zunächst eine Überlebenstechnik

Stress meint umgangssprachlich Ärger aller Art. Medizinisch bezeichnet der kaum noch übersetzte englische Begriff stress jedoch eine körperliche oder seelische Belastung durch teils schwere Übergriffe wie emotionale Vernachlässigung oder sexueller Missbrauch, auch prägende Erfahrungen wie den Verlust eines Elternteils durch Tod oder Trennung/Scheidung. Dann werden Hormone ausgeschüttet, die dafür sorgen sollen, dass der Mensch standhält. Die körpereigene Reaktion auf Stress ist auch eine Überlebenstechnik.

Dauerhafter Stress macht nicht jeden Menschen krank

Unklar sind noch die individuellen Konsequenzen in Sachen Stress. Wird die Hormonachse permanent durch Stress aktiviert, kann dies zu körperlichen und psychischen Schäden führen. Offen ist mangels Langzeitstudien allerdings die Frage, warum einige Menschen, die psychischem Stress stark ausgesetzt sind, krank werden, andere mit ähnlicher Vorgeschichte hingegen gesund bleiben.

Weitere Beiträge aus dem Ressort Psychologie

Quellen

Prof. Bruce McEwen: Studien zu HHNA und Allostase, Rockefeller-Universität New York
Bruce McEwen: "The End of Stress as we know it", National Academies Press, Washington, 2002

Am häufigsten gelesen

Bilderpaarsuche

Bilderpaarsuche

Bilderpaarsuche ist ein Merkspiel, das Sie sicher noch aus Kindertagen kennen. Halten Sie Ihr Gedächtnis in Schwung und spielen Sie hier Bilderpaarsuche online! mehr ...

Weitere Themen:

PartnerangeboteAnzeige

Disclaimer:

© 2012 gofeminin.de GmbH – Das Informationsangebot rund um die persönliche Gesundheit auf www.onmeda.de dient ausschließlich Ihrer Information und ersetzt in keinem Fall eine persönliche Beratung, Untersuchung oder Diagnose durch einen approbierten Arzt. Die auf Onmeda zur Verfügung gestellten Inhalte können und dürfen nicht zur Erstellung eigenständiger Diagnosen und/oder einer Eigenmedikation verwendet werden. Bitte beachten Sie auch den Haftungsausschluss sowie unsere Hinweise zu den Bildrechten.