Die Haut ist auch das erste Sinnesorgan, mit dem der Mensch kommuniziert. Im Mutterleib spürt der Fötus seine Haut an der Wand der Gebärmutter. Indem er sie und sich selbst berührt, zum Beispiel den Daumen zum Mund führt, bemerkt er, dass er ein zusammenhängendes Wesen mit Körpergrenzen ist. Über Berührung entsteht nach der Geburt Beziehung. In Experimenten des Psychologen Harry Harlow konnten Rhesus-Äffchen, die ohne Mutter eingesperrt waren, zwischen zwei Attrappen wählen: einer aus Draht nachgebildeten Ersatzmutter mit Flasche, aus der Milch kam, und einer aus Stoff, ohne Milch. Die Äffchen holten sich die Milch und kuschelten mit der Stoffattrappe.
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Für kleine Kinder ist Nähe Körpernähe. Entwicklungspsychologen konnten aus der Qualität der mütterlichen Berührung im Alter von vier Monaten voraussagen, wie gut oder schlecht das Kind später an die Mutter gebunden ist. In Experimenten zum Mutter-Kind-Kontakt zeigt sich, dass rund 50 Prozent der Blicke eines Babys zu den Augen der Mutter gehen, 30 Prozent zu ihren Händen.
Berührung tut auch Kranken gut. In den USA zeigten Experimente: Wenn Krankenschwestern chronisch Kranken einmal am Tag einige Minuten die Hand auf den Arm legen, steigt der Sauerstoffgehalt in deren Blut an. Legen sie ihre Hände dorthin, wo sie bei Kranken eine Ansammlung von Spannungen bemerken, zeigen diese bei Hirnstrommessungen Zeichen für tiefe Entspannung.
In einer Psychotherapie kann eine aufgelegte Hand das körperliche Empfinden fördern, Spannungen lösen, Trost spenden. Sie kann aber auch Konflikte, die im Körper schlummern, an die Oberfläche bringen, wenn der Therapeut beispielsweise einen unter Spannungen stehenden Muskel durch leichten Druck provoziert. Therapeutische Berührung muss aber dem Vorbild guter Eltern folgen: Sie hat dem Patienten zu dienen und auf keinen Fall irgendwelchen Bedürfnissen des Therapeuten.




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