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Narzissten

Wenn der Chef ein Egomane ist

| Von Manfred Pantförder

Wenn der Chef narzisstisch ist, kann es brenzlig werden. Weil Sie ihren Chef nicht ändern können, sollten Sie bei Ihren Verhaltensmustern beginnen. Wie Sie sich retten können

Ärger mit dem Chef: Wohin mit der Wut? Foto: pa/Boissonnet

Meinung

Psychofreie Zone

Von Manfred Pantförder

In weiten Teilen der Arbeitswelt ist für Gefühle kein Platz. Jeder kämpft sich durch, wie er kann. Machtkämpfe und Konflikte zwischen Vorgesetzten und Untergebenen verursachen dabei viel Reibung. Das schadet den Beteiligten und in der Gesamtheit auch dem Unternehmen, wenn dadurch Produktivität und Kreativität leiden.

Die Belastungen, die sich aus den Spannungen am Arbeitsplatz ergeben, machen auch anfällig für Krankheiten, psychische wie körperliche. Erschreckend hoch sind die Zahlen, die Arbeitsmediziner und Krankenkassen vorlegen.

Ob der narzisstische Chef, der sich nicht verstanden fühlt, oder der gedeckelte Untergebene, der sich nicht gehört fühlt: Beide Seiten sind unter Druck. Dauerkonflikte sind Stress und bedeuten für beide gesundheitliche Bedrohungen. Psychologische Betreuung könnte in vielen Betrieben sicher manches bewirken, zum Wohl des Unternehmens. Doch die Arbeitswelt ist quasi eine psychofreie Zone, in der kaum Raum ist für vorbeugendes Coaching oder begleitende Beratung.

Der Einzelne kann sich vielleicht individuelle Techniken aneignen, seinen Arbeitstag zu bewältigen. Für einen kreativen, ja vielleicht sogar lustvollen Umgang mit dem Job wäre es jedoch wünschenswert, wenn für das Miteinander mehr Möglichkeiten geschaffen werden als die häufig übliche jährliche Betriebsfeier. Schließlich verbringen Berufstätige meist mehr Zeit mit Kollegen als mit der eigenen Familie.

Störungsbild

ICD-10

Narzisstische Persönlichkeitsstörungen (im Internationalen Diagnoseverzeichnis ICD-10 unter F 60.8) beginnen in der Kindheit oder Jugend. Anders als bei anderen psychischen Erkrankungen, die ausbrechen und auch wieder eingedämmt werden können, ist die Störung anhaltend, meist über einen langen Zeitraum auch wenig auffällig.

Buchtipp

"Der ?Feind' an Ihrer Seite, Wie Sie im Umgang mit Egozentrikern überleben und wachsen können", Wendy Behary, Junfermann Verlag, Reihe Aktive Lebensgestaltung, 2010, 19,90 €

Ist Ihr Chef selbstherrlich? Hört er nicht zu, macht er Witze auf Kosten von Untergebenen? Wird er wütend, oder zieht er sich gekränkt zurück, wenn er selbst auf Kritik stößt? Beantworten Sie alle Fragen mit ja, haben Sie Pech. Ihr Chef ist dann nach Kriterien von Psychologen ein Egomane, er leidet unter einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung, so der Fachjargon.

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Folgt man Erhebungen von Sozialforschern, so ist die Arbeitswelt ein Minenfeld. Der Egomane ist demnach keine Seltenheit. Psychologen führen einen Teil der Fehlzeiten auf psychische Belastungen zurück, die mit respektloser Behandlung in Büros und Betrieben zusammenhängen.

Feine strategische Mittel

Was tun, wenn der Chef übermäßig auf sich bezogen, ein Egomane ist? Es sei sinnlos, sich dann in einen Machtkampf zu verstricken, meint etwa Wendy Behary. Die amerikanische Psychotherapeutin hält auch nichts von Diskussionen. Die US-Forscherin, die sich auf Narzissmus und Paartherapie spezialisiert hat, rät zu feinen strategischen Mitteln, um an der Seite eines egomanischen Chefs zu überleben.

Kampf, Flucht oder Erstarrung

"Wenn Sie bei Ihren Interaktionen mit einem Narzissten effektive Resultate erzielen wollen, müssen Sie die Choreographie Ihres Überlebenssystems verändern", sagt Behary. Und das lautet Kampf, Flucht oder Erstarrung. Den ersten Schritt macht demnach das mutmaßliche Opfer selbst. Kampf im Sinne von Konfrontation mit dem Vorgesetzten hat wenig Aussicht auf Erfolg, weil der Egomane entweder heftig reagiert oder sich zurückzieht.

Beide Varianten führen zu keiner Verbesserung, letztlich zählt die Hierarchie. Der Egomane ist dabei im Vorteil. Wenn man sich ungerecht behandelt fühlt und eine leise Erwiderung nicht verkneifen kann, rät Behary zu einer moderaten "Auch-ich-habe-Recht"-Position.

Unterwürfigkeit wird nicht belohnt

Flucht ist eine unbefriedigende Variante, sie macht den Kontrahenten nur stärker, Sie aber ohnmächtiger. Reagieren Sie nur verschreckt, wenn der Egomane Sie angeht, verlieren Sie die Möglichkeit des Denkens, des Abwägens. Stellen Sie sich vielmehr dem Konflikt, bitten aber um eine kleine Bedenkzeit, um sich aufzubauen, sich zu sammeln.

Die dritte Handlungsmöglichkeit Erstarrung ist für Sie die schädlichste. "Leider ist die Folge häufig weitere Kritik an Ihrem unterwürfig-hilfsbereiten, rückgratlosen und makelbehafteten Naturell", folgert die US-Psychotherapeutin und rät zu einer Prise Widerspruch wie etwa: "Ich bin vielleicht nicht vollkommen, aber es ist auch nicht alles meine Schuld." Damit soll der Egomane entwaffnet werden.

Prinzip Teflon: abperlen lassen

Die Beispielsätze sollen verdeutlichen, worauf es ankommt: Sie müssen ein Gefühl dafür entwickeln, warum der Umgang mit einem Narzissten für Sie so schwierig ist, so die Botschaft der Verhaltenstherapeutin. Das klingt plausibel, doch wie übersteht man angespannte Situationen mit dem Chef, der ein Egomane ist?

"Wenn nun Herr Weiß-alles-und-macht-keinen-Fehler Ihnen mit einem seiner lieblosen Kommentare zu einem für Sie schwierigen Thema kommt", so Behary, "aktivieren Sie den ?teflonbeschichteten' Teil Ihres Gehirns." Das Kalkül: So werden eingefleischte Schemata, die Ihr Verhalten prägen, verändert. "Wenn Ihr ?lärmiger' Geist Ihnen zuvor Gefühle wie Nervosität, Wut, Selbstzweifel oder Hilflosigkeit beschert hätte, gleitet Ihr Leiden nun von Ihnen ab wie ein lockeres Omelett aus einer gut gefetteten Pfanne."

Achtsame Körpersprache verdrängt die üblichen Schuldgefühle

Der Konflikt ist zwar nicht gelöst, der Egomane nicht geändert, aber Sie haben sich nicht belastet und bauen nicht Verbitterung auf. Da Sie den Chef nicht ändern können, setzen Sie an Ihren Verhaltensmustern an.

Um nicht in alte Schemata zurückzufallen, ist ein hohes Maß an Achtsamkeit sich selbst gegenüber notwendig. Hängende Schultern vor einem Gespräch beim Chef zu korrigieren, kann zu einem positiven Verlauf beitragen. Oder: Erwarten Sie – wie immer – eine Niederlage, dann haben Sie schon verloren. Schultern nach hinten, Kinn vor: Achtsame Körpersprache kann helfen, dass Sie die üblichen Schuldgefühle, die Sie klein machen, wenn der Egomane Sie beeindrucken könnte, loswerden. "Sie wissen dann nicht nur, dass Sie in Ordnung sind, so wie Sie sind", resümiert Psychologin Behary, "sondern spüren dies auch."
 

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Quellen

Wendy Behary: "Der 'Feind' an Ihrer Seite, Wie Sie im Umgang mit Egozentrikern überleben und wachsen können", Reihe aktive Lebensgestaltung, Junfermann Verlag, 2010
Gespräch mit Jürgen Hesse, Dipl.-Psychologe, Bewerbungs- und Karrierecoach, Berlin, Mai 2010
Internationales Krankheiten- und Diagnoseverzeichnis ICD-10

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