Gegen das Risiko soll eine Police helfen, Deutsche sind Versicherungsweltmeister. Der eigene Körper wird hingegen gesundheitlichen Risiken ausgesetzt. Wider besseres Wissen schaden sich viele Menschen selbst. Appelle zu Vorsicht und Maßhalten verhallen. Mediziner und besonders die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung weisen unablässig auf die Risiken hin, die vor allem zu Herz- und Krebserkrankungen führen können.
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Ist denn Krankheit überhaupt ein Risiko? "Dabei handelt es sich um ein gemischtes Risiko: Schicksal und eigenes Handeln", sagt Klaus Heilmann, Mediziner und Risikoforscher in München. "Wir können immerhin versuchen, die Risikofaktoren, die für eine Krankheit bekannt sind, klein zu halten."
Rauchen hat das größte Risikopotenzial
Ohne großen Erfolg, scheint es angesichts der immens hohen Ausgaben für Krankheit. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts raucht jeder vierte Deutsche, unter den Nichtrauchern sind zudem noch 20 Prozent ehemalige Raucher. Täglich sterben hierzulande an den Folgen von Nikotinsucht mehr als 300 Menschen. Wer raucht, geht mit Abstand das größte Risiko ein, dem man sich freiwillig aussetzt. Eine britische Studie kam zu dem Schluss, dass der Konsum einer Zigarette das Leben um acht Minuten verkürzen könnte. Das dürfte etwa einer Zigarettenlänge entsprechen.
Abstraktes Risiko löst Ängste aus
Der Raubbau am Körper wird offenbar dennoch nicht als akute Bedrohung wahrgenommen. Tatsächlich ist die Analyse der Gesundheitsrisiken schwierig. Gern verweisen Raucher darauf, dass es Menschen trotz Nikotins bis ins hohe Alter schaffen. Und dass andererseits auch ein Nichtraucher an Lungenkrebs erkranken und sterben kann. So verniedlichen sie ihr Risiko.
Bei der Wahrnehmung von Risiken spielt die Psychologie eine große Rolle, sagen Risikoforscher. Das zeige sich daran, dass selbst ein abstraktes Risiko für die Gesundheit, wie beispielsweise mögliche Folgen von Gentechnik oder Klimawandel, bei manchen Menschen schon sehr reale Ängste auslösen könne.
Aus der Planbarkeit des Lebens ausbrechen
Was aber treibt uns in riskante Lebensführung, was lässt uns das Risiko relativieren: Langeweile, Suche nach Anerkennung, Selbstüberwindung, Sucht nach Genuss? "Diese Motivationen spielen eine große Rolle", sagt Heilmann. "Diese Beweggründe zeigen aber auch, wie sicher wir heute eigentlich leben, dass wir eben nicht ständig von Gesundheitsrisiken umgeben sind. Wir suchen sie eher, weil wir in vergleichsweise friedlichen Zeiten hierzulande leben."
Wohlstand und soziale Sicherungssysteme gewährleisten eine weitgehende Versorgung. Aus der Planbarkeit des Lebens brechen manche jedoch immer wieder aus. Offenbar brauchen wir die Bereitschaft zum Risiko als Antrieb, um Lethargie oder Abstumpfung zu vermeiden. "Viele brauchen schon eine gewisse Stimulation, das muss ja nicht gleich lebensgefährlich sein. Das Maß hängt davon ab, wie viel man bereits erlebt hat, mit wie vielen Risiken man in Verbindung gekommen ist", sagt Heilmann.
Wenn die Instinkte versagen
Bei der Einschätzung von Gesundheitsrisiken kann sich der Mensch heute allerdings nicht mehr auf seine Instinkte verlassen. Auch das Wissen um gesundheitlichen Schaden infolge von Rauchen, Alkohol- und Drogenmissbrauch führt nicht dazu, dass diese Risikofaktoren ausgeschlossen werden. Es sind noch Varianten hinzugekommen, die Leib und Leben massiv gefährden, voran das Risiko, das Völlerei bedeutet. Das größte Gefahrenpotenzial liegt im eigenen Handeln.





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