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Gefühle

Selbstwert: Bin ich gut genug?

| Von Manfred Pantförder

Das Selbstwertgefühl sollte nicht von äußeren Einflüssen abhängig sein. Wenn das Vertrauen in eigene Stärke und Ausstrahlung brüchig ist, drohen Depressionen und Antriebslosigkeit

Nicht immer gelingt es, Selbstzweifel zu überspielen. Foto: pa/Beyond

Psychotherapie

Kostenerstattung

Therapie  Verhaltenstherapie ist eine der drei von den Krankenkassen anerkannten Methoden, Kosten der Behandlung bei einem zugelassenen Psychotherapeuten werden übernommen. Verhaltenstherapie ist sehr handlungsorientiert.

Von Kassen anerkannt sind auch Psychoanalyse und tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie.

Buchtipp

"...und ständig tickt die Selbstwertbombe, Selbstwertprobleme erkennen und lösen", von Harlich H. Stavemann, Beltz Verlag 2011, 174 Seiten, 19,95 €

Ist Ihr Selbstwertgefühl von der Anerkennung anderer abhängig, im Beruf, in der Familie? Dann werden Sie stetigen Belastungsproben ausgesetzt sein. Bleibt ein positives Feedback aus, sinkt das Vertrauen in den Selbstwert rapide. Wenn Selbstvertrauen schwindet, ist der Rand des Abgrunds nicht weit. Dann ist man ein "loser", ein Verlierer, Versager, eine Null oder Niete.

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Wenn das Vertrauen in eigene Stärke und Ausstrahlung brüchig ist: Welches Bild haben Sie von sich? Ist der Selbstwert eine Frage der eigenen Definition oder Resultat dessen, wie die soziale Umgebung urteilt? "Der Selbstwert ist stets das Resultat der bewussten oder unbewussten eigenen Definition. Darin fließen meist erlernte soziale Normen ein. Das muss aber nicht so sein", sagt Psychotherapeut Dr. Harlich H. Stavemann, der einen Handlungsleitfaden "...und ständig tickt die Selbstwertbombe" vorgelegt hat. "Man kann zwar verschiedene Rollen ?spielen', aber die eigenen moralischen und ethischen Lebensgrundsätze bleiben dabei dieselben."

Willen zu Veränderung

Das Buch ist eine Handlungsanweisung zur Selbstanalyse von Emotionen. Die Behandlungsmethode Kognitive Verhaltenstherapie, die auch Stavemann verfolgt, will Selbsterkenntnis befördern und zu Handlung anregen. Der Patient, der mit Leidensdruck diesen Weg wählt, braucht Willen zu Veränderungen.

In Sachen Selbstwert sollen die schädlichen Konsequenzen der eigenen negativen Einschätzung behoben werden. Denn die Folgen eines Minderwertigkeitsgefühls sind häufig schwerwiegend: Depression und Burn-out sowie soziale Phobie und andere Ängste: zu versagen, Erwartungen nicht zu erfüllen, Leistungen nicht zu schaffen, nicht schön und attraktiv zu sein.

"Ich habe in dieser Situation versagt" statt "Ich bin ein Versager"

Der Selbstwert ist keine feste, unveränderliche Größe. "Die Schwankungen im Selbstwert kommen meist durch unangemessene, unrealistische Selbstwertkonzepte zustande. Und zwar meist dann, wenn diese an äußere Kriterien oder an die Reaktion anderer Menschen geknüpft werden und somit nicht mehr der eigenen Kontrolle unterliegen", sagt der Hamburger Therapeut.

Um eine gewisse Stabilität zu erreichen, ist es dementsprechend wichtig, die Selbsteinschätzung zu kontrollieren. Nur wie? Denn diese wird durch vielfältige kulturelle, soziale und familiäre Normen beeinflusst.

Stavemann warnt vor allem vor pauschalen Selbstbewertungen. Ein Fehler darf nicht zum Kahlschlag à la "Ich bin ein Versager" führen, sondern allenfalls nur zu einem "Ich habe in dieser Situation versagt". Wortwahl und Satzbau machen den Unterschied deutlich, der sehr erheblich ist.

Aber auch eine pauschale positive Selbstbewertung bringe nur emotionale Turbulenzen mit sich. Wenn man sich etwa nach einem gelungenen Vortrag für einen tollen Hecht hält. Denn der Selbstwert wird nicht von einzelnen Ereignissen festgelegt. "Jede Form der pauschalen Selbstbewertung ist inhaltlich unangemessen und führt zu unnötigem psychischem Stress. Die sinnvolle Alternative sehe ich in der differenzierten Selbstbewertung in Form eines Selbstbildes, ohne einen ?Gesamtwert' zu bestimmen", sagt der Verhaltenstherapeut.

Eigene Denkschablonen bestimmen den Selbstwert

Es geht also um Selbstvertrauen und Selbstsicherheit, weniger um Selbstverwirklichung. "Allerdings wird jemand, der eine klare Vorstellung davon hat, wie er leben, was er erreichen und welche ethischen Grundsätze er verfolgen möchte und danach auch lebt, ein positiveres Selbstbild besitzen als jemand, der dies nicht hat oder tut", sagt Stavemann.

Viele Erschütterungen des Selbst sind korrigierbar. Schwierig aber wird es, wenn Zweifel ausufern und zu Depressionen, Antriebslosigkeit oder Formen von Selbstzerstörung führen. "Für viele Menschen ist der Zweifel an sich selbst beziehungsweise an der eigenen Wertigkeit der personifizierte Super-GAU, der für sie meist mit einer Sinnkrise einhergeht", sagt Stavemann.

Um diesem Sog zu entgehen, kann eine Selbstüberprüfung ratsam sein. Um die Fremdbeurteilung zu begrenzen. Und um so die Einsicht zu befördern, dass es die eigenen Denkschablonen sind, die den Selbstwert bestimmen.

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Quellen

Gespräch mit Dr. Harlich H. Stavemann, Psychotherapeut, Hamburg, März 2011
Dr. Harlich H. Stavemann: "... und ständig tickt die Selbstwertbombe, Selbstwertprobleme erkennen und lösen", Beltz Verlag, 2011

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